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Der Orient · 1844-04-23 · 17 (23.4.1844) · p. Spalte 269-270

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Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
17 (23.4.1844)
Date
1844-04-23
Page
Spalte 269-270 (sequence 7)
Language
German
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369 Kritiken. Kurze Anzeigen. Predigt-Skizzen von Dr. E. Kley. 27« aüs dem zum LN2 gewählten Bibelverse erhellet — das Jahr 5603=1843$ Ersterer, wie die vorgedruckten Approbationen sagen, ist ein Z e hu da Alka lei, Vorbeter der sefardischen Gemeinde zu Semlin (in Ungarn). Die Frucht ist demnach eine Spätfrucht (da schon drei Jahre seit dem Vorfälle verflossen) und man wäre berechtigt zu glauben, auch eine vollreife, — dem ist aber nicht so! Der Verfasser will — er will — ja! aber wie soll ich denn wissen, was er will, da er selbst es nicht klar wußte! Er sucht zu beweisen, daß Geld das höchste Gut sei, die erhabensten Lugenden durch dasselbe, wenn nämlich *-\wyo davon gegeben wird, ausgewogen werden, und daß das Jahr 5600 eben das Jahr sei, in welchem unsere Erlösung durch dasselbe beginnt, den QT1D nwnvni^i ^99 'ntoD^rhi -)h!!! — Der Verfasser muntert zur Rückkehr nach Jerusalem auf, beweist durch Verdrehung verschiedener Bibelverse und Anwendung einiger sinnlosen Hagadastellen, daß wir nur dort Israeliten heißen, nur einen daselbst aus unserer Mitte erwählten König unfern rechtmäßigen König nennen können, macht auf die Verdienste jubf Plutokraten aufmerksam, wie sie durch ihre Mildthä'tigkeit alle andern Israeliten, die sämmtliche Gebote und Verbote beachren, übertreffen, und daß diese es auch noch bei den europäischen Herrschern durchsetzen werden, daß uns die Rückkehr nach Palästina rc. gestattet werde u. dgl. m. baaren Unsinn, wo man nicht weiß, soll man verzweifeln oder staunen darüber, daß heute noch das Gehirn eines gelehrtseinwollenden Menschen solchen Unsinn aushecken kann! Natürlich wird dieser Unsinn durch noch größern beargumentirt, und wo die U'i'ü'l und wie z. B. TOT *11D’ iS macht worunter Rothschild gemeint ist u. dgl. m. die Hauptrolle spielen. Die hebr. Sprache ist übrigens leicht und verständlich; Papier und Druck recht hübsch, und es scheint uns in London gedruckt zu sein. — Einen Ma'cen aber, der diese auf eigene Kosten drucken ließ, fand diese unsinnige Broschüre in Wien, während man wahrhafte Gelehrte, die Köstliches und Nützliches schon zu Tage förderten und noch fördern könnten, verkümmern und zu den verzweifeltesten Mitteln eher greifen läßt, bevor man ihnen unter die Hand griffe, wie wir rig. nur an Bloch erinnern! — O Mäcen! wie wird doch dein hoher Name vielfach entweihet! Jgn. Einhorn. 1!) Predigt-Skizzen von Dr. Eduard Kley. Grünberg und Leipzig, 1844. gr. 8. W. Levysohn. 1. 2. und 3. Heft. (Schluß.) Ueberhaupt, glauben wir, müsse in unserer Zeit und an unsere Kanzelredner die Frage nach deren dogmatischem Standpunkte gerichtet werden. In unserer Zeit ist der Kampf des befangenen Gemüthslebens mit der scharfen Verstandeskritik heftiger als jemals; auf der. einen Seite erheben Volkslehrer das Gemüth zur Parole, auf der andern legt der Verstand den Mauerbrecher der Kritik an die — Bollwerke des religiösen Lebens; die Repräsentanten der divergirenden religiösen Ansichten bei den Juden sind, so lange es keine jüdischen Fakultäten giebt, Rabbiner und Prediger. Dazu kommt noch, daß der Pentateuch, weil jeden deutlichen dogmatischen Ton meidend und als Ausgangspunkt dienend, allen möglichen Interpretationen als Grundlage dienen muß. Zu allen Zeiten haben die Juden die herrschende Zeitphilosophie in der Bibel finden wollen; Philo hat die Bibel zu einem Lehrbuch griechischer Philosophie und orientalischen Myfticismus gemacht; Mai m u n i und I b n - E sr a *) haben misverstandene aristotelische Philosophie mit der Bibel auszugleichen gesucht; in unserer Zeit hat die Bibel einen H egel'schen Prozeß (Hirsch) durchmachen und Neuschell i n g ’ scher Philosophie (Löwenga r d) als Folie dienen müssen; auch Schl ei ermacher's Appellation an das Gemüth hat (Frankel) ein Echo gefunden. Wir müssen daher, so oft wir Predigten jüdischer Redner zur Hand nehmen, auf den innern Gehalt vorzüglich sehen. Hr. Kley, so sehr es auch überraschen möge, hat sich von keiner Zeitphilosophie bei der Auffassung der Bibel leiten lassen; sein Standpunkt ist der des ernsten, aufrichtigen Glaubens. Schon die Sprache, ein sicheres Kriterium in solchen Fällen, hat in seinen Skizzen den Ausdruck des Ernstes und der Aufrichtigkeit. Kein prunkender Wortschwall, worin die Unklarheit sich verbirgt, die Hohlheit sich flüchtet, woraus nur zu oft die Selbstgefälligkeit des Redners hervorscheint; kein sprudelnder Wortstrom, der den Sinn im Wirbel dahin re ißt und oft keine Spur von demselben zurückläßt; ein sanfter Bach, in welchem der Schatten der Gegenstände festgehalten und gesehen werden kann, fließt seine Rede hin; nicht blendende, aber schnell verschwindende Blitze sind seine Worte, sondern Sterne, die, so oft man den Blick auf sie richtet, Strahlen ins Auge werfen. Wir brauchen, zur Bestätigung des Gesagten, nur die 29. Skizze: „Der Glaube, Alles in Allem" zu lesen. „Und Heil da", sagt der Redner, „wo er (der Glaube) wirkt; wohl dem, dessen erstes Beginnen ein solcher kindlicher, heiliger, himmlischer Glaube ist; es ist ein herrlicher Anfang zu einem herrlichen Ende. Du kannst es nicht absehen, das Ende; die Zukunft liegt weit ausgedehnt vor dir; wahrlich, es ist wunderbar und unbegreiflich. —- Aber ist es minder wunderbar und unbegreiflich, wie das Saamenkorn, in die Erde gestreut, zur Winterzeit im Dunkeln sich bereitet zum *) Für Herrn Luzza tto dürfte es vielleicht nicht uninteressant sein, wenn wir eine Stelle aus Spinoza anführen: Optime igitur R. Salomo Jarchi hoc verbum (sc. nwnj) P r o p li e t i a in interpretatus est; sed male ab Aben Mezra, qui linguam hebraicam non adeo exa cte novit, carpitur. (In P a ulus' Ausgabe, B. 11, Praefatio, XXXIV.)

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