Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1844)
- Date
- 1844-04-30
- Page
- Seite 141 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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141 intern es eine scharfe Kritik liefert, die Kritik ihrer selbst ivegen übt: dergleichen Bestrebungen sind zu verachten. Wenn aber ein Blatt theils unbekannte, theils geachtete Männer, lebende und verstorbene, angreift, wie es „der Israelit des 19. Jahrhunders" thut, so ist solches Benehmen gewiß mit einem derben Namen zu belegen. Ich harte vielleicht bester gethan, das Blatt und seinen Inhalt zu übersehen, es gar nicht zu erwähnen (denn das scheint man nur bezwecken zu wollen); aber einmal mußte es doch geschehen, dann aber “ipD^ uh) “DT' n1?. Ich habe die Nummern, welche seit Januar hier angekommen sind und durch die Schüler der Realschule (Philantropin) den resp. Abonnenten ins Haus geschickt werden, gelesen, und nun will ich einmal sagen, was ich davon denke, und es dann nicht wieder ansehen. In Nr. 13 ist eine Schilderung der hiesigen Verhältnisse, aus der deutlich hervorgeht, wer sie geschrieben. Es wird darin ganz besonders auf die Vorzüge hingewiesen, welche der hiesigen Gemeinde aus dem Philantropin erwachsen, d. h. der hier wie nirgends so arg sich zeigende Judenhaß wird — als eine Glückseligkeit angepriesen; statt durch Aufhebung einer solchen Separatschule — die ja doch nur eine Bürgerschule ist, und in der die jüdische Religion aus Princip stets die Nebensache ausmacht — den Haß verschwinden zu ma- ' chen, Juden und Christen von Kindesaltec an sich nahem und befreunden zu lasten, wie es jeder Vernünftige wünscht, werden die getadelt, die sich in ihrer Abgeschlos- ’ senheit nicht gefallen, die ihre Kinder in christliche Schulen schicken, dem Vorurtheile trotzen und so beitragen, es mit der Zeit ganz zu vertilgen. Man könnte überhaupt glauben, daß der ganze Artikel nur zur Empfehlung dcs Philantropin geschrieben sei. — Ist nun diese Änstalt genug gelobt, sind die vernünftigen Eltern, welche ihre Kinder in christliche Schulen schicken, genug geschmäht worden, dann kommen die Korrespondenten der übrigen Blätter an die Reihe, und da wird denn der Israelit des 19. Jahrh. ein rechter Lügner! Man muche mir nicht zu, solche Einzelheiten hier zu erörtern. — Wir gehen zu Nr. 14 über. In einer Korrespondenz vom Rhein schimpft ein Rabbiner über die bekannten Gutachten, vielleicht aus Aerger, weil das seinige nicht abgedcuckt wurde. Was dessen Freund, den Rabbiner ^ahn in Trier betrifft, so ist sein Name nur deswegen erwähnt, weil der Herausgeber der Gutachten ein persönlicher Freund von ihm ist; sein Gutachten ist so ohne allen Gehalt, daß es in keinem Falle des Drückens werth lst. Hx. ßoftn j-a^t nur jmmer, daß es lächerlich wäre, ein Gutachten abzugeben, begreift also den Zweck ) "lcht einmal, sein Freund hat ihm unmöglich einen Gefallen gethan, daß er sich zu seinem Ritter aufgeworfen; Verdächtigungen und Verdrehungen, wie sie nachher folgen. sind leicht zu beurtheilen. Dann kommt eine Korrespondenz aus Preußen, die sich lediglich mit Persönlichkeiten beschäftigt. Frankel, Geb hart, Hirschfeld, Mannheimer, Hirsch, Kirchheim, Ullmann, Alle werden sie mitgenommen, nur Eisenberg wird getobt; man denke sich, 7 Spalten voll Persönlichkeiten, wenn das nicht Abonnenten schafft! Hatte man noch Geist und Verstand, die Leute schlecht zu machen, aber so dumm zu sein! — Von K. wird gesagt, seine Wissenschaftlichkeit ist zu loben; daß er aber ebensowohl gegen den Chasidismus eines Lehren, und gegen den Reform-Verein an kämpft, d as ist dem Manne unbegreiflich'! Es ist so, wie ich sage, die Schmähungen jenes Blattes gereichen nur zum Lobe! So heißt es noch von ihm^ daß er über den Gutachten hocke! Man weiß doch, daß sie Privat-Eigenthum sind und nur unentgeldlich vertheilt werden! Oder hast du es geschrieben, theurer Mann, der du dich nicht schämtest, die neun ersten Bogen aus der Druckerei stehlen zu lassen und sie erst herausgabst, als man mit der Polizei drohete, hast du den armen Druckerburschen für seine Angst und Gewissensbisse schon entschädigt! Thäte ich's nicht der Kinder wegen, die mir Vertrauen zu ihm emporblicken müssen, ich würde seinen Namen hier offen nennen! Und nun genug! Der Israelit des 19. Jahrh. weiß, was ich von ihm denke, jeder rechtliche Mann wird aus meiner Seite stehen, einmal mußte es geschehen^ und nun nicht wieder! L. S. Aus Beuern, 16. April. Freitag den 12. d. M. wurde in Fürth die Ministerialentschließung über die von hyperorthodoxec Seite gegen den dortigen Rabbiner Dr. Löwi eingereichten Anklagen den Parteien publicirt. Dem Vernehmen nach wurde, wie zu erwarten, nichts Gravirendes gegen Löwi gefunden, jedoch der klagenden Partei freigestellt, wenn sie sich in ihrem Gewissen beunruhigt fühlt, einen Rabbiner sich zu nehmen, dem sie die kirchlichen Funktionen und gesetzlichen Entscheidungen übertragen kann, ohne daß Löwi in seiner Stellung etwas verlöre. Wir werden demnächst einen zuverlässigen Bericht über diese Angelegenheit erstatten. — Der Rabbiner Stein hat seine bisherige Stelle aufgegeben, und am letzten Tage des Osterfestes seine Abschiedspredigt gehalten. — In Ihrem Blatte Nr. 15 wird die Verwunderung ausgesprochen, daß Dr. Behr es ruhig ansehe, wie die Korrespondenten des Franks. R.V. Stellen.aus seinem Religivnsbuche citiren, die sich gar nicht in demselben befinden. Die Verwunderung beruht aus einem Jrrthume; denn allerdings finden wir in dem größecn Religionsbuche von Behr S. 57 die Worte als Anmerkung: „Keineswegs aber ist die Beschneidung eine Bedingung zur Aufnahme in den Bund der Israeliten, sondern sie gehört in die Klasse der mrmD a"n, und derjenige, der sie übertreten hat, ist deshalb nicht den übrigen Pflichten eines Israeliten entbunden". In der Vorrede S. XI. wird in einer Note bemerkt, daß genannte Anmerkung auf Vec-