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Der Orient · 1844-04-02 · 14 (2.4.1844) · p. Spalte 213-214

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Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
14 (2.4.1844)
Date
1844-04-02
Page
Spalte 213-214 (sequence 3)
Language
German
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213 Studien. Zur neuesten Geschichte der jüd. Gemeinde zu Berlin. 214 traten Lausende die geltenden Eeremonialgcsetze, ohne daß sie es für nothwendig hielten, diesen Widerspruch in einem Bekenntnisse auszusprechen. Nicht so Lachten die Neformsreunde, sie hielten es für ihre Pflicht, in Wort und Schrift zu erklären, daß sie von vielen Vorschriften des Iudenthums abweichen, weil sie solche nicht als bindend betrachten; daß ihr Leben ein anderes als das der orthodoxen Juden sei, weil sie auch andere religiöse Grundsätze als diese haben. Kurz, die Neformsreunde negiren und protestiren in unverholenen Worten, und legen diesen Protest, den sie nach Kräften verbreiten, offen vor. Was sehen wir nun in diesem ^Unternehmen der Neformsreunde anders, als daß sie ausdrücklich bekennen, was Viele mit ihnen thatsachlich bezeugen? Und hat diese Manifestation, deren Wurzel die Vergangenheit in sich trägt, und deren weit verbreiteten Zweige in die Gegenwart reichen, nicht eine gewaltige Macht in den Ansichten und in der Lebensweise Vieler unserer Glaubensbrüder? Dürfen wir, ohne uns zu täuschen, in dieser Prolesiation nur eine ephemere Erscheinung, deren Umsichgreifen für die Zukunft nicht zu fürchten, sehen? Was berechtigt zu dieser Beruhigung? Welche Kennzeichen der Verwesung trägt dieser Verein an sich, daß wir ihn so geradezu für tobt erklären können? — Daß in der vermeintlichen geringen Anzahl der Mitglieder kein Grund zu dieser Beruhigung liege, wurde bereits angedeutet, da die Reformfreunde nicht so isolirt dastehen, als man glaubt. Daß ferner der Verein andere und mehre Lebenszeichen von sich geben mußte, wenn er irgend einen Einfluß äußern soll, muß ebenfalls in Abrede gestellt werden. Denn was Anderes konnte der Verein thun, als er wirklich that? Welche Macht stand ihm sonst zu Gebote, als die des Protestirens? Und zugestanden, es müßten sich mehre Kräfte sammeln und in größern Kreisen sich wirksam zeigen, wenn dieser Verein der Synagoge gegenüber als Gegenstand der Beachtsamkeit und Furcht erscheinen sott, so vergesse man nicht, daß dieser Verein noch m dem ersten Stadium seines Daseins sich befinde, und daß gar oft aus kleinen Anfängen sich fürchterliche Gewalten entwickeln. Demnach wäre es leichtfertige Verkehrtheit, diesen Verein stolz zu ignoriren, über ihn verächtlich hinwegzusehen, als sei seine Opposition nie zu fürchten, als wäre die Gemeinschaft der Gläubigen gegen jeden Angriff gesichert. Nie dürfen wir die Zeichen der Zeit, mögen gut oder böse wir sie finden, übersehen; stets muß der geistliche Wächter scharfen Blickes auf den Entwickelungsgang seiner Zeitgenossen schauen, und zum Kampfe gegen drohende Gefahren gerüstet stehen. Denken Sie nicht, mein Freund, daß ich damit verlange, jeder Rabbiner soll gegen den Verein seine Polemik in gedruckten Worten führen. Nein, das ist gerade das Wenigste, was ich erwarte, sondern das kann man mit Recht von dem Geistlichen fordern, daß er — und das ist das heilsamste Mittel — in dem angewiesenen Wirkungskreise über den Lebensbaum der Religion wache und den Weingarten Gottes durch kräftige Gegenwehr vor nachtheiligen Einwirkungen. wahre. — Nach dieser Auseinandersetzung, welche Ihre Geduld m. th. Br. zu lange in Anspruch genommen, welche aber theils zur Rechtfertigung, theils zum Verstä'ndnkß meines Urtheils über die Reformfreunde mir nothwendig schien, werde ich zur Beurtheilung des Inhalts der Erklärung schreiten. Doch diese Beurtheilung soll Ihnen mein nächster Brief erst bringen; der jetzige nur noch den Wunsch, daß Gott Israel und seine Lehre segnen wolle. Ihr re. (Ende des zweiten Briefes.) Zur neuesten Geschichte der jüdischen Gemeinde zu Berlin. (Fortsetzung.) III. Dortrag itt der vorbereitenden Wahlversammlung. Wir haben Sie berufen, um in Gemeinschaft mit Ihnen die theuersten Interessen unserer Gemeinde zu berathen; die Würde des Gottesdienstes, die deutsche Predigt als regelmäßiger Bestandtheil der sabbatlichen und festtäglichen Liturgie, ein wohleingerichteter Religionsunterricht der Jugend — das sind die Zwecke, die wir zu erreichen bestrebt sein müssen, wenn es uns um die Erhaltung und Belebung des religiösen Sinnes unserer Gemeinde wahrhafter Ernst ist. Seit dem Regierungsantritte Sr. Majestät des Königs unablässig bemüht, das angegebene Ziel zu verfolgen, mußte es bei der Mangelhaftigkeit und Unklarheit der vorhandenen gesetzlichen Bestimmungen unser vorzüglichstes Augenmerk sein, die Beseitigung dieses Uebelstandes nachzusuchen. Gleich nachdem das erledigte Kultus - Ministerium durch den gegenwärtigen Herrn Minister besetzt worden war, führten wir in einer Eingabe vom 3. November J840 die Nothwendigkeit aus, durch die Wahl eines mit der Gabe des Vortrags und umfassender wissenschaftlicher Bildung ausgestarteten Rabbinen dem dringendsten Bedürfniß der Gemeinde entgegen zu kommen. Wir bemerkten aber auch, daß durch das in Kraft stehende Ministerial-Reskript vom 14. Februar 1823, wonach es an einer gesetzlichen Wefugniß für die Staats-Behörde mangelt, sich um die Wahl und Anstellung der Rabbiner zu bekümmern, diejenigen Männer, die zu dem in Rede stehenden Amte vorzüglich geeignet seien, von der Uebernahme desselben abgeschreckt würden, und begründeten hierauf das Gesuch, daß ein von der jüdischen Gemeinde zu wählender Rabbiner von 14*

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