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Der Orient · 1844-04-23 · 17 (23.4.1844) · p. Spalte 267-268

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
17 (23.4.1844)
Date
1844-04-23
Page
Spalte 267-268 (sequence 6)
Language
German
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267 Kritiken. Kurze Anzeigen. Minchat Jehuda, 268 größten Scharfsinn wohl Bewunderung, aber nicht Beifall zu erwarten haben. Rechnet man hinzu, daß die Talmudisten, wie hoch man auch ihre Kenntnisse im Innern veranschlagen möchte, doch in Betreff der Geschichte, der Geographie und besonders der Naturkunde, einen großen Mangel*) anSachkenntniss darlegen, der sich übrigens aus ihrer Abgeschiedenheit leicht erklären läßt; so folgt daraus, daß ihre historischen Angaben überall, wo sie direkt fremde Geschichte berühren, nur mit der größten Behutsamkeit zu benutzen seien, während ihre gelegentlichen Anspielungen auf Zeitverhältnisse allerdings eine kostbare Ausbeute liefern. Hr. R. giebt von dieser letztern Art auch diesmal viele Beispiele, die zu inrerressanten Resultaten führen. Ich selbst habe auch noch Manches gesammelt. Indessen habe ich doch wahrgenommen, daß man hierin viel zu weit gehen kann, wenn die Leidenschaft, scharfsinnige Konjekturen zu machen, den Autor verleitet, alle fremden Quellen zu trüben, um einer talmudischen Aussage ihre Geltung zu verschaffen. Das allein habe ich bei R. bemerkt, nicht aber habe ich ihm vorgeworfen, Alles, was im Talmud und Midrasch steht, für unbedingt wahr zu halten. Solchen Unsinn kann man einem so vielseitig gebildeten Geiste nicht zuschreiben. Ich möchte aber behaupten, daß es die Pflicht derer, die irr hebräischer Sprache schreiben, ganz besonders erheischt, die Leser auf die Schwächen der Talmude und der Midraschim in externen Kenntnissen aufmerksam zu machen, damit die heutigen Talmudisten den Wahn aufgeben, als sei alle Sachkenntniß in diesen Werken enthalten, vielmehr auf die Nothwendigkeit k la ssi sch er Studien hingewiesen werden, welche allem dahin führen, ihre Begriffe zu läutern und ihre einheimischen Quellen richtig zu würdigen. Dies kann aber keineswegs geschehen, wenn römische Geschichte s p e - ciell nach dem Talmud gelehrt wird, ohne daß die römischen Quellen zu Rathe gezogen werden, was doch hier geschehen ist. Die Folge von dieser unrichtigen Methode ist, daß ich der Entgegnung des Hr. R. nicht einen Schuh breit einräumen möchte, daß er glaubt, es müsse oder könne Münzen geben, die man nicht kennt, die aber seine Lesart bestätigen würden, daß 2C ntoninuß bald M. Aurel, bald Com modus sei, daß Hadrian den Krieg gegen Barkochba im Jahre 122 selbst geführt habe u. s. w. Wegen Art ab an bin ich noch nicht ganz klar, der Gegenstand bedarf noch einer nähern Prüfung. Ich will gern gestehen, daß ich damals, als ich den Aufsatz schrieb, nur die allgemein verbreiteten Quellen zu Rathe zog, ohne Richter nachzulesm, und jedenfalls zu entschieden, widersprochen habe. In der Sache selbst macht das keinen eigentlichen Unterschied, und ich kann mir nicht vorstellen, daß die Talmudisten einen *) Dieses mache ich mich anheischig, gegen Jeden zu beweisen, welcher etwa diesen Satz bestreiten wollte. Commo'.dus in Parallele mit ihrem größten Lehrer gestellt haben. Als Resultat stellt sich vorläufig dies heraus, daß ich meine Beweise gegen die Konjekturen R.'s nicht entkräftet finde, daß also durch die bisherige Untersuchung die Chronologie noch keineswegs gesichert erscheint, und daß folglich Hr. I R. noch ein weites Feld zu unsrer Belehrung hierin urbar M machen kann. Noch immer bin ich der Ansicht, daß er allein 1 die Befähigung und Umsicht zu dieser Arbeit verbindet, und gl noch überlasse ich mich der Hoffnung!, daß wir von ihm eine i Monographie darüber erhalten. Die Kritik wird, ihn vorf' sichtig machen, und ich bereue es nicht, selbst wenn ich darin zu stark aufgetragen haben sollte, die Freunde hebräischer Li- * teratur auf die Wichtigkeit externer Hilfsmittel chingewiesen |- zu haben. | Auch die neuern Spezialitäten geben der Kritik Raum, j| aber jetzt kann ich nicht darauf eingehen, da ich kein hebräisches Organ an der Hand habe. Will der Besitzer des Weinber gs die Gegenbemerkungen einrücken, so werde ich sie, sobald ich Muße habe, ohne alle Beize, mit Ernst und Würde vortragen und somit darthun, daß ich meinen Gegner achte und hochschätze, und die harten Worte, welche er für gut fand, gegen mich zu gebrauchen, nicht weiter beachte.; Ja ich will sie als meinerseits durch die Kritik hervorgerufen!; und somit gewissermaßen rechtfertigen. Nur möge unser wisj l senschaftliches Streben dabei nicht in den eigenen und fremden ’!;' Augen verlieren, vielmehr ein kleiner Wetteifer die Herausl sindung des Wahrrn fördern, und auf welcher Seite sich dann die bessern Ergebnisse finden mögen, so sollen doch die Leser £ nicht weiter das Bild gegenseitiger Anfeindung vor sich haben, [; noch viel weniger schadenfrohe Zuschauer den Genuß erwarten dürfen, die Gesinnung derer, die nach Wahrheit suchen, irgendwie verdächtigt zu sehen. \ Somit schließe ich für' heute meine Antwort, mit dem! Wunsche, daß sie ein Einverständniß wieder Herstellen möge, \ wie es gewiß jeder Redliche gern begrüßt. ■ Ihr ergebener r I.M. Jost. : Kurze Anzeigen. 18. rHSirp nra, über die Blutgeschichte zu Damuskus und l über die Verherrlichung Montesiore's und Cremieux's. f (Von Iehuda 2U feilet, Chasan der sef. Gemeinde zu k Semlin. London? 1843. 8. S. 24.) j; ro “ nrijD “)DD ist der Name einer (24 S. star- | ken 8.) hebr. Broschüre, die mir so eben zur Hand kommt; l sie verdankt ihr Entstehen der traurigen Damascener Gef schichte von 1840, und hat zum Zweck, die Helden derselben — Montefiore und Cremieux — zu verherrlichen. ' Das Titelblatt giebt weder den Namen des Verfassers, noch den Ort oder das Jahr des Druckes an; Letzteres ist — wie

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