Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 15 (9.4.1844)
- Date
- 1844-04-09
- Page
- Seite 118 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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118 richt). Biblische Geschichte von Adam bis auf Esra besonders zur Veranschaulichung der religiösen Wahrheiten. Geschichte der Juden von Esra bis auf unsere Zeit — nach Elk an und Jost — namentlich auch zur bessern Würdigung der Gegenwart. — Hebräisch Lesen und Schreiben. — Übersetzung der schönsten hebräischen Gebete und der Ethik der Altrabbinen. Anmerk. In den vorstehend genannten Lehrstunden sind Knaben und Mädchen vereinigt. — Übersetzung des Pentateuchs, der Psalmen und einiger andern Bücher der heiligen Schrift mit den erforderlichen grammatischen, literarischen, historischen?c. Erläuterungen. Hebräische Grammatik— größtenteils analytisch. Anmerk. An den beiden letztgenannten Lehrgegenständen nehmen die Knaben allein Theil. Die Anstalt zählt gegenwärtig 30 Kinder und zerfällt in drei Abtheilungen. Schulpflichtig sind die Kinder, wie die christlichen, vom sechsten bis zum vierzehnten Lebensjahre. Die Unterrichtsstunden sind so eingetheilt, daß sie mit denen der öffentlichen Lehranstalten nicht kollidiren. — Die israelitische Religionsschule steht unter dem Schutze des Staates und unter der Oberaufsicht des Fürstl. Schulkollegiums, wie unter der speeiellen Beaufsichtigung der Schuldirektoren, in deren Anstalten die israelitische Jugend außer den Neligionsstunden unterrichtet wird, da es diesen durchaus nicht gleichgültig sein kann, welchen Unterricht ihre Schüler in dem wichtigsten Lehrgegenstande erhalten. — Vielfältig hat sich um die israelitische Schule der Herr Hofagent Moritz Ezarnikow als erster Vorsteher der Gemeinde verdient gemacht." . Die Juden in Galizien. Eine Skizze. (Fortsetzung.) 4. B i l d u n g. Die katholischen Priester, die nachdem die Völker nach der langjährigen Anstrengung wieder ausruheten, das Reich der Finsterniß mit all' jenen gestaltlosen Ungeheuern, die einen maaßlosen Zeitraum die Völker Europas in der tiefsten Dunkelheit erhalten haben, wiederherzustellen bemüht sind, haben sich mit der falschen Politik vereinigt, zwischen den erwachten Völkern Mistrauen, Haß und Zwietracht anzuregen, damit sie einzeln leichter geknechtet werden könnten. Besondere Aufmerksamkeit richten die vereinigten Mächte der Finsterniß auf die Erziehung der Jugend. Die Elementarschulen, Lyceen, Gymnasien, Universitäten und sonstige Lehranstalten, werden mitMiethlingen der Geistlichkeit besetzt, die von ihrer vorgeschriebenen Norm kein Haar breit abgehen dürfen, und wie sich diese Finsterlinge ihrer Pflicht entledigen, ist nur zu sehr bekannt. Um keine Pflanzschule für die Idee der Freiheit aufkommen zu lassen, ist jedes Wort ängstlich abgemessen, und nur trockene, Herz und Geist ermüdende Vorträge, die den Verstand unbebauet lassen, werden der Jugend gereicht. Daß dieses allgemeine Loos auch der Jude theilt, ist natürliche aber diese Hindernisse sind für jüdisches Elend nicht ausreichend gewesen. Beschränkungen von eigener Natur, mußten auch da ihnen in den Weg gestellt werden, damit sie selbst von den -herzlosen Schulen zurückgeschreckt, nicht den entferntesten Schein von Bildung und Aufklärung genießen, und für die Geschäfte der Oeffentlichkeit keine Kenntnisse erlangen sollen. Daher die undedeulende Anzahl jüdischer Studirende bei der großen Masse der galizischen Juden. In der That, wozu eine Reihe von Jahren sich mit bem verknöcherten Buchstaben ausschließlich beschäftigen, wenn kein Lohn in der Zukunft wartet. Das erkünstelte Mistrauen ist von der Art, daß selbst die glücklichsten Talente unter den Juden unberücksichtiget bleiben. Außer dem Stand der Aerzte und Advokaten, die auf eine gewisse Anzahl beschränkt sind, ist kein anderer, wo er seine Talente im praktischen Leben anwenden könnte. Kein öffentliches Amt, ist ihm zugänglich, wenn er auch der Fähigste wäre, der das Amt mit Erfolg und zum Heile der ganzen Menschheit verwalten könnte. Bei alle dem kann man mit Zuversicht annehmen, daß die jüdischen Bewohner an Bildung den christlichen nicht nachstehen. Ja in manchen Orten hat sich die Intelligenz Wahn gebrochen, und erfreuliche Erscheinungen an's Licht gefördert. Durch das ernste und nachdrückliche Streben haben sie wissenschaftliche Bildung, Kunst und Gelehrsamkeit in sich vereiniget, so daß sie vielen Städten des Auslandes nicht mit Unrecht zur Seite gestellt werden können. In Brody, Lemberg, Zolkiew, Tarnopol und Tismenitz, trifft man nebst der ausgezeichneten jüdischen Gelehrsamkeit auch ausländische Bildung, vorzüglich kritisches, historisches Wissen.' Leider hat in neuerer Zeit, durch die Entfernung der bedeutendsten Männer, Galizien einen Vertust erlitten, der von unberechenbaren Folgen für seine jüdischen Bewohner ist. Der große Vorkämpfer der galizischen Juden, der aus dem Schooße des Aberglaubens aus eigenen Mitteln und Kräften zum Lichte herangeklimmt ist, der hochgeachtete Manu, der mit unbestreitbarem Rechte, als der uneigennützigste und ernsteste Reformer betrachtet werden kann, der bekannte I. Perl, istmicht mehr. Er war es, der den ersten Schritt gewagt hat, und inmitten der krassesten Unwissenheit und saß thierischcr Dummheit der damaligen Zeit, eine öffentliche Lehranstalt errichtet, deren Leitung er selbst mit den intelligentesten Männern übernommen hat. Er bekämpfte mit allen Mitteln, die ihm eigen waren, die Hindernisse, die sich ihm selbst mit Murh entgegenstellten, und er scheute keine Opfte und Gefahren, seinem Ziele entgegen zu gehen, was ihm aucl? zum Theil gelungen ist. Noch in seinen letzten Tagen arbeitete er muthig für das Wohl seiner gedrückten Mitbrüder, die gegen ihn zu ihrem eigenen Verderben wirkten. Krochmal, dessen