Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1844
- Issue
- 14 (2.4.1844)
- Date
- 1844-04-02
- Page
- Spalte 219-220 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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219 Dukes: über verschiedene Ritualien. Manche dieser Festgebete mochten sich wohl in den verschiedenen liturgischen Werken vorgefunden haben, deren es in früher» Zeiten zum Lheil von der geonäischen Periode her gegeben hat, welche den Namen viD führten. Auch im Machasor Vitry finden sich viele Gebete aufbewahrt, welches eigentlich auch ein halachischcs Werk ist. Die meisten dieser Werke sind zwar verloren gegangen im Laufe der Zeiten, aber es steht nichts im Wege anzunehmen, daß diese Sammlungen die Liturgie im weitesten Sinne umfaßten, und auch Kommentarien zu den Gebeten enthielten *). Jede Gemeinde, welche einen berühmten Pajtan hatte, benutzte wahrscheinlich die Gebete derselben, daher kommen auch die Verschiedenheiten der Sammlungen. Das deutsche Machasor hat in den g e d r u ck t e n Ausgaben weniger Verschiedenheiten als das spanische. Hingegen enthalten die handschriftlichen — deren viele auf uns gekommen sind — viel Seltenes und Unbekanntes, und sind für die Literaturgeschichte von größter Wichtigkeit. Denn außer den Festgedichten selbst, welche viele dieser Machasorim enthalten, bieten sie auch reichhaltige Notizen nach verschiedenen Richtungen hin. Es giebt auch mehre Handschrif- ♦wtnn nnrun (6 Vcrgl. Zunz in Benjamin, Ausg. Asher, LH. 2., S. 11. Ob dieses Buch identisch ist mit nürttH, welches Sabbatai in seinem DW TOt# ('n Nr. 35) erwähnt, können wir nicht bestimmen, da wir beide nie gesehen haben. Es gehörtauch hierher das Buch Lanja (Nun "Dvh besten ursprünglicher Litel eigentlich nnN JinJD war, wie dies aus einer sehr alten Ausgabe desselben erhellt. Es möge hier das Epigraph dieser Edition einen Platz finden, da auch daraus das Jahr der Abfassung dieses Buches bekannt wird, nwön rwjpDBfTO idd nnN jhjd sirm üwd nw:D Ml' '“i nw-ob njn t ty ♦ jon 'ui .pmi -prß H-aW) irrnrn A. n D1 D J D HD (oDtßf R. Ahron Fuld, der berühmte Lalmudist in Frankfurt a. M., Besitzer dieser schätzbaren Ausgabe, machte uns darauf aufmerksam. Es ist hiernach die Angabe eines Ungenannten im Zion zu berichtigen. Auch die Oppenh. Biblioth. besitzt diese Ausgabe. 4) Zuerst ist hier zu nennen: a) '1 *V1D/ an welchen sich aus der geonäischen Periode anschließen fr) rmjJD '■*) (Rapaport, Saadja, Note 21). Wir fügen noch hinzu, daß Wolf IIS., S. 861 nach Gagnier ein Commeiitavius in Liturgiani judaicam beschreibt, welcher vielleicht identisch sein könnte mit diesem "H D. c) ' 'nh p ‘“no (Rapaport, Bikkure Ha-Jttim 1830., S. 91). Von späterer Zeit sind hier zu nennen: d) Di)j; 21D /hi 11D. Vergl.Losafot Pesachim, 117 b. e) O D1D, wird in einem handschriftlichen Kommentar zu den Jozcrot (Cod, Bibi. Hamb. 17., S. 37) erwähnt. In der Münchner Bibliothek Nr. 27 (laut Katalog Lilienrhal's) befinden sich pr\& p notw '1 bw D'TID. k) N "l -plNO Vergl. unsere Notiz im Zion II. S. 103. Ä pn^s‘ nbDH ppn “HD. S. Losafot Berachot, 60 a. 220 ten, wo verschiedene Pijutim sich nur theilweise finden, welches davon herrührt, daß entweder der Kopist ein ebenfalls unvollständiges Exemplar vor sich hatte, oder daß er nur abschrieb, was gerade von dieser Gemeinde in der Synagoge recitirt wurde. Dieses ist auch bei spanischen Sammlungen der Fall. Die gedruckten spanischen Machasorim differiren so sehr unter einander als die handschriftlichen, welche bei uns ziemlich selten sind, besonders für die Festtage (□■HyiD). In den meisten gedruckten Ausgaben befinden sich für diese Lage beinahe gar keine Gedichte, höchstens nur sehr wenige für Schemini Az er et (dko rfen), und den ersten Lag des Osterfestes nten) und für das Pfingstfest die Asharot von Jbn Gabirol. In den handschriftlichen Exemplaren finden sich auch für diese Lage mehre schätzbare Ko m mentarien. (Fortsetzung folgt.) Trübe Bilder. Dev Lazzeuhof in dev Judengasse zu Wien, oder: Dev Bündeljude.*) (Ein Beitrag zur Geschichte der Juden - Emancipation.) ' Ihr unglücklichen Brüder kn Moses, ihr tausendfach Verachteten, Verstoßenen, Zertretenen, Mishandelten, Heimathlosen, Verworfenen z Euer Erbtheil ist hienieden Schmach , Eure Kost U Verachtung, Eure Labung Drangsal! Wo Ihr U bittet, wird Euch Hohn, wo Ihr flehet, wird -- Euch Gelächter, wo Ihr weint, wird Euch Hohnlachen! Ihr wollt Liebe, Euch wird Haß, \ Ihr wollt Gerechtigkeit, Euch wird höchstens j Duldung, Ihr wollt Menschenrechte und Ihr werdet unter das Lhier erniedrigt. M. G. Saphir. Vereinsamt steht der Lazzenhof in der Judengasse, vereinsamt mitten unter dem Volke, dessen nimmer ruhender - Geist aus den schwankenden Wogen des Handels und Scha- \ chers herumtreibt, vereinsamt steht er da, ein kräftiges Zeugniß der fortschreitenden Zeit der Kultur unserer Mitbrüder, denn es steht da von Obrigkeitswegen mit großen Lettern auf großer Lasel geschrieben: Hier ist das Handeln oder Schachern, s so wie auch das Herumsteh en auf das s StrengsteverbotenU!" j; Der arme Jude sieht mit trüben Augen hinauf zur Lasel, seufzend hängt er sein Bündel auf die Schultern und von Haus zu Haus wandernd schreit er: „Nicht zu Handeln!" — Und hat er sich die müden Beine noch müder gelaufen, *) Aus Oettinger's Charivari.