Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1844)
- Date
- 1844-04-30
- Page
- Seite 138 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Einwürfe entgegenzunehmen und unter Umstanden denselben Folge und Anwendung zu geben". Und doch hat der Korrespondent aus Meklenburg-Schwerin im Orient Nr. 14 in Betreff der neulich vom Oberrath erlassenen Verordnung über die Weglassung des sog. Trop's beim Vorlesen der Tora, die eigentlich nur eine Interpretation des §. 5 (Kap. 3) ist, verschmähet, diesen Weg einzuschlagen und es vorgezogen, sich unmittelbar an die Oeffentlichkeit zu wenden. Da nun eine Gemeinde vom Oberrath selbst sich Auskunft über diese Maaßregel erbeten und dieses einen deßfallsigen oberrathlichen Bescheid veranlaßt hat, so dürfte es dem vorgenannten Korrespondenten nicht unlieb sein, die leitende Ansicht des O-R. durch diese Blatter zu vernehmen. „Auf Ihre Eingabe vom 3. d. M., betreffend die vom israelitischen Oberrath angeocdnete Art und Weise, wie künftighin die Tora, Haftara, das Buch Ester und die Klagelieder Jer. in der Synagoge vocgelesen werden sollen, ecwiedern wir Ihnen hiermit wie folgt: 1. Ist die bisherige Art und Weise, wie die Accente gesungen wurden, durch kein rituales Gesetz vorgeschrieben, und beziehen sich alle Vorschriften hierüber lediglich auf die Korrektheit des Vortrages nach den Vokalen und Accenten im Allgemeinen, die besondere Kermtniß derselben dem Studium der hebräischen Grammatik überlassend. 2. -Der Gesang, mit welchem die verschiedenen Accente begleitet wurden, sollte blos eine Art Deklamation vorstellen, wodurch das Berständniß des Inhalts für den Hörer erleichtert wird. Außer ihrer eigentlichen grammatischen Bedeutung und Bestimmung als Ton- und Interpunktionszeichen bildeten die Accente auch D e kl am ationsz eichen in Beziehung auf Höhe und Tiefe des Tons, und der bisher übliche Vortrag war eine Art deklamatorischen Gesanges, für den jene Zeichen gewissermaaßen die Noten bilden. (6s. Gesen. Gramm. §. 12; Saalschutz Vocabul., S. 65.) 3. Da diese Art Deklamation aus unserem außergottesdienstlichen Leben gänzlich geschwunden, die Kenntniß ihrer Bedeutung nur durch ein gründliches Studium der hebräischen Grammatik zu erlangen ist, ihr Zweck also, nämlich das leichtere.und richtige Verstandniß des vorgelesenen Inhalts, für den größten Theil der Synagogenbesucher nicht erreicht wird, so hat sie für uns auch allen praktisch - religiösen Werth verloren. Durch den bisher üblichen deklamatorischen Gesang der Accente können die meisten Zuhörer nicht wissen, ob ein Satz in bejahendem oder verneinendem, fragendem oder antwortendem, drohendem, warnendem, zürnendem, oder bittendem, versöhnendem K. Tone gesprochen wird, welches aber zum Verstandniß schon im gewöhnlichen Leben bei dem Gebrauche der Muttersprache, geschweige denn bei der uns weniger bekannten heiligen Sprache unerläßlich uothwendig ist. 4. Da wir zum Wirken für die Belebung des Gottesdienstes und der öffentlichen Erbauung berufen sind, so hielten wir es für unsere heilige Pflicht, dem wichtigsten Theile des Gottesdienstes — der Verlesung bcc Tora — mehr Einfluß aus das religiöse Gemüth zu verschaffen und an die Stelle des üblichen Gesanges der Accente die uns Allen verständliche würdige Deklamation treten zu lassen. Wir halten uns überzeugt, daß, wenn nur die Vorbeier sich gehörig vorbereiten, um die Vocale und Accente richtig vorzutragen und den vorgetragenen Inhalt durch würdige Deklamation geistig zu beleben, dieses zum Berständniß der Tora bei den Zuhörern wesentlich beitragen und ihre Aufmerksamkeit, mehr als es bisher der Fall gewesen, zu fesseln geeignet sein wird. Schwerin, 10. März 1844. Der israelitische Oberrath. An den Vorstand der israel. Gemeinde in . Ich habe noch hinzuzufügen, daß ich das Komplij ment der Wortführerschaft des Oberraths, mit welchem I mich der gedachte Korresp. beehrte, durchaus ablehnen | muß. Der Oberrath besteht Gottlob aus Mitgliedern, I die keines andern Wortführers bedürfen. Ich bescheide j mich außer dem durch das allerhöchste Kirchenstalut mir j vorgezeichneten Kreis amtlicher Thätigkeiten, Mitglied K dieses Kollegiums zu sein, und ich suhle mich eben so f wenig geneigt, die Verantwortlichkeit aller bisherigen | und noch fernern Maaßnahmen des Oberraths allein zu tragen, als an der Verdienstlichkeit derftlben mehr f als einen gleichmäßigen Antheil für mich in Anspruch : zu nehmen. \ Wreschen, 1. April. Der Monat Marz brachte | uns zwei erfreuliche Ereignisse, einen neuen Korporation^ f. Vorstand, und einen Frauenverein. Letzterer ist das j: Werk des Ersteren. Der Korporations-Vorstand besteht |j diesmal aus den Herren Meyer Gold stein und Mi- [ chel Wolfsohn, Beide energischen Geistes und für jedes f Gute und Bessere eingenommen, und werden sie gewiß f auf die Veredlung unserer religiösen Institute bedacht sein. I Der neue Vorstand hat dem neugegründeten Frauen- | verein zum bestehenden Fond aus der Korporations-Kasse js 56 Thlr. überwiesen, und demftlben Vorsteherinnen in j den Damen H. Zöllner, R. Abrahmczy, D> i Krotoschyner gewählt, die eine gewisse Summe zur J Verschönerung des Gotteshauses diesmal verwendet har f; ben. — Was ich Ihnen diesmal von unsecm Rabbiner j Gebhardt zu berichten habe, ist dessen Friedlichkeit; \ fern von allem Egoismus liegt er seinem Berufe aus j. Liebe mit Ernst und Eifer würdevoll ob; geizt nicht l nach Ehre, buhlt nicht um den Beifall des Auslands, sondern er wirkt nur für seine Gemeinde. Und ich kann unsrem neuen Vorstande nicht genug loben, daß er die Ueberzeugung gewonnen und ihm aus freien