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Der Orient · 1844-04-09 · Heft 15 (9.4.1844) · p. Seite 115

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 15 (9.4.1844)
Date
1844-04-09
Page
Seite 115 (sequence 5)
Language
German
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115 zugestehen. Wir haben dem Sachverhalcnisse genau uachgeforscht, und finden uns zu erklären ermächtigt, daß die Anklage so unwahr, wie verläumdensch sich herausstelle. In gedachtem Schreiben an den Oberrabbiner Ettlingec, verwahrte sich nämlich H. L. ausdrücklich gegen den Verdacht, als habe er jenen Brief sich zu verschaffen gewußt, vielmehr sei derselbe ihm von Beirut offen zugeschickt, und da er voller Schmähungen und Entstellungen des A. Seligmann gegen ihn selbst sei, fordere ec den Oberrabbiner E. auf, den Seligmann, der sich damals in Altona aufhielt, diesechalb zur Rede zu stellen; was auch wirklich geschehen. Wodurch ist nun jene Anklage gegen L. selbst gerechtfertigt; wie konnte man es wagen, den geachteten Geistlichen einer der bedeutendsten Gemeinden Deutschlands, zum Mitwisser und Hehler solcher Treulosigkeit zu machen? Dazu führt, wie erwähnt, nur blinder Eifer, unbegrenzter Fanatismus. — Die Schul-Verhältnisse unserer Nachbar-Gemeinde Hamburg bieten nach wie vor, den traurigsten Anblick dar. Die letzte der noch bestehenden jüdischen Privat- Schulanstalten, die des Dr. Js l e r, wird zu Ostern ebenfalls aufhören. Wir wissen kaum, was hier mehr zu beklagen sei, daß Herr Dr. Jsler sich zu diesem Schritte veranlaßt gesehen, oder daß das Publikum in die Nothwmdigkeit versetzt worden war, solche Auslosung herbeizuführen. Jedenfalls ist es ein trauriges Zeichen für die so große Gemeinde, einer jüdischen Schule, der der größere Theil der wohlhabenderen, religiösen Väter getrost ihre Kinder anvertrauen durfte, entbehren zu müssen, zumal bei der jetzigen Sachlage, wo die meisten Eltern ihre Söhne in christliche Schulen schicken und schicken wüsten, der religiöse Unterricht ganz darniederliegt. — Die Hartwig'schen Vermächtnisse sind endlich soweit erledigt, daß die Betheiligten darüber dispomren können. Won den drei in den Herzogthümern zu erbauenden Synagogen, sollen zwei, deren Pläne hierher zur Genehmigung zu schicken sind, alsbald in Angriff genommen werden; die Gemeinde zu Friedrichstadt will indeß ihren Bau für's Erste noch sistiren lassen. — MeRMelitz, 20. Marz. In einer srühern Mitteilung von hier ist bereits eines kleinen Aufsatzes, „zur Judenfrage" betitelt, gedacht worden, den der nordische Bote (redigirt von Dr. Bahrdt) mitgetheilt; ich erlaube mir nun, diesen hier vollständig zu geben, da es nun einmal die Aufgabe unserer Zeit ist, dieses Thema von allen Seiten zu beleuchten. Dieser Aufsatz lautet: „Eine Besprechung jüdischer Angelegenheiten und Zustande bebürste eigentlich in diesen Blättern nach ihrer bestimmt ausgesprochenen Tendenz keiner weiteren Rechtfertigung. —- In einer Zeit, wo so manch' altes Bollwerk der Knechtschaft gefallen, wo um die edelsten Güter des Volkslebens, wenn oft auch vergeblich, doch mit immer neuem Muthe gekämpft und gerungen wird, da sollten wir meinen, dürsten auch dem Juden seine Menschenrechte nicht länger versagt werden. Neben dem innigsten Anschließen, der eifrigsten Theilnahme an dem Fortschritte und dem Wohle des Gesammtvaterlandes, sollte aber auch der Jude, so