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Der Orient · 1844-04-16 · Heft 16 (16.4.1844) · p. Seite 125

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 16 (16.4.1844)
Date
1844-04-16
Page
Seite 125 (sequence 9)
Language
German
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125 ^gen die Annahme einer jüdischen Nationalität, und gegen jede B esond erh e it der Juden, mit Ausnahme ihres eigenthümlichen Glaubens. „In welchen Widerspruch würden wir uns aber setzen" — fährt er fort — „wenn wir einer Seits mit aller Kraft und mit allen Gründen der Wahrheit und des guten Rechtes den Vorwurf der Nationalität, die man uns gewaltsam anh a n g e n will, von uns abweisen, andererseits aber für unsere Schule, außer den eigentlichen Religionsschriften noch besondere, eigenthümliche, durch und durch israelitische Lesebücher anfertigen und empfehlen wollten?" In diesem letzten Satze hat der Censor wiederum den unterstrichenen Worten die Druckerlaubniß versagt. Es kann dies jedoch ebenfalls nicht für gerechtfertigt erachtet werden. Es liegt in den Worten nichts, was etwa veranlassen könnte, eine ungehörige Beziehung auf Maaßregcln der Negierung dabei vorauszusetzen. Liel näher liegt eine Bezugnahme auf den über die angedeutete Frage schwebenden literarischen Streit. Dann aber enthalten sie so wenig eine persönliche Kränkung, welche dem Art. V, der Censur-Instruktion zuwider sein würde, als einen Verstoß gegen anderweitige Bestimmungen derselben darin zu finden ist. Es hat hienach die Druck - Erlaubniß für die inkrinnnirten Stellen ertheilt, und deshalb, wie geschehen, erkannt werdcn müssen. Berlin, den 13. September 1843. Königl. Preußisches Ober - Censur - Gericht. (L. S.) Bornemann." Oesterreich. Wien, 4. April. Der Wohlthätigkeit des hiesigen Großhändlers, des Herrn Herr mann Todesco (nicht Tedesco, wie es in Nr. 10 des Oc. heißt), geschah bereits in diesen Blattern Erwähnung. Ich habe heute . noch hinzuzufügen, daß dieser edle Mann vor Kurzem 15,000 fl. C.M. zur Errichtung eines Hospitals für zehn arme Juden in Baden, und 500 fl. E.M. dem hiesigen Kinderspital geschenkt. Zugleich hat sich derselbe verpflichtet, zwei Kinder jenes Spitals, ii 20 kr. C.M. täglich, während fünf Jahre, verpflegen zu lassen. Auch ersuchte er die Direktion des Spitals, daß jüdische Kinder berücksichtigt werden mögen. Diese und die früher berichteten Fakta werden wohl hinreichen, die großartige Wohlthätigkeit des Herrn Todesco zu preisen. Allein,!o oft es auch ausgesprochen worden, kann ich doch nicht umhin, unsere Reichen zu rügen, daß sich meistens blos Kranke ihres Schutzes erfreuen, die am Körper Gefunden und Geisteskranken, deren Uebel auf den Geist wirkender Mittel bedarf, bleiben unberücksichtigt. Unsere Literatur schleppt sich langsam fort, und Niemand will ihr auf die Beine helfen. Preßburg1. April. Keiner Volksklasse wird der Stempel einer beliebigen Nationalität so leicht aufgedrückt, als den Juden. So behauptete der Debrecziner Deputirte, daß die ungarischen Juden ein deutsches Element repräsentiren, und daher nicht emancipationsfahig sind. In Deutschland halt man die Juden für Orientalen, in den Magyaren- und Slavenländern werden sie zn den Deutschen gezahlt! Bei dieser willkürlichen Nativnalisirung ist es am Ende kein Wunder, wenn die Juden an sich selbst irre werden. Und die guten Magyaren haben einen schönen Begriff von dem Deutschthum, wenn sie es von den Juden vertreten lassen. Man kann sich des Lachens nicht erwehren, wenn man sich das hiesige Rabbinat und den hiesigen Vorstand als Repräsentanten des deutschen Elements denkt! — 4. April. Seitdem die Buchhändler auf Oesterreichs Zustände — denn Alles steht — zu spekuliren angefangen, haben uns Hamburger und Leipziger Buchhändler mit Schriften über Oesterreich überflutet. . Auch die österreichischen Juden sollten auf's Tapet gebracht werden, und in der That ist uns hier eine Schrift: „die österreichischen Juden. Leipzig, 1844. PH. Reclam zun." zugekommen. Der anonyme Verf. schreibt zwar für die Juden, und dennoch müssen wir sein Produkt ein Machwerk nennen. Unklarheit der Ideen und des Styls charakterisirt diese Flugschrift. Schon der Titel kann von der Unklarheit des Verf. zeugen; denn die Lage und das Schicksal der österreichischen Juden wird man vergebens in dieser Schrift suchen. — Nicht daß, sondern wie man unser vorenthaltenes Recht in Schutz nehme, muß bei der Beurtheilung den Ausschlag geben. Die That, und nicht der gute Witte muß entscheiden. — Man ist sehr gespannt, ob das zu errichtende Bethaus in Karlsbad, dessen ich in meinem letzten Berichte*) gedachte, den alten oder den neuen Ritus wählen werde. Die verschiedenen Gesinnungen und Ansichten der Kurgäste machen die Lösung dieser Aufgabe allerdings sehr schwierig. Doch wollen wir dies unserm umsichtigen und unermüdlichen Vorsteher, Herrn Landau, überlassen. — Erwähnenswert!) ist die schriftstellerische Thärigkeit eines hiesigen jüdischen Arztes, des Dr. L. Raudnitz. Die Aerzte waren und sind überhaupt am thatigsten unter den jüdischen Gelehrten- Schweden und Norwegen. NsrWegeu, 22. Marz. Wie man aus Stockholm berichtet, soll einer der mehren Gründe zur *) Dieser Bericht ist uns nicht zugekommen. Wir ersuchen unfern Korrespondenten, von nun an die Briefe direkt an uns, und nicht an die Verlagshandlung des Orients zu adressiren. Red.

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