Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1844
- Issue
- 17 (23.4.1844)
- Date
- 1844-04-23
- Page
- Spalte 265-266 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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265 « Kritiken. Die neuesten Leistungen der kritischen Schule: Kerem Chemed. 266 schenSchriftsteller seien keinem Menschen weiter als ihm bekannt, und er halte alle jene Geschichtschreiber, mit ihren seltsam klingenden Namen (D^nnn ürpniDBn mit einem Ausrufzeichen dahinter,) auf —iu«. und nus, für lauter ausländische und furchtbare Thiere!" — Wo hätte ich so etwas gesagt, oder auch nur angedeutet? Wie hätte ich es wagen können, da Alle, die klassische Studien und insbesondere Geschichte. treiben, diese leicht zu erlangenden Bücher in ihren Bibliotheken haben% Kurz, ich mag die Sache drehen, wie ich will, so finde ich immer weit mehr Anlaß zur Heiterkeit, als zu dem finstern Schelten der Entgegnung. Ja am meisten stimm: mich zum Frohsinn der Gedanke, wie dereinst die Kommen tat oren unsrer Schriften sich werden die Feder zerbeißen müssen, um meinen Humor und meines Gegners Ironie verständlich zu machen. Es wird an Konjekturen dabei nicht fehlen! Der Aufsatz war für den ION HTD bestimmt und würde, wenn der Herausgeber ihn angenommen hätte, wahrscheinlich noch manche Abänderungen erlitten haben. Allein ich hatte bald Anlaß zu glauben, daß derselbe alle derartigen Arbeiten von wir ablehnen würde, und da gerade mein seliger Freund, Dr.Creizenach, den Plan zum „Zion" ins Leben treten ließ, und mich dringend um diese kleine Arbeit ersuchte, so trug ich kein Bedenken, sie einrücken zu lassen, um der Zeitschrift Zion ein etwas heiteres Ansehen zn geben, zumal wenige Beiträge einliefen, die sich durch Diktion empfehlen konnten (wie dann hieran auch das Unternehmen scheitern mußte). Wahr ist es, die Form allein war nicht verletzend, sondern der Inhalt. Wie sehr ich mich auch darin verwahrte, daß man nicht glauben möge, ich beabsichtige, die Untersuchungen R.'s als werthlos darzustellen, und wie sehr ich auch wiederholte (und das ist kein Widerspruch), daß ich seine großen Leistungen anerkenne, und hier lediglich seine Argumente, nicht aber seine Resultate, die vielleicht anderweitig sich bewähren konnten, bestreite, so konnte ich doch nicht umhin, bei Darlegung des Einzelnen verschiedene Blößen aufzudecken, die durch keinerlei Hypothese zu bemänteln sind. Nun denn, so wird man sich überzeugen, daß ich nicht Streit suchte, wie R. meint, sondern im Interesse der Wissenschaft schrieb. Die Form gebe ich preis, eine persönlich verletzende Absicht lag ihr nicht zum Grunde; es war gar keine Veranlassung dazu vorhanden. — Was aber den Inhalt betrifft, so scheint R. zu glauben, ich hätte blos meine chronologischen Resultate retten wollen. Dies ist offenbar ein Irrthum. Wie wenig ich jenen Jugendarbeiten, welche zu einer Zeit erschienen, da noch gar keine Vorarbeiten vorhanden waren, vertraue, habe ich schon vor vierzehn Jahren unumwunden ausgespochen. Schon in dem Geschichtswerke , sagte ich im Jahre 1823, baß ich meine chronologischen Bestimmungen nur als eine Annäherung zur Wahrheit, und eben deshalb nur insehr allgemeinen Umrissen hinstelle, indem das Einzelne noch viele Aufklärung erfordere, um aus der argen Verwirrung herauszutretten. Im Jahre 1830 aber schrieb ich in meiner Beleuchtung der Theorie du Judäisnie x>on C hiarini S. 37. Folgendes: „Dieser Arbeit könnte Hr. Ch. sich völlig überheben, wenn er nichts Besseres zu liefern weiß, als ich; obwohl ich den Wunsch hege, daß ein Sachkenner meine noch lange nicht die Sache gänzlich erschöpfenden Forschungen weiter ausführen möge, Eine solche Arbeit erwarte ich von Herrn S. L. Rapaport in Lemberg, dem trefflichsten Kritiker, den die rabbinische Schule je gehabt hat, und dessen bisherige Arbeiten in der Zeitschrift Bic. hait. ihren Meister sehr hoch stellen." Und S. 43: „Zudem ist diese Tabelle ein vor sieben Jahren von mir gemachter Versuch, den Hr. Ch. hätte berichtigen sollen. Ich wenigstens bin schon heute nicht mehr damit ganz zufrieden, und werde die Gelegenheit nächstens benutzen, um bessere Tabellen zu liefern." Hieraus ist zu ersehen, daß ich weder mit allzugroßer Zuversicht auf die erst gewonnenen Resultate zurückblicke, noch mich scheue, öffentlich zu gestehen, wo ich deren Mangelhaftigkeit bereits erkannt habe. — Also nicht, um meine Rechnung zu retten, trat ich mit der Kritik hervor, sondern nur. um zu zeigen, daß die von Hrn. R. gewählten Argumente und Hypothesen nicht Stich halten. Gegen die Methode, welche Hr. R. befolgt, habe ich mich aufgelehnt, und ich bin durch die neue Entgegnung, obwohl sie sehr viele interessante und lehrreiche Momente enthält (und ich würde hinzufügen, große talmudische und fremde Gelehrsamkeit entfaltet, wenn ich nicht sähe, daß Hr. R. auch dieses unschuldige Wort für eine Anklage ausgiebt, während Jedermann darin lobende Anerkennung findet), durchaus nicht eines Andern belehrt worden. Talmud und Midraschim sind auch mir, das denke ich bewiesen zu haben, eine reiche Fundgrube für Geschichte; für die innere, in so fern sie uns mit den wirkenden Männern und ihrer Wirksamkeit, theilweise mit ihrem Charakter und ihren Ansichten, theilweise mit ihrer Zeitdauer bekannt machen; für die äußere, durch zufällige Aeußerungen, Reden, Erzählungen und Bemerkungen, welche dieselbe ergänzen, erläutern und mitunter berichtigen. Ohne mich über die. mir beigemessene Verkaufung der innern Geschichte an die weltlichen Gelehrten aus affekrirter Unparteilichkeit, hier weiter auszulaffen, bemerke ich nur dies: Die innere Geschichte hat zu ihrem Boden die einheimischen Quellen, und zu ihrer Erläuterung und Ergänzung dienen die fremden; bei der äußern Geschichte, besonders der Römer, Perser und mancher Provinzial-Völker ist das Verhättniß umgekehrt. Wer nun erst aus dem Talmud die römische Geschichte, die Familien der Regenten, die Beschaffenheit der Münzen, die Benennungen der Personen auf Monumenten u. s. w. konftkturiren und'danach die römischen Geschichtsquellen, Schriften, Bauten, Denkmäler, Münzen u. s. w. berichtigen wollte, der dürfte wahrlich für den