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Der Orient · 1844-04-09 · 15 (9.4.1844) · p. Spalte 229-230

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Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
15 (9.4.1844)
Date
1844-04-09
Page
Spalte 229-230 (sequence 3)
Language
German
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329 Kritiken. Die neuesten Leistungen der kritischen Schule. Kerem Chemed. 339 R. Moses Girondi, welcher lautet: pTiyft DN) nr3' H n , (f> Nr. 183. cf. Nr. 184.). — Herausgegeben wurden die Gutachten durch des Verfassers zweiten Sohn, Herrn Simon Schreiber, gegenwärtig Rabbiner zu Matersdorf. Früher wurde von Ersterem kein eigenes Werk gedruckt, worüber in der vom Herausgeber verfaßten Vorrede der Grund mit des Verfassers Worten sehr schön angegeben wird; einige Fragmente wurden früher, wie man sagt, ohne sein Wissen, von demselben abgedruckt, in den bei Landau in Prag (1826) erschienenen: bwö pN pp?nxDroyiDw anno nnwro rnw djh mirH&snTn dtlMip n6 pp h'dn nm rno ddiisdh vwan jiNJin jmDJTO (Bl. 31—44). (Beschluß folgt.) Bericht über die neuesten Leistungen der kritischen Schule: Kerem Chemed. VII. (von K — m.) Die reiche jüdische Literatur, welche von jeher alle wissenschaftliche Disciplinen in sich aufnahm und verarbeitete, um ihren Jüngern das Forschen und Suchen fremder Quellen zu ersparen, ermangelte gänzliche— wenn wir De Rossi's und Asulai' s Schriften ausnehmen— Werke kritischen und literarhistorischen Inhalts. Die heilige Ehrfurcht vor jedem geschriebenenWorte, unterdrückte jede selbstständige Schöpfung des innern Geistes, die etwa mit der allgemeinen Ansicht kollidiren mochte, oder gegen anerkannte Autoritäten anzukämpfen gewagt hätte. Der geistreiche Jbn-Esra mußte daher seine leichten Anflüge kritischen Sinnes in Geheimnisse hüllen, und der große Maimuni seine philosophischen Forschungen mit den religiösen Satzungen in Harmonie zu bringen suchen; und dennoch blieben sie von so manchen Anfeindungen und fanatischen Verdächtigungen nicht verschont. Daß minder Befähigte nicht weiter schritten, kann uns daher nicht wundern; die ganze jüdische Literatur ging bis zu einer jüngern Periode den einen, stetigen, einseitigen Gang, den der Fanatismus und der Mangel einer klassischen Bildung vorgezeichnet haben. Die hebräische Sprachforschung entbehrte der vergleichenden Idiome; die biblische Exegese, welche in allen Zeiten emsige Pfleger hatte, konnte sich nie von der talmudischen ganz reinigen, am wenigsten wurde die höhere Kritik auf dieselbe angewendet. Wie nachlässig die innere Geschichte angebaut wurde, zeugen die spärlichen Bruchstücke, die sich uns erhalten haben. Selbst die Kasuistik, welche den Kern der rabbinisch en Literatur ganzer Jahrhunderte bildete, zog sich selbst die engste Grenze und bewegte sich in einer Bahn, die nur dem Kulturgang einer Zeit genügen konnte, in der der Fanatismus und die Despotie von innen und außen die geistigen Schöpfungen hemmte und die freie Reproduktionskraft lähmte. Von welchem wohlthätigen Einflüsse daher die mendelssohn'sche Schule, die eine neue Geistesthätigkeit dem erstarrten Körper des Judenthums einhauchte', für Kultur und Reform war, ist noch in frischem Andenken. Wie es aber bei einem plötzlichen Uebergang von einem Extrem in's andere fast unvermeidlich ist, so mußte auch hier, durch den neuen Umschwung der Ideen die rabbinische Literatur der externen weichen, so daß wir nach dem Tode der Koryphäen dieser Schule eine Zeitlang auf dem rein wissenschaftlichen jüdischen Gebiete eine Schlaffheit und Unthätigkeit wahrnahmen, die um so mehrden gänzlichen Untergang jüdischer Wissenschaft fürchten ließ, jemehr auch das Formelle des Iudenthums zu schwinden ansing. Nach einigen Jahrzehnten erst begann eine neue Blüthe für die jüdische Literatur, die auf klassische Bildung gestützt, sich eine neue Bahn auf nie besuchte Pfade brach. Zunzens literar-historische Forschungen, I o st' s Geschichtswerk, R a p aport' s Biegraphien und F ü r st' s und Luzzatto's Sprachwerke brachten neues Leben in die allgemein e Verflachung und Verscichtung der jüdischen Wissenschaft. Nun erst erhielten biblische Kritik und jüdische Literärgeschichte, die früher so verwaisten Disciplinen, deren Lücken man durch die Arbeiten derer, die dem Judenthum fremd sind, ausfüllen mußte, thätige und geistreiche Bearbeiter. Die Turnplätze talmudischer Klopfechtereien und die Werkstätten des sinnverwirrenden Pilpuls wichen einer klaren Elementarbildung und einem gediegneren Wissen; selbst Polen, die Münzstätte kasuistischen Gepräges, verwendet nunmehr seine gigantischen Kräfte im Geiste der Zeit. Verdanken wir den Häuptern dieser Schule das Aufblühen einer jüdischen Kritik, so sehen wir sie noch auf der andern Seite mit kunstgeübter Hand di e Zügel ergreifen, wenn die zerstörende Richtung einer von der hegel'schen Philosophie geschwängerten Kritik mit jugendlichem Uebermuthe gegen die eigenen Erkenntnißquellen wüthet und den Lebensnerv des Judenthums zu zerschneiden droht. Denn nicht läugnen können wir, daß die Jünger, die sich nach dieser Schule gebildet haben, ihre Meister überflügeln, und eine ganz verschiedene' Richtung und Tendenz trübten die klaren Quellen, die man erst zu untersuchen anfing. — Ein Hauptelement der neuen jüdischen Literatur, auf das die Divergenz der verschiedenen subjektiven Ansichten nicht so sehr influirt, ist die Bibliographie und Literaturgeschichte; daher erfreuen sich die neueren Erscheinungen in diesem Gebiete einer lebhaften Theilnahme. Zu diesen rechnen wir vornehmlich die Sammlung von Briefen und Aufsätzen in ausgezeichnet schönem Style, die von Zeit zu Zeit in der L a n d a u'- schen Offizin zu Prag, unter dem Titel Kerem Chemed erscheint, und wovon bereits der 7. Band uns vorliegt. Wir versuchen die wichtigsten Partieen dieser Sammlung in g edrangter Kürze den Lesern dieser Blätter vorzulegen. Herr Lrrzzatto (heilt uns in Nr. 2u. 3 zehnResponsen von R. Jakob Tarn aus handschriftlichen R. G. A. der Geonim mit; der größte Theil derselben befindet sich bereit mit einigen Varianten im Sefer ha-Ja schar, und wir sehen daher keinen Grund ein, warum L. gerade diese aus .seiner 15 *

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