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Der Orient · 1844-04-30 · Heft 18 (30.4.1844) · p. Seite 143

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 18 (30.4.1844)
Date
1844-04-30
Page
Seite 143 (sequence 13)
Language
German
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143 sucht, weil er Jude. Am Orte, wo ich wohne, Lebt ein Maurermeister jüd. Religion, dessen Geschicklichkeit, Pünktlichkeit, uud strenge Rechtlichkeit bei allen Glaubensparteien gebührende Anerkennung finden, und welcher deshalb vor vielen seiner christlichen Konkurrenten vorgezogen wird. Ich darf dreist Hehaupten, daß der Christ in hiesiger Gegend in Bedrängnissen eher zum Juden Zuflucht nimmt als selbst zu den Christen, tajj aber auch Juden, welche in solchen Fällen ihre Zuflucht Lei Christen suchen, in den meisten Fällen Schutz und Hilfe Lei ihnen finden. Und doch fehlt es leider auch nicht an ju- Lenseindlichen Elementen. Unter allen Klaffen findet man „menschliche Gestalten, welche Gift im Herzen mit Basiliskenblicken" jeden Juden feindlich angrinsen, sogenannte Judenfresser, welche, ohne sich einer klaren Ursache bewußt zu sein, ihn am liebsten durchbohren möchten. Wehe, wenn dies ein Hochgestellter ist! Auch fehlt's an Zündstoff nicht, um den Judenhaß zur lichten Lohe anzufachen. Seit einer Reihe von Jahren heckt ein Literarischer Lump eine Anzahl Broschüren aus, worin er in wahrhaft fanatischer Wuth Judenhaß predigt. Fast in jeder Stadt, in jedem Dorfe unterhält er Helfershelfer, welche seine Machwerke von Haus zu Haus herumtragen, um aus dem verächtlichen Sündenlohn den höchstmöglichen Ertrag zu erzielen, welchen er auf eben so würdige Weise verwendet, nämlich zu Ehren des Branntweingottes, daher man auch in seinen Machwerken sonder Mühe den Genius des Säuferwahnsinns erkennt. Dank sek es dem gesunden Sinne der Oberschlesier, als auch der Abgeschmacktheit und Gehaltlosigkeit dieser Schriften, daß die darin ausgestreute Saat nicht aufgeht. Ungeachtet solcher Bestrebungen schreitet die sittliche und moralische Entwickelung derOberschl. Juden unaufhaltsam vorwärts, und wer wie ich, seit länger als 30 Jahren diese Entwickelung mit lebhafter Theilnahme beobachtete, muß den gewaltigen Fortschritt zwischen Letzt und Vormals wahrhaft erstaunenswert!) finden. (Beschluß folgt.) Zur Judenfrage m Norwegen. Bericht der Konstitutionskommiteen, den Vorschlag um Aufhebung des letzten Passus des Par. 2 des Grundgesetzes betreffend. (Mit Auslassung einzelner specieller Referate aus dem Inhalt der Dokumente). «Fortsetzung.) Das, was den Juden mit unsrer Rechts- und Sittenlehre in Widerspruch bringt —und daß nur grober Misverstand oder Verdrehung aus der Lehre des alten Testaments etwas Entgegengesttztes herzuleiten vermöge, — ist daß die sogenannten Rabbaniren oder Talmudisten, die zugleich mit dem alten Testament auch den Talmud und einige andere rabbinische Schriften als Norm der Glaubens- und Sittenlehre aufstellen, darin Gebote und Lehren ausgesprochen finden, die, wenn in Anwendung gebracht, die Juden in direktr Opposition mit unsrer Rechts- und Sittenlehre bringen .würden. Zu diesen (Nabbaniten oder Talmudisten) zählen mehrere Autoren alle europäischen Juden, im Gegensatz zu den morgenlä'ndischen oder karaitischen, die den Talmud verwerfen, und deshalb von den orthodoxen Juden als Ketzer angesehen würden. Indessen erkennt die Fakultät an, daß nach der Aussage von Männern, an deren Glaubwürdigkeit zu zweifeln man nicht berechtigt sei, die Opposition zwischen Christen und Juden mehr und mehr in den Hinterrgrund träte, sowie vielfache Beispiele bezeugten, daß die Juden große Opfer zum Besten der Länder oder Städte gebracht, deren Bürger sie waren. — Daraus entnimmt die Fakultät, daß die europäischen Juden im Allgemeinen nicht jenen rabvmischen und talmudistischen Lehrsätzen huldigen, oder doch, daß die, so ihnen Folge leisten, sie nicht ihrem ganzen Umfange nach anerkennen. Diese Ansicht der Fakultät findet ihre Bestätigung in einer für die Juden in Dänemark von der dänischen Kanzlei sanktionirten Agende, sowie in einem von dem König von Dänemark sanktionirten Lehrbuch dev mosaischen Religion, auf welche beide Schriften sich die Ständeversammlung in Roeskilde i. I. 1838, in ihrer Petition an den König um Wählbarkeit der dänischen Juden zur Ständeversammlung, berufen haben. Dennoch glaubt die Fakultät, daß die Juden nicht unbedingt aus unserem Staatsverbande auszuschließen seien, obwohl dieselbe in dieser Angelegenheit die größmoglichste Vorsicht anempsiehlt, auf daß keine der bürgerlichen Verpflichtungen ibnen erlassen werde, die das Land seinen eigenen Kindern auserlegt. In Bezug auf die Aeußerung der Fakultät, in welcher Art der Par. 2 des Grg. praktisch verstanden worden, und außerdem, um in Besitz derjenigen aus der Erfahrung gewonnenen Data zu kommen, die hier zu Lande zu erlangen sein möchten, haben die Komitteen um Nachweise in den betreffenden Bureaux im Justiz-Departement der Regierung und bei den Polizeimeistern in Christiania und Bergen nachgesucht, woselbst, wie es einzelnen Mitgliedern der Komitteen bekannt, Verhandlungen über Juden stattgefunden haben. Solchergestalt ist man in Besitz folgender Dokumente gekommen: 24. 25. Bericht von dem Polizeimeister in Christiania, mit beigelegtem Jnstruktions-Erkenntniß gegen den Juden Henri Leier, Optikus, der sich ohne Gelertsbrief (wenn anders ein solcher nicht jetzt vorgelegt werden kann", — heißt es in dem erwähnten Erkenntniß,) in hiesiger Stadt in den Jahren 1832 und 1833 aufgehalten, weshalb ihm eine Geldbuße nach 3. 22. 1 des Landesgesetzes auserlegt, und er aus dem Lande transportirt worden ist. Das Schreiben des Polizeimeisters weist übrigens nach,

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