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Der Orient · 1844-04-09 · Heft 15 (9.4.1844) · p. Seite 117

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 15 (9.4.1844)
Date
1844-04-09
Page
Seite 117 (sequence 9)
Language
German
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117; stellt zu sein. Ich erlaube mir hier noch zu erwähnen, baß bei der Einweihung der zweiten Fabrik 300 Arme gespeist wurden. Das übrigens in mehre Blätter über-;• gegangene Gerücht, als habe der Magistrat mit dem . Handlungshause Pollack's Erben einen Kontrakt wegen - städtischer Gasbeleuchtung abgeschlossen, muß durchaus als ein grundloses bezeichnet werden. So sehr auch die- - sts Haus durch seinen ohnehin großen Bedarf von enghschen Steinkohlen, die in seinen Souterains und kolos- ) falcn Tunnels aufgehauft liegen, zu diesem gemeinnützigen Unternehmen geeignet wäre, wird es doch zu sehr;' von seinem weitverzweigten Zuckergeschäfte in Anspruch; genommen, als daß es noch einer neuen Gewerbsrichtung < die gehörige 'Aufmerksamkeit schenken könnte. — Der : geehrte Leser würde vielleicht fragen, in wiefern hat die-; ses Fabrikinstitut, das in die Geschichte der Industrie Preußens gehört, auch ein jüdisches Interesse? Und das rauf möchten wir keineswegs gern die Antwort schuldig i bleiben. Dieses Institut der Industrie wurde von einem i Zsraeliten unter den mannigfachsten Hindernissen begründet und wird jetzt von Israeliten so glänzend erweitert;? und wenn cs für Preußen als so bedeutend steh heraus-? stellt und als Zierde seiner Industrie angesehen werden i kann, wenn es im Orte selbst als das beste Institut be- \ trachtet wird, um dem Pauperismus vorzubeugen, so i laßt sich wohl für die Emancipationsfrage mit Recht \J daraus das Argument nehmen, daß da die Israeliten s vorzüglich zur Staatswohlfahrt und zur Förderung der Industrie beitragen, sie nochwnidiger Weise auch den j'- Christen gleichgestellt werden müssen. Denn diese Thatf sache, daß die Israeliten in allen Provinzen des preußischeu Staates die Hebel der Industrie und der Staats- Wohlfahrt bilden, ist eine Wahrheit, welche historisch schon | langst begründet erscheint und es ist unser Wunsch, daß ' auch die Gesetzgebung diesen wohlthatigen Einfluß berückst sichtigen möge. I Sondershausen, 1* April. (Schulbericht.'' Bei Gelegmheit der öffentlichen Prüfungen der Real-, der höhern j Mädchen- und der Bürgerschule, welche den 21. März ih- 1 ren Anfang genommen, und wozu wir durch das treffliche Programm vom Schuldirektor Hölzer, betitelt: Nachrichten über das Bürger und Volksschulwesen der Residenzstadt Sondershausen re. (Sondershausen 1844)", 1 eingeladen wurden, stellte sich der Fortschritt unserer israelitischen Neligionsschule, f die mit allen Lehrschul-Instituten in engster Verbindung steht, [ recht klar heraus. Unser durchlauchtigster Fürst, der durch l die Verbindung der israel. Religionsschule mit den andern Schulinftituten die Kluft zwischen den Konfessionen ausgefüllr und die wahre Aufgabe der Zeit in der wirksamen Emancipatton begriffen, hat dadurch, daß der Religionslehrer zugleich als ordentlicher an der Realschule angestellt und daß isr. Kinder in die entsprechenden Klaffen der öffentlichen Lehranstalten vertheilt werden, den Dank aller Männer des Fortschrittes sich erworben und es leider keinen Zweifel, daß andere Staaten, sofern sie in der Emaneipationssache fortlchreiten werden, zur Nachahmung dieses Beispiels kommen t werden. Um das Vollständigste über erwähnte israel. Reliülonsschule zu geben, erlaube ich mir hier, aus der oben erwähnten Einladungsschrift dasjenige auszuziehen, was darüber officiell mktgetheilt wird*). — „Im Jahre 1827 gründete die isr. Gemeinde eine besondere Unterrichtsanstall, da bisher die Kinder derselben in den religiösen Gegenständen nur einen sehr ungenügenden Privat-Unterricht erhalten hatten, und berief zum Hauptlehrer den Prediger Wolfssohn aus Dessau, der sich um das Gedeihen der neuen Schule auch nicht wenig verdient gemacht hat. Im Mai 1834 wurde diese Schule mit Genehmigung des Hochseligen Fürsten, Günther Friedrich Carl I., zugleich zur vollständigen Elementarschule umgeschaffen, und von nun an wurden in derselben alle diejenigen Gegenstände gelehrt, deren Kenntniß im bürgerlichen Leben erforderlich ist. Als zweiter Lehrer wurde im April 1834 Philipp Heidenheim aus Bleicherode angestellt, und zwei Seminaristen erhielten von der Oberschulbehörde den Auftrag, als Hilfslehrer einige Stunden zu übernehmen» Im Februar 1837 erhielt der Prediger Wolfssohn einen Ruf als Inspektor eines Waisenhauses nach Breslau, und dem unermüdet thätigen und geschickten Lehrer Heidenheim wurde mit demPredigtamtc zugleich eineStelle eines ersten Lehrers an der israel. Schule übertragen. Die Anstalt hatte sich nun zwar der allgemeinen Anerkennung zu erfreuen, ihre Prüfungen wurden von den höchsten Behörden besucht, ja, selbst der Durchlauchtigste Fürst, Höchstwelcher seit dem Antritte Seiner Regierung auch den isr. Schul- und Kultus-Angelegenheiten Seine huldvolle Sorgfalt gewidmet hatte, geruhte zweimal gnädigst denselben beizuwohnen. Allein es stellte sich doch im Laufe der Zeit das Nachtheilige, das eine solche Jsolirung für die isr. Jugend mit sich führen mußte, immer mehr heraus, zumal da es die hohe Aufgabe der Gegenwart zu sein scheint, die Kluft, die den Israeliten noch von seinem christlichen Bruder trennt, nach und nach auszufüllen, wobei die Hoffnungen vorzüglich auf das Heranwachsende Geschlecht gerichtet sein müssen. Es würde daher durch die Gnade unsers Durchlauchtigsten Fürsten im April 1840 die isr. Schule in eine bloße Religionsschule umgewandelt, der isr. Prediger und Religionslehrer Heiden heim zugleich als ordentlicher Lehrer an der hiesigen Realschule angestellt, und die Kinder wurden in die entsprechenden Klassen der öffentlichen Lehranstalten vertheilt. Heiden he im behielt außer dem Amte eines Predigers der isr. Gemeinde zugleich das eines Religionslehrers bei und ertheilt den isr. Kindern in 12 Stunden wöchentlich den erforderlichen Unterricht, der sich über folgende Gegenstände erstreckt: Religionslehre nach H e r xh e i m er' s Religionsbuche, wobei auf Geist und Gemüth zugleich Rücksicht genommen wird, mit steter Zurückführung auf die heiligen Urkunden. — (Die Konfirmanden erhalten außerdem noch im Jahre vor ihrer Konfirmation einen gesonderten Rcligionsunter- *) Ich muß bei dieser Gelegenheit noch bemerken, daß die ganze Abhandlung über das gegenwärtige Schulwesen in Gondershausen mit großer Umsicht und Klarheit und mit tiefer Einsicht in das Wesen der Schulen abgesaßt ist. Red.

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