Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 17 (23.4.1844)
- Date
- 1844-04-23
- Page
- Seite 133 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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- 133 - lens wird diese Gründung, wenn sie, wie wir hoffen, realisirt wird, willkommen sein, da aus allen Gegenden Deutschlands und Polens arme und unglückliche Glaubensgenossen zu den Heilquellen Karlsbads wallfahren. Mer Aufruf lautet: „Aufuf zur Subskription von Beitragen zur Gründung eines Hospitals für arme Kur brauchendeJsraeliten inKarlsbad. Wenn der Arme im Allgemeinen der Unterstützung edler Menschenfreunde und der Versorgung in den dazu geeigneten Instituten zugewiesen ist, erscheint der. mittellose Kranke, der seine Genesung nicht Ln der Heimath, nicht im Kreise seiner Wohlthater oder in den für seine Unterkunft bestehenden Anstalten finden kann, sondern an den Heilquellen entfernter Gegenden suchen muß, um so mehr als Gegenstand des Mitleides und der Obsocge. In dem weltberühmten heilquillenden Karlsbad, wo wohltätige Stiftungen und Sammlungen zum Wohle der hilfsbedürftigen Menschheit, humane Anstalten ins Leben riesen, entbehrt der arme Jsraelite, der dort als Fremdling seine Genesung sucht, jene fromme Hospitalitat, die ihm Obdach und Verpflegung kostenfrei sichert. Die Hilflosigkeit eines solchen Menschen wirkt nicht nur auf seinen körperlichen und geistigen Zustand, sondern übt auch auf die empfängliche Gemüthsstimmung leidender Kurgäste einen nachlheiligen Einfluß. Diesem Uebelstände soll nun durch die Gründung eines Hospitals für arme Kur brauchende Israeliten abgeholfen werden. Und sowie eine-Anstalt für Unterkunft, Nahrung und ärztliche Pflege ein Bedürfnis zur Heilung des Körpers ist, so soll auch zum Heile der Seele eine Abtheilung drr zu erwerbenden Lokalität dem religiösen Kultus eröffnet werden, wo sich alle Kur brauchenden Israeliten zur gemeinschaftlichen Andacht versammeln können. Nach den vorläufigen, von dem wohllöblichen Präsidium der k. k. .S tad th au ptm a n n sch aft und Polizei-Direktion zu Prag getroffenen Einleitungen zur Erwirkung der allerhöchsten Genehmigung, wurde mit hohem k. k. Landesprasidial-Dekrete vom 7. Juli 1843 H. Z. 34920 der Ausweis über die Möglichkeit der Ausführung und die erfolgte Sicherstellung der hierzu erforderlichen Mittel abgesordert. Das aus der Prager Jsraelitengemeinde provisorisch gebildete Komito erklärte: die Möglichkeit der Ausführung liege in der Theilnahme der Glaubensgenossen im In- und Auslande, und die Sicherstellung der erforderlichen Mittel, in der von ihnen zu erwartenden Zusicherung reichlicher Beiträge; dieses günstige Resultat wird nun von der Wirkung des gegenwärtigen Aufrufes erwartet. Es gibt keine Provinz des In- und Auslandes, wo u>cht Menschen wohnen, die der Weltruf des heilsamen Karlsbades zur Herstellung ihrer Gesundheit dWngezdgen, und die gestärkt von seinen Heilquellen mit dankerfülltem Herzen zurück in die Heimath kehrten. Der schönste Zoll des frommen Dankes wäre wohl die kräftige Mitwirkung, welche die baldige Gründung dieses prostktitten der Humanität gewidmeten Instituts sichert. Möge die oft erprobte Wohlthätigkeit und ungewohnte Milde der vermögenden Glaubensgenossen, dieses humane Vorhaben durchreichliche Geldzuflüsse unterstützen, und die-edlen Wohlthater durch die Entstehung dieser Anstalt sich selbst ein Denkmal setzen. Subskriptionen werden bei der in Prag bestehenden israelitischen H osp i tals - D i ce ktio n angenommen, und die Namen der Wohlthäter riebst den subskribirten Beiträgen durch die Prager Zeitung veröffentlicht werden. Die Herren Spender bedeutender Beitrage werden in den Statuten als Gründer des israelitischen Hospitals zu Karlsbad aufgesührt erscheinen. Vom provisorischen Komito zur Gründung eines israelitischen Hospitals zu Karlsbad. Prag, den 8. Marz 1844." Anmerkung des Redakteurs. Abgesehen von dem allgemein-menschlichen und mildthätigen Zweck dieser Stiftung, der allein schon geeignet ist, bei unseren reichen wohlthätigen Glaubensgenossen ein offenes Herz zu finden, kommt noch die Geschichte dieser Stiftung in Betracht, die es uns zur Ehrensache macht, zur Realiflrung des Hospitals nach Kräften beizutragen. Der Magistrat in Karlsbad, gestützt auf ein mittelalterliches Privilegium, keinen Juden in seinen Mauern zu dulden, und um so weniger, daß er ein Besi'tzthum da habe, hat sich mit aller Kraft gegen die Erlaubniß gestemmt. Ueberdies kam noch hinzu, daß dieses zu gründende Hospital zugleich ein Betlokal für den isr. Gottesdienst haben soll, und bis jetzt eine Versammlung zu diesem Zwecke sogar den Kurgästen verboten ist. Mit dem Magistrate war das Wohll. k. k. Kreisamt einer Meinung, denn leider zu jedem Werke der Unduldsamkeit herrscht eine merkwürdige 'Einigkeit, und der K. K. Fiskus stimmte den beiden zu. Die Bewilligung erfolgte jedoch durch die Huld und Gnade des Kaisers, und es würde sehr betrübend sein, wenn die gegen alle Hindernisse erwirkte Erlaubniß durch materielle Hindernisse verscherzt werden sollte. Polen und Rußland. Paris, April. (Gr.-B.) Die hiesigen Korrespondenten in deutschen Blättern haben fast allgemein die Nachricht verbreitet, das Haus Rothschild hätte die Zurücknahme der bekannten russischen Iuden-Ukase bewerkstelligt. Erlauben Sie mir, Ihnen über diesen Gegenstand einige Aufschlüffe zu geben, einerseits, weit die Zurücknahme jener grausamen. Maaßregel in neuester Zeit überhaupt zweifelhaft geworden ist, andrerseits, weil ich aus bester Quelle die Versicherung leisten kann, daß der Einfluß der Familie Rothschild in dieser Sache ganz unfruchtbar gewesen-ist. Während der Anwesenheit des Grafen Orloff in Wien hat der Wiener Rothschild sowohl mit diesem Diplomaten, als auch mit dem dortigen russischen Botschafter, Grafen von Modem, ernstliche Unterhandlungen gepflogen, auf welche Weise man zu Gunsten der armen russischen Juden beim Kaiser interveniren könnte. Beide Staatsmänner riethen ihm jedoch .von jedem direkten Schritte ab,