Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 14 (2.4.1844)
- Date
- 1844-04-02
- Page
- Seite 110 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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110 der österreichischen Gesinnung gegen die Juden Unbekannten gemacht werden. Der Wohlstand der Juden wird dadurch keineswegs befördert, sie werden nur als Werkzeuge betrachtet, deren sie sich zu ihrem Vortheile durch unsichtbare Triebfedern bedient; denn abgesehen davon, daßden Fabrikannten dadurch mehr Aussichten eröffnet sind, ihre Erzeugnisse abzusetzen, und somit dem Handel einen lebhaften Gang und dem Gelde größere Zirkulation giebt, ist die Masse der Steuern, die auf dem Handel der Juden ausschließlich gelegt, von großer Wichtigkeit, und für sie äußerst verderblich. Man braucht nur den lebhaften Handel mit der grenzenlosen Tbc* muth der galizischen Juden nebeneinander zu stellen, um von der Wahrheit des Gesagten sich überzeugen zu können. Es wird ihnen durchaus nicht möglich, sich und die Ihrigen erhalten zu können; sie werden daher genöthiget, sich selbst aus ihrer Heimath zu verbannen, von Anderer Gnade zu leben, und Mer Mittel sich zu bemächtigen, die ihnen ein besseres Loos zu bereiten vermögend scheinen; daß es oft die erlaubtesten nicht sind, welcher sich ber galizische Ausgewanderte bedient, ist nicht in Abrede zu stellen, aber bei solchen Verhältnissen, bei diesem Grad von Armuth und Noth auch nicht anders möglich. Man kennt die große Zahl der sogenannten polnischen Juden und ihre sprüchwörtlich gewordene Armuth; in allen Ländern zerstreut, alle Zungen sprechend, verspottet, gehöhnt und in Staub gedrückt koncentriren sich in ihnen gleichsam alle Leiden des gesammten Judenthums. Werfen Sie einen Blick auf Ungarn, wo eine freiere Konstitution und Mum'cipalität den Eintritt nicht so sehr erschwert, Sie werden es von galizischen Juden durchschnitten sehen, die längere Zeit darin herumwandern, bis sie die Gnade aller Bewohner angesprochen, Einiges auch erbettelt, dann zu Hause kehren, um mit dem erbettelten Gute die zurückgelassene darbende Familie zu neuem Elende zu erhalten. — (Fortsetzung folgt.) Zur Judenfrage in Norwegen. Bericht der Konstitutionskommiteen, den Vorschlag um Aufhebung des letzten Passus des Par. 2 des Grundgesetzes betreffend. (Mit Auslassung einzelner specieller Referate aus dem Inhalt der Dokumente). Auf dem neunten ordentlichen Storthing hat der Abgeordnete Bezirksrichter SLrensen, einen Vorschlag des derzeitigen Würeauchefs und Reichsarchivars, Henrik Wergeland, den er selber sich.angeeignet, eingebracht, des Inhalts: „Der letzte Paffus im Par. 2 des Grundgesetzes, „also lautend: dem Juden ist hinfort der Eintritt „in's Land verwehrt, fällt weg." Dieser Vorschlag sammt dessen Motiven ist, zufolge Storthingsbeschlusses vom 28. Juni '1839, unter Leitung des Präsidenten, in Übereinstimmung mit Par. 112 des Grundgesetzes, zu gleicher Zeit mit den übrigen, auf dem neunten ordentlichen Storthing eingebrachten Vorschlägen, Veränderungen im Grundgesetze bezweckend, durch den Druck bekannt gemacht worden. Aus den an sämmtliche Abgeordnete vertheilten Abdrücken, wird man ersehen, daß an deren Bekanntmachung kein solcher Mangel hastet, daß dieselbe mit dem Vorschlag gleichlautend wäre. Letzterer sowol, als die übrigen auf dem neunten ordentlichen Storthing eingebrachten Vorschläge, Veränderungen des Grundgesetzes bezweckend, ist den Unterzeichneten Kommit een zur Berichterstattung zu gestellt worden. Die Motive desselben hat der Verfasser ausführlich entwickelt, und den Kommiteen erscheint es überflüssig, dieselben hier zu wiederholen, oder zu extrahiren. Der Proponent hat erklärt, sein Vorschlag bezwecke, dH die Emanciparion der Juden in Norwegen eine vollständige sei. Beschränkungen nach irgend einer Seite hin, als etwa aus gewisse Städte oder Erwerbszweige sind seiner Meinung nach immer eine Zurücksetzung, die als eine Ungerechtigkeit empfunden wird, und für beide Theile alle bittern und unglückseligen Folgen einer solchen mit sich führt. Außer aus die im Vorschlag selbst entwickelten Motive, erlauben sich die Commiteen auf eine, in Anlaß desselben erschienene, besondere Schrift: „Eingabe die Sache der Juden betreffend," hinzuweisen, wovon der Proponent jedem Mitglied des Storthings ein Exemplar zugestellt hat. — Nachdem diese Angelegenheit den Kommiteen zur Behandlung zugewiesen worden, haben dieselben nach und nach folgende fernere Aufklärungen durch den Propon enten, theils unmittelbar von ihm, theils von Andern durch die Storthings Präsidentschaft erhalten. A. In schwedischer Sprache: 1) Beglaubigte Abschrift eines Schreibens des Königl. schwedischen Kommeree-Kollegiums an S. K. Majestät, ein erneuetes Reglement für die im Lande wohnhaften Juden betreffend, datirt Stockholm, den 10. April 1837. 2) Beglaubigte Abschrift eines Schreibens von dem Stadtpolizei-Kollegium in Stockholm, (vermeintlich) *) an den Ober- Statthalter, den Magistrat und den Brigadechef der Cavallerie- und Infanterie-'Corps der Bürgerwehr, v. 10. Mai 1808,- nach einer im mosaischen Gemeinde - Archiv in Stockholm aufbewahrten, beglaubigten Abschrift — eine von den in Stockholm ansäßigen Handelsleuten „Jüdischer Nation" eingegebene Vorstellung betreffend, worin sie das Ansuchen stellen, daß, da auf Anlaß der ausgebrochenen Feindseligkeiten, die Bürger der Stadt zum Militärdienst aufgefordert worden wären, auch sie in die Bürger-Compagnien eingeschrieben werden möchten, um die Pflichten zu erfüllen, die ihnen gleichwie den übrigen getreuen Unterthanen des Landes oblägen. Das An- *) A. d. Ueb.