lange dieses ihn von allen Rechten ausschließt, durch eine öftere öffentliche Besprechung seiner Wirksamkeit in Schule, Leben, Kultus einerseits sich selbst bewußt werden, andererseits dadurch seinen Landsleuten Zeugniß geben von dem, was er selbst zu seiner Veredlung thut und erstrebt. Aber wir kennen Männer, die selbst Freund der Emancipation, doch befürchten, jedes laute Wort möchte den Betheiligten nur zum Schaden gereichen, und wiederum solche, die in der öffentlichen Besprechung eiteln Prunksucht und Wichligthuerei erblicken, statt dessen die stille That genüge. Diese Erfahrung dürfte uns in unserem Vorsatze wankend machen, träte ihr nicht eine andere entgegen, die uns lehrt, daß da, wo die Zurückgesetzten am wenigsten laut geredet, auch wenn sie trotz aller Hemmnisse das Herrlichste geleistet, doch von Seiten ihrer christlichen Mitbürger am öftersten Vorurtheil und Verkennung erdulden mußten. Ja, selbst Männer, sonst hochstehend durch Geist und Gemüth in der Verehrung aller Vaterlandsfreunde, sind zumeist wohl durch Nicht künde von dem, was nun schon seit lange die jüdische Masse mehr als je durchdn'ngk, zu inhumanen Aeußerungen und Handlungen hingerissen worden. — Hat nicht ein von Rotteck, sonst ein Bannerträger im Reiche der Wahrheit, gerade als die Gleichstellung Derer beantragt wurde, die am meisten des Rechtes bedürfen, weil sie dessen bisher am wenigsten theiihaftig geworden, die unwahrsten Motive zur Waffe gebraucht, indem er in vorurtheilsvoller Verkennung die Israeliten Badens wegen ihrer vermeintlichen moralischen Untüchtigkeit zurückzuweisen versuchte? Haben wir es nicht unlängst erfahren, wie in der Standeverlammtung eines der intelligentesten Völker Deutschlands einige ihrer Mitglieder, die sich bei fast allen anderen die höchsten geistigen Güter der Menschheit betreffenden Fragen mit Energie und Freimuth erhoben hatten, auf die so bescheidene, nur die Abstellung einiger der drückendsten Beschränkungen nachsuchende Vorstellung der Israeliten, die ungerechtesten Beschuldigungen zur Antwort hatten? Wir dürfen es erwarten, daß jene Männer, hätten sie nur mehr Kenntniß von dem eigentlichen Leben und Treiben jener Bittenden gehabt, die in keiner den Menschen veredelnden Eigenschaft den anderen Bewohnern jenes Landes nachstehen, so unbegründete Vorwürfe nicht ausgesprochen Haben würden. Daß es ' aber nicht an Ehrenmännern fehlt, die nach einer cichtigern Einsicht in die Verhältnisse der Israeliten aus srühern Gegnern spater Freunde der Emancipatton geworden, an Ehrenmännern, die es nicht gescheuet, ihre gewonnene bessere Erkenntniß öffentlich auszusprechen und gern eine mildere Gesetzgebung herbeiführen mochten, das könnten wir an manchen Beispielen beweisen, wenn es der Raum dieser Blätter gestattete. Gehen wir aber nach dem Gesagten, auf die Sache selbst ein, so versteht es sich von selbst, daß die Juden unseres Strelitzer Landes bei ihrer kaum 800 Seelen betragenden geringen Anzahl, ohnehin in der freien Entwickelung ihrer Kräfte gehemmt, zu keinen allzugroßen Anforderungen berechtigen. Bedenkt man, wie durch die Fortdauer des Schutzverhättniffes, die Hemmnisse im Handelsverkehr, die Ausschließung von jedem städtischen und ländlichen Besitz u. dgl. m. die Erhaltung der den Israeliten eigenthümlichen Institute behindert ist, 15*

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