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Der Orient · 1844-04-02 · 14 (2.4.1844) · p. Spalte 209-210

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Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
14 (2.4.1844)
Date
1844-04-02
Page
Spalte 209-210 (sequence 1)
Language
German
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Meratnrblatt -es Orients. Berichte, Studien und Kritiken für jüdische Geschichte und Literatur. J\fs 44. Leipzig, den 2. April 1844» Inhalt. Studien. Briefe über das Iudenthum, mitgetheilt von Dr. I. Aub. (Schluß des 2. Briefes.) — Zur neuesten Geschichte der' jüd. Gemeinde zu Berlin. (Forts.) — Bibliographische Notiz über verschiedene Ritualien und besondere Gebetsammlungen. Von L. Dukes. — Trübe Bilder. Der Lazzenhos in der Iudengasse zu Wien, oder: der Bündeljude. — Literarische Ankündigungen. Briefe Über das Juderrthrrm, mitgetheilt von dem Rabbiner Dr. Joseph Aub zu Baireuth. (Fortsetzung und Schluß des zweiten Briefes.) Ob Viele, ob Wenige bis jetzt diesem Vereine beigetretueten — was thut's zur Sache? Könnten wir diese Wenigen keines Irrthums, keines Fehltrittes zeihen; fänden wir Wahrheit in ihren Ansichten, Offenherzigkeit in ihren Worten: wahrlich unsere Achtung gegen diese Männer müßte desto großer sein, je geringer deren Anzahl hervortritt. Und umgekehrt, wenn Irrthum in den Worten der Reformfreunde herrschet, so mag zwar unsere Freude über die winzige Zahl derselben ebenso gerecht sein, als der Wunsch, daß der Irrthum sich nicht verbreite; aber deshalb sind wir noch nicht befugt, diese Freude in Spott umzukehren und unsere Zurechtweisung in bittere Persönlichkeiten zu verwandeln. Die Zahl der Mitglieder kommt dabei gewiß nicht in Anschlag, und ist auch nur eine scheinbar geringe. Denn wollen wir es uns nur gestehen, daß es noch gar Viele gibt, welche im Allgemeinen den Grundsätzen der Reformfreunde huldigen. Allerdings mag klein die Schaar derjenigen Männer sein, welche aus kräftiger Gesinnung, weil sie nämlich in der Erklärung des Reformvereins zu viel Zurückhaltung und Inkonsequenz und zu wenig Offenheit und Freiheit finden, ihren Namen nicht unter die Mitglieder des Vereins aufnehmen ließen. Wie stark hingegen kann die Zahl der Israeliten sein, die in ihrem Herzen zu der Fahne des Reformvereins schwören, jedoch Anstand nehmen, diesen Beitritt mit dem Munde offen zu bekennen l Bald ist es Schwäche oder Gleichgültigkeit, bald sind es Verhältnisse oder Absichten, welche Viele abhatten, ohne Hehl und Scheu von sich zu bekennen, was sie im Leben längst sind, Anhänger der Prineipien des Reformvereins. Verdiente etwa diese letzte Klaffe, weil sie mehr Mitglieder zählt, größere Achtung, als die geringe Zahl der Reformfreunde? Sollten wir etwa den vielen Schweigenden ob ihres stillen Verhaltens Lob und Dank votiren, die wenigen Freisprechenden aber verhöhnen und verdammen, weil sie zu vorlaut geredet? Eine solche Handlungsweise hätte ihre Rechtfertigung, wenn das Vergehen der Gegner in einer Blasphemie oder Verletzung des Moralgebotes bestände. In Fällen dieser Art erscheint allerdings derjenige, welcher frecher Stirne Gotteslästerungen ausspricht, oder schamlos die Gesetze der Sittlichkeit öffentlich verletzt, viel strafbarer, als derjenige, welcher, obgleich er auch beiderseits sich versündigt, sich doch hütet, vor aller Welt seine Gottlosigkeit und Immoralität zur Schau zu stellen. Weder eine Blasphemie, noch eine Verhöhnung der sittlichen Weltordnung wird Jemand in der Erklärung der Reformfreunde zu entdecken vermögen, weshalb auch die Verfasser der Erklärung ruhig widerlegt, aber nicht hochmüthig verspottet werden dürfen. Selbst die nachtheiligen Folgen, welche die Demonstration des Reformverekns in der Praxis haben könnte, und die auch mehrseitig diesem Vereine zum Vorwurfe gemacht wurden, dürften wohl diesen Mitgliedern zur Beherzigung vorgehalten werden, geben aber jedoch, wenn sonst keine weitere Widerlegung der Sache sich fände, noch keinen Grund ab, die Prineipien an sich zu verdammen. Ueberhaupt soll der Israelit, am meisten die Majorität der Gläubigen gegen die Minorität der Ungläubigen, des Verdammens und des Spottens sich um so mehr enthalten, als Israels kleine Glaubensschaar nur zu oft und zu herb den niederdrückenden Schmerz fühlen mußte, von dex 14

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