Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1844)
- Date
- 1844-04-16
- Page
- Seite 127 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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127 ssch Einzelne, die sich ihr genähert haben. Dieser fortschreitende Lheil ist der schon erwähnte Aerzte- und Advokaten- Stand, und die sich an ihn angeschloffenen deutsch und halbdeutsch Gekleideten. Sobald sie den Supan mit demnach französischem Zuschnitt verfertigten Rock vertauscht haben, andern sie auch gewöhnlich ihre Gesinnungen. Die Wissenschaft, die sie aus den hohen Schulen mit bringen, äußert sich in ihrer entweder dummen Satire, die zwar verletzt, deren Stachel aber in ihrer eigenen Brust steckt, oder in ihren lächerlichen Anschließen an andere Glaubensparteien, was nicht minder schädlich für sie wirkt. Sie stehen vereinzelt, gehören weder den Juden, noch den Christen. Es ist ein ungeheueres Unglück, das nur mit einer Ideenumwälzung, die aber durch die politische Macht verhindert wird, endigen kann. — Die Beleidigungen, welche die Pietisten von den Auf- Marten erfahren, schmälern zwar ihre, sich selbstgeschaffene Glückseligkeit, hingegen suchen sich aber auch an Jene möglichst zu rächen. Sie begegnen sich einander mit gleicher Verachtung, und übersehen keine Gelegenheit, sich einander zu schaden, sogar thätlich zu vergreifen. Oft waren schon geheime Metzeleien, wo mancher der Aufgeklärten blutige Wunden davon gtragen. Wie ist nun bei solcher Parteiwuth eine Beilegung ewiger Zänkereien zwischen dem größten Indifferentismus und der entfesselten Schwärmerei möglich? Mir scheint doch das Recht auf der Seite der Frommen zu sein, die gedrückt und bethört gleich einem Kinde, das von dem Gegenstände lebhaft angeregt wird, sich einnehmen lassen, indessen die Aufgeklärten doch gesündere Begriffe und mehr Erfahrung im praktischen Leben haben, die aber aus hassenswürdiger Intoleranz und einer lächerlichen Nachahmungssucht zu verbrecherischen Schritten oft verleitet werden. Aus meiner Darstellung des religiösen Zustandes, können Sie das große Elend unserer galizischen Glaubensbrüder ersehen. Von innen und außen zerfleischt; durch die eiserne Gewalt des Regierungsarmes gedrückt; durch Gaukler bethört und verfinstert; durch Parteiwuth und zetotischen Eifer zerrissen, ist wirklich das Elend aller dieser vereinigten Ungeheuer nicht abzusehen. Wo ist nun die Erlösung zu suchen? 6. B e t h a u se r. Jedes jüdische Bethaus ist mit 20 fl. C. M. jährlich belleuert. Bei Unterlassung derselben ist, wenn eine bethende Menge mit einer Gesetzesrolle entdeckt wird, 50 Dukaten Strafe festgesetzt. 7. Schulen. Jüdische Schulen, wo für die Juden ausschließlich gelehrt werden soll, sind fast keine. Daß wir aber solche nöthig haben, daß solche uns sogar unentbehrlich sind, können Sie aus meiner ganzen Darstellung unserer Zustände entnehmen. Denn nicht allein, daß man beim jetzigen Standpunkte der christlichen Bildung in Galizien, die jüdischen Studirenden in den christlichen Schulen der Verachtung und der Zurücksetzung preisgiebt, sondern die ganze Verfassung ist für ihren Berus, und für ibr Leben nicht geeignet. Mögen diejenigen die christlichen Schulen besuchen, welche von dem Iudenrhum sich abzusondern geneigt sind; denen aber ihre Glaubensgenossen theuer sind auch ihre Kinder dem Muthwillen hartherziger Professoren nicht preisgeben wollen, müssen eigene jüdische Schulen haben, die unter der Leitung tüchtiger und praktischer Männer erfolg - und segenreich wirken könnten. Bis jetzt ist die Zahl derlei Institute nur sehr gering. Die vorzüglichsten sind die Brodyer Realschule, welche Beweise ihres erfolgreichen Wirkens schon länst der Welt gegeben hat, aus der Männer wie Stern, der rühmlichst bekannte Direktor der Odessa er Schule, hervorgegangen sind. Dann die Tarnopoler Hauptschule, die nicht minder auf die dortige Gemeinde und Umgegend wohlthätig gewirkt hat. Von der in Lemberg in neuerer Zeit errichteten Schule ist man auch reichen Erfolg zu erwarten berechtiget. Die Männer, die sich an ihre Spitze gestellt haben, wissen aus Selbsterfahrung, wie sehr nöthig es für die Jugend sei, daß Bewußtsein ihrer Kräfte hervorzurufen, ihr die richtige Anwendung derselben zu zeigen, und sie auf gebahntem Wege zum Ziele zu führen, damit sie in den spätern Jahren selbstständig ihren Weg verfolgen kann. Czernowitz, das die Wildheit der Walachei und den Obskurantismus Galiziens in sich ausgenommen, har erst im vergangenen Winter eine Elementarschule errichtet und Ln's Leben gerufen, die aber, wie ich vernehme, von der Pietisten-Partei gefährdet wird. Daß aber alle diese Schulen aus eigenen Mitteln erhalten werden, wissen Sie wohl, aber die Juden in Galizien haben es der Regierung abgelernt, um keine Mittel zur Durchführung ihrer Unternehungen in Verlegenheit zu gerathen. Sie selbst nehmen auch ihre Zuflucht zur Religionsbesteuerung. Das Fleisch ist der goldene Apfel, um den man sich von innen und außen bei den Haaren zaust. Die Regierung ist bei derlei Selbstbesteuerungen, die doch für jüdisches Wohl einigermaaßen ersprieslich sind, eifersüchtig, und nur mit Kosten und Müheauswand ertheilt sie ihre Erlaubuiß und Versicherung der exekutiven Gewalt. Vom Staate werden sie nie unterstützt. Bei diesem Mangel an öffentlichen Lehranstalten ist im Allgemeinen die Erziehung nicht nur verwahrlost und unzweckmäßig, sondern verkehrt und auf Irrthümer basirt, die sich in den spätern Jahren schädlich äußern und auf das ganze Leben nachtheiligen Einfluß üben. 8. Tracht. Es ist historisch bewiesen, daß die jetzige Tracht der Juden in den slavischen Ländern ehemals von den Regierungen ihnen aufgedrungen wurde, damit sie sich auch äußerlich von den christlichen Bewohnern absondern, und eine Annäherung, die zu einer Verständigung und Ausgleichung zwischen beiden Völkern hätte führen können, zu verhindern. Besonders in Ländern, wo das Pfaffenthum die christlichen Völker in Blindheit zu erhalten gesucht hat, ist vorzüglich wider die Ju-