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Der Orient · 1844-04-23 · Heft 17 (23.4.1844) · p. Seite 132

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 17 (23.4.1844)
Date
1844-04-23
Page
Seite 132 (sequence 7)
Language
German
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132 gen, ihren Brüdern in andern Ländern nachzukommen. Die hiesige Gemeinde, eine der größten Ungarns, geht mit rühmlichem Beispiele voran. — Es wird jetzt fleißig an Errichtung einer Normal- und Nationalschule gearbeitet, welche von dem schon seit 3 Jahren hier bestehenden, auf die Bildung der jüdischen Judend wohlthätig influirenden Leseverein angeregt wurde. Mögen die verehrten Herrn in ihrem lobenswerthen Bestreben nicht ermüden, die Schule bald vollenden, und diese mit guten und tüchtigen Lehrern zu versorgen suchen! Den schönsten Beweis aber ihres Strebens nach Fortschritt und Fortbildung gaben die hiesigen Juden dieser Tage, indem sie den bisher hier prwatisirenden Rabbinatskandidaten, Herrn Simon Löwi — der uns schon seit vier Jahren mit seinen trefflichen deutschen Vorträgen manche genußreiche Stunde, manche Belehrung verschaffte — dazu gewonnen, daß er von nun an bestimmt, jeden Monat, wenigstens einen Vortrag in der Synagoge halte. Zwar gehet dies nicht vom Vorstand der Gemeinde, sondern von einigen Privaten, aber doch mit voller Bewilligung deffelben aus; es sind erst einige Tage, daß die Subskription eröffnet worden, und bereits hat der größere Theil der Gemeindemitglicder unterzeichnet. Wahrlich ein schöner Schritt zum Guten, und dieser gehet von einer slav. Judengemeinde aus, wahrend z. B. Preßburg, die Hauptstadt Ungarns und zweite Metropole der magyarischen Bildung, sich noch aus allen Kräften gegen die Einführung ordentlicher Vorträge sträubt, wie dies die empörenden Vorfälle dieses Winters zur Genüge gezeigt. — Hr. Löwi ist ein tüchtiger und gründlicher Talmudkenner, nicht minder aber in einem hohen Grade wissenschaftlich gebildet; für das Bessere und Zeitgemäße eingenommen, aber ein abgesagter Feind der Exaltation, die alles Althergebrachte und Sankcionirte sogleich über den Haufen wirst; dem Fortschritte hold, aber ein erklärter Gegner allzu rascher' Sprünge, durch die man nur zu oft bald über Hals und Kopf in die alte Tiefe zurückstürzt. Möge er seine Stellung gut benutzen, zur Erhebung und Veredlung unserer Glaubensgenossen in seinem Kreise nach Kräften wirkten; mögen auch die Gemeindemitglieder, die mit dessen Anstellung einen Schritt vorwärts gethan, unermüdlich fortschreiten, und die kommende Generation wird gewiß allgemein von Dankbarkeit gegen sie erfüllt sein, wenn auch gegenwärtig noch Mqnchec murren mag. I. E. " Pesth, 12. April. Die den ungarischen Juden in Folge der letzten Landtagsbeschlüffe gestattete größere Freizügigkeit und Wohnfreiheit äußern schon jetzt nach einem Zeitraum von 3 Jahren die wohlthätigsten Folgen, und haben auf die Gestaltung des jüdischen Gemeindewesens in diesem Lande den größten Einfluß. So hat nicht nur die jüdische Bevölkerung in den meisten großen Städten bedeutend zugenommen, sondern auch an vielen Orten, in denen früher den Juden kaum ein zeitweiliger Aufenthalt gestattet war, haben sich förmliche Gemeinden konstituirt, von welchen manche ein sehr löbliches in ge. meinnützigen Institutionen sich manifestirendes Gemeindeleben zu entwickeln beginnen. Unter die letztern gehört namentlich diejenige im steten Zunehmen begriffene israelitische Gemeinde zu Kasch au, die schon gegenwärtig 75 Familien zählt. — Vorsteher derselben ist Hr. Jacob Sugar, ein junger und wissenschaftlich gebildeter Mann, der durch viele Jahre in Prag studicte und mit einem gründlichen ralmudischen Wissen auch eine gedie: gene anderweitige Bildung verbindet. Bereits hat derselbe die nöthigsten Verfügungen zur Regelung des Gottesdiensten getroffen und von seiner energischen und uneigennützigen Wirksamkeit sieht wohl die baldige Errichtung einer ordentlichen Schule für den Jugendunterricht und die Berufung eines tüchtigen Rabbiners oder Predigers zu erwarten. Die christliche Bevölkerung ist zwar auch hier wie in den meisten ungarischen Freistädten, den Juden nicht besonders zugethan, und sucht so gern, bei jeder Gelegenheit ein Exklüstvrecht geltend zw machen, welches ihr früher in so ausgedehntem Umfange zugestanden. Dessen ungeachtet werden zu dem in Kaschau bestehenden Handlungs-Kasino Juden zugelaffen, und der von einigen engherzigen christlichen Mitgliedern gestellte Antrag auf Ausschließung derselben, wurde über den dagegen erhobenen Widerspruch des sehr erleuchteten und humanen gräflichen Präses dieses Kasino zurückgewiesen. Ueberhaupt schlägt im Allgemeinen in den Magyaren ein edles warmes Herz, gern bereit zur Menschenbeglückung; und wo das deutsche Element nicht niederschlagend wirkt, da bedarf es nur einer geringen Anregung, um den Magyar für die Verbesserung des Zustandes feiner jüdischen Mitbrüder zu begeistern. Aber leider fehlt es den ungarischen Juden an würdigen Vertretern, die geeignet wären, die Gerechtsamen ihrer Glaubensgenossen, durch Wo^t und That, durch Schrift und Rede gegen arge und boshafte Verleumdung oder muthwillige Entstellung von Thatsachen zu vertheidigen. Die Gebildetesten und schon vermöge ihrer Berufe und ihrer bürgerlichen Stellung Einflußreichsten sind die jüdischen Doktoren der Medicin, aber in den Wenigsten von ihnen lebt noch eine feste Anhänglichkeit an Glauben und Nation, und frühzeitig dem jüdischem Leben abgewendet und entfremdet, concentrirt sich ihr ganzes Judenthum aus eine bloße Negation, nämlich auf.die, daß sie keine Christen sind. Prag, 15. April. Sie erhalten hier den nunmehr verbreiteten Aufruf zur Subskription von Beitragen zur Gründung eines israelitischen Hospitals in Karlsbad, dessen schon in diesem Blatt gedacht wurde (Nr. 16), und nicht nur uns Oesterreichern, sonden überhaupt allen jüdischen Gemeinden Deutschlands und Po-

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