Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1844)
- Date
- 1844-03-26
- Page
- Seite 103 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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103 Bei meiner Ankust fand ich die Gemeinde geneigt, das Gebetbuch der „Londoner reformirten Juden" anzunchmen und man wartete nur noch auf meine Einwilligung. Doch verwarf ich das Buch ..... Ich räume die Freiheit, Sitten zu andern, Gebete zu substituiren ein; allein wir dürfen nicht die Hauptpunkte unserer Religion angreifen. ~ Ich möchte gern wissen, ob Hr. Marks Tesillin legt, oder ob er Aizit tragt? (Eine verfängliche Frage!) Thut er es, so widerspricht er sich selbst, indem es blos die Autorität der Rabbinen ist, welche uns zur Befolgung dieser und vieler anderer Gebote anleitet. Dennoch habe ich einige Aenderungen getrosten, die ich Ihnen bei einer andern Gelegenheit mittheilen will. Mr jetzt genüge, daß die Gemeinde in Glauben und Treue nach und nach zunimmt, und daß der Ewig- Einige auf diesem Eiland von den Kindern jenes Volkes angebetet wird, das „er den Heiden zum Lichte ge- - geben", und auserwählt hat „die Zeugen seiner Einheit";u sein". Die Juden in Galizien. Eine Skizze. 1. Steuerlast und Sklaverei. Bekanntlich erfreuen sich nicht alle Völker eines sehr hohen Glückes, in denen eine Ruhe wie in dem glücklichsten Staate der Welt zu herrschen scheint; denn oft ist die Ruhe keine .Ruhe des Glückes, sondern die der Siechen und Kranken, Mlcbe aus Verzweiflung sich einer leichenhaften Ruhe und düfrern Niedergeschlagenheit hingeben. Es ist jene Ruhe bc3. Grabes, wo das Leben höchstens Scheintodte hat, die durch den aufgeworfenen Schutt es nicht mehr zum wahren Leben bringen tonnen. — Freilich läßt sich nicht läugnen, daß die Völker auf Lebensglück gegründetes Recht haben, und die Natur liefert die unzweideutigsten Beweise dafür, -wo sie ihnen - segenreiche Wohnplätze zu ihrer Erhaltung angewiesen; allein die Strenge der Machthaber entzieht so manchen alle Lebenssteuden, und erdrückt sie unter einer namenlosen Last. Daß ist sich dawider nicht sträuben, ist die Frucht der langjährigen Sklaverei, der Sklave gewinnt zuweilen lieb seine Ketten, wie der Kranke sein Siechbett. Gewiß ist die Stellung der stidilchm Oesterreicher bedauernswürdig. Nicht allein daß sie i durch ihre Verbindlichkeit mit dem Staate nach dem Maaße s ihres Besitzes und Eigenthumes zu den Staatslasten gleich den k übrigen Völkern beitragen; sondern sie werden gedrückt durch Besteuerungen, die sie ausdrücklich zu tragen haben. Werfen s kmen Blick auf Mahren und Böhmen. Beschränkung, Hinderniß und Druck werden Sie 'da entdecken, die ihnen Thränen entlocken . werden. ' Aber in allen diesen Ländern sucht man wenigstens einige Freiheiten für die namenlose Beschwerlichkeit, die man den jüdischen Bewohnern aufbürdet, zu ersetzen; während man in Galizien kein Geheimniß daraus macht, daß sie nur Geldes halber im Lande geduldet werden, und auf unbeschränkte Handlungs- und Lebensweise nicht den entferntesten Anspruch zu machen berechtigt sind. Man findet gar keine Gefahr darin, sich deutlich über das Verfahren auszusprechen, daß weil die Juden keine Bekenner der herrschenden Religion sind, die katholischen Kirchen nicht besuchen, ihren Kindern die heilige Taufe nicht geben lassen, sie lästigere Steuern zu entrichten haben, und der Verachtung anheimfallen müssen. Nicht die unbedeutendste Schadloshattung haben die bedrückten Juden für die ungeheuere Geldsummen, die sie dem Staate gegeben, und noch geben, außer daß es ihnen erlaubt ist, zu ihrem eigenen Verderben, im Lande zu wohnen. Keine Bewegung, und wäre sie noch so gering, ist ihnen unbeschränkt geblieben; jeder Weg zur Erhaltung und zur freien Thätigkeit ist für sie gehemmt; jede Handlung berechnet und gemessen. Traurig ist es, daß der Glaube die Ursache aller dieser Ungerechtigkeiten ist, weil der Jude auf eine gewisse Anzahl von Speisen beschränkt ist, und auf eine vorgeschriebene Zubereitungsweise hingewiesen wird, hat man diesen Umstand zur Absorbirung jüdischer Kräfte höchlich benutzt. Man muß gestehen, daß die Kunst zu regieren eine sehr schwierige sei, da sie in der Entdeckung der Mittel, welche die Kräfte der Völker in den Regierungskanal bringen, besteht; wieweit diese Kunst gehen kann, beweist die Besteuerungöart der jüdischen Bewohner m Galizien. Das Fleisch der Thiere das eine mehr denn tausendjährige Gewohnheit dem Menschen unentbehrlich gemacht, wird ziemlich hoch selbst für die christlichen Bewohner besteuert; aber weil der Jude beim Schlachten der Thiere und beim Zubereitendes Fleisches religiöse Vorschriften zu beobachten hat, ist die Besteuerung unendlich gesteigert. Die Lichter, die an den Festtagen in jüdischen Häusern brennen, sind besteuert. Sonderbar erscheint es, daß der Fleischzoll die Gemüther nicht so sehr erbittert, wie der der Lichter. Der Trost, den man sich selbst dafür nimmt, ist von merkenswerther Natur. „Wir werden nicht genöthiget, sagen die unglücklichen Juden, das Fleisch zu genießen; wir müssen es, um unsere Kräfte nicht aussaugen zu lassen, entbehren lernen; begnügen wir uns mit Speisen, die unserem Vermögen keinen Abbruch thun; trockenes Brod diene uns, unser kümmerliches Leben zu fristen; das Licht an den Festtagen aber, das uns die Heiligkeit und die Feier des Tages ankündiget, ist uns unentbehrlich. Wir verlangen keine köstliche Male, wir wollen nur das Licht. Diese gewaltsame Besteuerung des Lichtes soll ein Jude aus Lemberg, Salomon Kosfler benannt, demKaiser Franz projektirt haben. Der Umstand, daß ein Jude der Urheber der Lichtsteuer war, kann die Sache durchaus nicht recht-