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Der Orient · 1844-04-23 · 17 (23.4.1844) · p. Spalte 259-260

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Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
17 (23.4.1844)
Date
1844-04-23
Page
Spalte 259-260 (sequence 2)
Language
German
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259 Kritiken. Die neuesten Leistungen der kritischen Schule: Kerem Chemed. 269 auf*). In Nr. 7 erhalten wir von diesem Prediger eine ganz neue Auffassung über das 58. Kapitel im Jesaja, aus dem man bisher so manches Resultat zum Nachtheil des religiösen Cercmoriells herleitete. **) Herr Dr. S. beurkundet hier, selbst auf kritischem Gebiete, ein tief religiöses Gefühl. In Nr. 12 finden wir von demselben eine schöne Zusammenstellung in gedrängter Kürze von dem Leben und Wirken R. Iochanan ben Sakka'i's, nebst Erklärung der schwierigen Stelle in der letzten Mischna Sota „ficorin n b'02 nn HDttfD".- Wir wenden uns nun zu dem interessantesten Theil dieser Sammlung, zu Nr. 8 und 9, wo wir unsern Rapaport mit derselben scharfen Kritik die Chronologie der römischen Historiker beleuchten sehen, die er mit so tiefer Umsicht und Kenntniß gegen die heimischen Quellen anzuwenden pflegt.' Es ist bereits den Lesern aus dem 4. Band des K. Ch. bekannt, wie R. die Gleichzeitigkeit des R. Iehuda Ha-Nasi mit M. Aurclius und Commodus beweist und die talmudische Sage von dem Freundschaftsbündniß desselben mit Antoninus, der kein Anderer als M. Aurel gewesen sei, gegen den Verfasser der Geschichte der Israeliten in Schutz nimmt. Diese Untersuchung, welche in der Monatschrift Zion eine Entgegnung von Herrn Dr. Jost hervorgerufen hat, wird von R. in dieser Abhandlung fortgesetzt, und seine frühern Resultate gegen die erhobenen Zweifel dieses berühmten Historikers weiter begründet. Unser gelehrter Forscher nimmt es aber sonderbarerweise Hr. Dr. I. sehr übel auf, daß er in jener Entgegnung, die mehr ein poetisches als ernstes Gewand hatte, und durch welche heitere Hülle die trockene chronologische Untersuchung an Interesse gewann, sich mehre verletzende Ausdrücke erlaubt habe, welche in der That nur poetische Ausschmückungen waren. In Nr. 7 greift er nun diese poetischen Ergüsse mit derselben kritischen Schärfe wie den Kern der Entgegnung selbst an. Daß aber Hr. Dr. I. ') Daß dieses Gebiet dein Hrn. S. neu ist, erkennt man schon in der Form, indem das Hebräisch so geschrieben ist, wie es ungefähr ein christlicher Theologe schreiben würde. Das Hebräischschreiben scheint ihm ein fremdes Gewand, das er vielleicht nur Rapaport's wegen angelegt. Daß der Inhalt der Form entspricht, würde Hr. S., wenn er weniger Egoist wäre, selbst glauben; denn es gehört wahrlich keine große Sachkenntniß dazu, um einzusehen, daß in seinem herausgeschweißten Aufsatze keine Spur von einem kritischen Sinn sich findet und selbst für eine Predigt der Inhalt viel zu verworren ist. Red. **) Die Homilie über den Vers in Jesaja ist so unter aller Kritik, daß wir es kaum begreifen, wie Hr. Rap. diesen Unsinn in diesem kritischen Iahrbuche aufnehmen konnte. Ein Mann, der nicht einmal den Unterschied zwischen PropH etismus und Mosaismus kennt, der in eigener Verblendung glaubt, er sei dazu berufen, auch in einem kritischen Buche die religiöse Heuchelei zu predigen, dem sollte man lieber einen andern Wirkungskreis, wie etwa Gelegenheitsgedichte zu machen, zuweisen, als die Mitarbeiterschaft an einem solchen Buche aus bloßer Gegengefälligkeit. Red. Rapaport's Verdienste im Gebiete literarischer und historischer Forschung anerkennt und hochschätzt, und seine Ausbeute für gediegenes wissenschaftliches Erz hält, hat er in seinen Kritiken über R's Leistungen offen dargetegt; um so mehr müssen wir es bedauern, daß R. hier 14 Seiten der Bekämpfung leerer Worte widmet, und so manche diesem Gegenstand ganz fremde Sache herbeizieht, um den wissenschaftlichen Ruf seines Gegners herabzuwürdigen. — Wir haben von Hrn. I. selbst eine vorläufige Entgegnung, um die wir denselben gebeten, erhalten, und welche wir auch hiermit den Lesern vorlegen; eine ausführlichere Antikritik wird dieser Gelehrte im nächsten Bande des Kerem Chemed veröffentlichen. Wir theilen zuvörderst den Hauptinhalt dieser aus 35 Abschnitten bestehenden sehr lehrreichen Abhandlung mit, und können, um die Grenze eines Referats nicht zu überschreiten, blos in gedrängter Kürze die wichtigsten Momente hervorheben. Ueber die Verschiedenheit der Mischna-Texte in den beiden Talmuden, theilt uns R. in Nr. 4. 9 dieser Abhandlung eine neue Ansicht mit, die er mit vielen Ci taten unterstützt. Rab habe nämlich, nachdem er den letzten verbesserten Vortrag seines Lehrers R. Iehuda Ha-Nasi gehört, die so verbesserten Mischna-Texte nach Babel gebracht. Der babylonische Text sei daher auch der richtigste, weil man sich streng an den zweiten Vortrag gehalten habe, was beider Abfassung der Mischna-Texte im palästinensischen Tulmib nicht der Fall gewesen sei, die daher so manche unrichtige Zusätze habe, welche bei der Redaktion des Bablü-Textes ansgeschieden wurde. Dies der Ausgangspunkt, von dem R. zur Verteidigung einer chronologischen Abänderung in dein Briefe des Scherira Gaon übergeht und Iost's flüchtige Einwendungen widerlegt. Die Verschiedenheit der chronologischen Grundlagen, ob Bithar, wie Jost nach den römischen Historikern behauptet, im Jahre 135, oder wie R. nach den jüdischen Quellen berechnet, im Jahre 125 zerstört worden sei, welche Differenz Jost zur Bekämpfung seines Gegners als Hauptgrund voranstellt, hält Rap. für eine sekundäre Sache, die nichts gegen seine Annahme beweise. Nichtsdestoweniger glaubt er auchhierin sich auf die Richtigkeit der jüdischen Quellen, nach denen Bithar 55 Jahre.nach der Z. des T. erobert worden sei, besser als auf die römischen Historiker stützen zu können, da es sich bei jenen um die innere Geschichte, bei dieser hier um eine fremdländische handelt, und sie bekanntlich den unbedeutenden Kämpfen mit kleinen asiatischen Völkern keine besondere chronologische Aufmerksamkeit widmeten. Um so mehr sei aber die jüdische Quelle vorzuziehen, da N. Jose, der Verf. des Seder Olam, der ein Schüler des in diesem Kampfe so thätigen R. Akiba's war, mit bestimmten Worten den Anfang dieses Kampfes in das 52. Jahr nach der Z. setzte (Ierus. Taanit, Ab. 4; Echa Rab., S. 57). Die irrigen Daten, welche Ab. b. David in Sefl Ha-K. für diesen Krieg angiebt, soll eine samaritanische Quelle veranlaßt haben, die R. aber nicht näher angiebt.

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