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Der Orient · 1844-04-02 · 14 (2.4.1844) · p. Spalte 211-212

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Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
14 (2.4.1844)
Date
1844-04-02
Page
Spalte 211-212 (sequence 2)
Language
German
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211 Studien. Briefe über das Judenchum. Von Dr. I. Aub. Zweiter Brief. 212 großen Mehrzahl anderer Glaubensgenossen den Stab der Verdammung über sich gebrochen, die Pfeile des Hohnes gegen sich abgeschoffen zu sehen. „Wäre es nicht etwa besser und weiser — sagen Sie, m. Fr. — das ganze Dasein des Resormvereins zu ignoriren?" Auf den ersten Blick erscheint diese Ansicht sehr gut, und sie erfreut sich auch in der That des Beifalls vieler Männer,. die jedes religiöses Zerwürfniß oder religiöse Streitigkeit vor das Forum der Oeffenrlichkeit zu bringen fürchten, und die der Ueberzeugung sind, es käme einerseits bei allen Angriffen und Ankämpfungen gegen diesen Verein nichts Ersprießliches heraus, und es sei andrerseits von dem ganzen Auftreten dieses ohnmächtigen Vereins so wenig zu fürchten, daß er ruhig und füglich übersehen werden könne. Hielt man doch diesen Verein schon' bei seiner Entstehung für untergegangen, nannte ihn eimtodtgebornes Kind, und ließ in öffentlichen Blättern die Verschollenheits-Erklärung abdrucken. Ich gestehe, es Walter hierein e eben so große Selbsttäuschung, wie mit der schon zurückgewiesenen Annahme der geringen Anzahl der Mitglieder. — Wer die Unternehmungen der Kritik auf dem Gebiete der biblischen Hermeneutik gehörig beobachtet, wer dem Gange der spekulativen Versuche in dem Bereiche der Philosophie in seinem Geiste gefolgt; dem kann auch nicht fremd sein, daß manchen Kritikern die göttliche Authenticität des biblischen Kanons weniger noch als eine bloße Hypothese fei, und daß die Grundfeste eines Systems, gebaut auf das Princip einer unmittelbaren Offenbarung, gewaltig unterwühlt wurde. Ja, man blieb nicht einmal bei ernsten Forschungen stehen, hielt sich nicht immer in den Grenzen der historischen Untersuchungen; man stellte nach Gutdünken Luftgebäude von Systemen auf, machte die Vermuthung, als gäbe es keine übernatürliche Manifestirung, zum obersten Axiome, und was einem solchem Systeme sich nicht anpaßte, was mit dem angenommenen Principe nicht übereinftimmte, wurde ungeachtet aller historischen Zeugnisse und tiefsinniger Forschungen weggeläugnet und verworfen.- Wurde auch später in der Wissenschaft der Philosophie und der Theologie wieder eingelenkt, und Vieles, das man allzurasch in Frage gestellt, wieder durch die Resultate gründlicher Spekulationen und geschichtlicher Kenntnisse zugcstanden, so waren bereits zu viele Jünger aus jenen Schulen hervorgegangen, die ihren Lorbeer darin suchten, die sehr zweifelhafte Schulweisheit als unbestreitbare Weltweisheit zu stempeln und auszuposaunen, und in einer Alles verflachenden Verstandesrichtung die Geheimnisse und Wunder der göttlichen Offenbarung als Mythen, die tiefsten Gedanken und heiligsten Gefühle in dem innern Seelenleben als Vorurtheile und Schwachheiten zu verschreien. Nil mortalibus aduuni esfr, Coelum ipsum petimus stultitia. Insbesondere blieb diese Richtung nicht ohne Nachtheil, als sie die Grenzen der Theorie überschritt und in das wirkliche Leben eingriff. Die Halbheit des Wissens, die Afterbildung, welche oberflächlich aus jenen Lehren Einiges eingesogen, erhob sich in ihrer Verirrung, und verwarf ohne Nachdenken, was ihr nicht einleuchtete. Auch in dem Judenthum, welchem man fälschlich eine Zähigkeit zuschrieb, die es nie hatte, das vielmehr zu allen Zeiten im geistigen Rapport stand mit dem Bildungsgänge seiner Umgebung und an den Entwickelungen in der Geschichte des wissenschaftlichen Lebens immer Theil nahm, davon bewegt ward und darauf wieder einwirkte — wurde der Widerhall jener Doktrinen vernommen. Aber leider hatte da aus Umstämden, deren Auseinandersetzung hier zu weit führen würde, der Einfluß der veränderten Ansichten früher und mächtiger auf das religiöse Leben, als auf die theolegische Wissenschaft sich geäußert, so daß jenes in seiner Basis erschüttert wurde, bevor diese an eine Untersuchung schritt oder zur ernsten Abwehr sich rüstete. Mag nun auch der erste Impuls des angedeuteten Umschwunges in der neuen Philosophie wie in der biblischen Kritik einem Juden — Spinoza — zugeschrieben werden können, immerhin, es koncentrirte sich diese Art der Spekulation auf diesen Einzelnen und es wurde die Wissenschaft, besonders im protestantischen Deutschland, heftig und lange vorher davon berührt, ehe im Judenthum eine Spur dieser Umwälzung sich bemerkbar machte. Auch trat Spinoza mit seinem Systeme aus dem Judenthume heraus, sagte sich davon los und bekannte es offen, wie überhaupt dieser ernste Denker zu aufrichtig war, um mit seinen Worten zu spielen, oder mit dem Munde ein Bekenntniß zu heucheln, zu dem er sich im Geiste nicht verstehen konnte.— Werfen wir einen Blick auf die Synagoge unserer Zeit, so entdecken wir im reichhaltigen Maaße die Kennzeichen dieser veränderten Gtaubensansichten; denn die Synagoge zählt jetzt sehr viele Mitglieder, welche nicht blos mit dem ralmudischen, sondern auch mit dem biblischen Judenthume zerfallen sind, deren Leben den positiven Lehren und Gesetzen des Mosaismus widerspricht, die alles Historische in der Religion für eine Antiquität deklariren und nur noch an dem Moralgesetze festhalten; ohne jener Juden zu gedenken, welche frivol dem Abgotte der Sinnlichkeit fröhnend, ob ihrer Verworfenheit gar nicht in Betracht gezogen werden können, wie denn in Konfessionen solche Auswüchse sich finden. Auch das Christenthum zählt bekanntlich vtele Glieder, welche den Glauben an die Dogmen und Symbole der Kirche aufgegeben, und einem Rationalismus huldigen, welcher Alles abweiset, was der individuellen Vernunft nicht einleuchtet. Während jedoch in der Christenheit dieser Abfall von den positiven kirchlichen Lehren in dem innern stillen Leben der Seele vor sich gehet, l. höchstens in Ausdrücken sich äußert, ohne daß sie, wie das in l der Natur der Sache liegt, in das Leben eingreift, wofern f nicht ein schlechter Kirchenbesuch und eine Vernachlässigung der Symbole dahin gerechnet werden; — tritt in der Judenheit natürlich dieser Abfall von dem Gesetze in rausendfättigen Handlungen hervor, so daß hier weniger der Gedanke, als die Thar, weniger der Glaube, als das Leben mit der Synagoge in Widerspruch geräth. Bis zur Stunde überj: WMWWWMDWWKWMMffMMWW ' l

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