Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1844
- Issue
- 16 (16.4.1844)
- Date
- 1844-04-16
- Page
- Spalte 247-248 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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347 Studien. Die Oppenheimer'sche Bibliothek. 248 Deutscher es noch weniger als den jüdisch-deutschen Jargon verstehen möchte, und mit Sprachunrichtigkeiten besäet, wie sich ein Schüler der 3. Klaffe schon ihrer bis an die Ohren schämen müßte. 0 temporal — (Anmerkung. Sämmtliche angezeigte Werke können durch die v. Schmid'sche Buchhandlung in Wien bezogen werden.) Das ist — meines Wissens — Alles, was seit 1840 hier erschienen; Sie werden leicht sehen, daß auch dieses Wenige nicht völlig hier producirt, sondern auch Manches aus Mähren und Böhmen zum Drucke eingeschickt wurde, was in äußern Verhältnissen seinen Grund hat. — Möge auch für die Juden Ungarns eine neue Aera aufgehen, auch sie an den Niesenfortschritten der Gegenwart, an den großartigen und mächtigen Bewegungen auf dem Felde der Literatur theilnehmen, und sich hier einen Lorbeerkranz erringen! — Ignatz Einhorn. Die Dppenheinrer'sche Bibliothek. Das trefflich redigirte „Magazin für die Literatur des Auslandes" bringt in seinen Novemberblättern v. I. eine Reihe von Oxforder Briefen von F.Lebrechtin Berlin, worunter der zweite die Oppenheimer'sche Bibliothek zum Gegenstände hat. Zn dem vorhergehenden Briefe schon wurde diese ausgezeichnete Bibliothek im Allgemeinen erwähnt, und mit Hinblick auf jene Erwähnung führt Hr. L. in dem zweiten darüber in einer Weise fort, die auch der Mittheilung in jüdischen Blättern werth ist. „Wie Sie sich erinnern werden, blieb ich im vorigen Briefe mitten in den Betrachtungen über die Oppenheimer'sche Bibliothek stecken, so wie ich seit meinem Hierscyn auch stets in dieser Sammlung selbst stecke, wo jede meiner Hände mit 50 Fingern bald nach diesem, bald nach jenem Werke greift. Hier auf fremdem Boden, wo man die Kostbarkeiten nur a la häte durchlaufen kann, brennt der Schmerz noch heißer, daß eine so unvergleichliche, auf deutschem Boden gesammelte Bibliothek dahin ist. Ach! sie wäre nicht aus dem Baterlande geschleppt worden, hätte sie nicht Werke zu ihrem Inhalt gehabt, die man ungestrafter geringschätzen zu dürfen glaubte, weil sie von Juden herrühren. Einst war ein Fuchs (der Fabeldichter Aesop hat ihn noch persönlich gekannt), der schwor von Trauben, die er nicht erreichen konnte, hoch und theuer, sie seien sauer. Oppenheimer's Weinberg war voll der edelsten Trauben, aber je tiefer die rabbinische Gelehrsamkeit seit Buxtorf, Hottinger und Danz gesunken war*), desto höher hingen für sie die Trauben solcher Literatur; es 1) Im 17ten Jahrhundert war das Studium der Rabbinen unter den Christen so verbreitet, daß man aus ihnen so Stellen zu Motto's und Anspielungen wählte, wie man es jetzt mit Stellen aus alten und neuen Klassikern thut. war demnach ein Schritt der Nothwehr, eine Geringschätzung für dieselbe zu heucheln; und da die Unkunde allgemeiner war, als die Scham darüber, so konnte sich diese Geringschätzung auch bis auf die neueste Zeit in Deutschland erhalten. Ich werde später zeigen, wie man in England ganz anders den Werth der rabbinischen Schriften im Allgemeinen und ihr Verhältniß zur Kirche im Besonderen aufzufassen wußte; für jetzt muß ich die Erzählung von der Oppenheimer'schen Bücherwanderung wieder aufnehmen. 2) Doch werde ich Sie nicht durch Weitläufigkeiten ermüden, denn ich weiß sehr wohl, daß man Ihnen in der Bibliographie so leicht nichts Neues sagen kann, und zu Altem habe ich keine verfügbare Zeit, selbst wenn Sie es freundlich anhören wollten. Ich bin auf Kosten der Regierung hier, und halte jeden Augenblick für misbraucht, den ich auf andere Beschäftigung als die mit meinen Codices verwende. David Oppenheimer, der Oberrabbiner in Prag war, durfte, man staune! seine auserlesene Bibliothek nicht in seinem Wohnorte aufstellen. Die Censur zu Prag war so ängstlich, daß sie die Anwesenheit der todren Handschriften fürchtete, und der gelehrte Rabbiner mußte seine Bücher im Auslande, in Hannover aufstellen. 3 4) Obgleich er so des Genusses der Schätze nicht froh werden konnte, bereicherte er doch die ferne Sammlung fortwährend, und besonders mit Ankäufen aus Italien und der Türkei. Wolf, der mehrere Male von Hamburg nach Hannover reiste, um in Interesse seiner Bibliotheca Hebraea die Sammlung zu durchforschen, erklärt, daß er bei jedem neuen Besuche auch neue Reichthümer fand. Wie sehr dem Oberrabbiner die Vervollständigung seiner Bibliothek ernst war, mag man aus dem Umstand ermessen, daß er im Jahre 1711 einen Katalog drucken ließ, der sich von anderen Katalogen auffallend unterscheidet. Es war nämlich ein Verzeichniß von Büchern und Ausgaben, die O. nicht besaß, und das wahrscheinlich allen Buchhändlern und Freunden übergeben wurde, um die verzeichneten Werke aufzusuchen. Dieses Verzeichniß giebt auch Wolf im Anhänge zum Isten Bande der Bibi. Hebr., und es ist wahrscheinlich dasselbe, welches der unglückliche Fortsetzer Wolf's, Köcher, in seiner Nova 2) Die Autorschaft dieser Erzählung gehört zum Theil dem ehemaligen assistan librarian der Bodleiana, Mr. H. ...l. Er hat eine kurze Geschichte der Oppenh. Bibl. entworfen, als man beabsichtigte, sie zu kaufen. 3) Voigt, Abbildungen böhmischer und mährischer Gelehrten, vorletzte Seite. In dieses Werk sind blos zwei Juden ausgenommen, die als ihr besonderes Judenquartier die letzten Blätter bewohnen. Sonderbar, daß diese zwei gerade heftige Gegner waren, denn neben Oppenheimer steht der große Jonathan Eubeschütz. 4) Letztere waren es, welche der österreichischen Negierung wahrscheinlich den Vorwand, ja auch Rechtsgrund gaben, die Aufstellung der Bibliothek in Prag zu verhindern, da die in der Türkei gedruckten Bücher viele antichristliche Stellen enthielten. Vielleicht waren auch nur Bücher dieser Art aus Prag entfernt worden.