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Der Orient · 1844-03-26 · Heft 13 (26.3.1844) · p. Seite 101

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 13 (26.3.1844)
Date
1844-03-26
Page
Seite 101 (sequence 9)
Language
German
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101 im Gebrauche gewesenes Glaubensbekenntniß für die Konfirmanden durch das alte apostolische Symbol ersetzen« Der Kampf wird von beiden Seiten, von den Fort- und Rückschreitenden, mit Heftigkeit geführt, und Niemand wundert sich darüber. Man sage aber nicht, daß es sich beim Hamburger Gebetbuche blos um Gebete gehandelt habe; denn bekanntlich wurden auch Dogmen umgeinodelt und weggelassen. —■ Der Kampf, vorzüglich der religiöse, macht einen Grundzug unserer aufgeregten Zeit aus, und in der Zeit stehen sowohl Juden als Christen. Die Reaktion und der Fortschritt auf religiösem Gebiete stehen sich, sowohl im Judenthum als Chnstenthum, jetzt am schroffsten gegenüber. In jeder Konfession giebt es Dunkelmänner und Leute des Lichts und der Wahrheit. Berlin, 16. Marz. Es werde Licht in unserer Gemeinde, riefen unsere guten Berliner aus, aber bis jetzt ward es nicht. Wie viele Vorbereitungen, Maaßregeln wurden nicht getroffen, um ein geistliches Oberhaupt an unsere Spitze zu stellen; Kandidaten - Listen wurden ausgefertigt, man wählte, berathschlagte sich, machte Aufsehen, machte die Zeitungen von sich reden, und — parUirinnl mortes eie., die Rabbinatsangelegenheit ist auch nicht um einen Schritt weiter gerückt. Wir haben weder einen Oberrabbiner, noch einen Rabbmatsassessor, noch einen Prediger. Man möchte sagen, die ganzen Verhandlungen waren blos — ein Berliner Witz. Und zu den besten gehört er wahrlich nicht! Wahrend selbst die kleinsten Gemeinden Deutschlands sich bemühen, einen tüchtigen geistlichen Führer zu gewinnen, ist unser Vorstand so indolent, daß er die Rabbinecwahl auf's Gerathewohl bald aufgiebt, bald wieder aufnimmt. Doch was nützen Worte; es fehlt die That- )’ kraft, die glühende Begeisterung für das religiöse Element |; in unserer Gemeide. — Der „Plan der Real-Encyklol pdbie des Judenthums" von D. Cassel soll dem Un- | lerne hm en bedeutende materielle Kräfte zugewandt haben. * Es wäre zu wünschen, daß die Redaktion erst nach scharfer Prüfung mit dem ersten Hefte an das Licht hervor- [ treten möchte, indem die Real-Encyklopädie einen großen l Einfluß auf die Auffassung des Judenthums von christi Oesterreich. Pesth, 17. März. Obwohl es der Tendenz Ihres Blattes fern liegt, über jüdische Künstler und Künstlerinnen zu berichten, so verdient doch bei dem hier Mitzutheilenden eine Ausnahme gemacht zu werden, indem es nur als Beweis gelten soll, daß die Juden überhaupt [ öuc Hebung und Förderung unserer Landessprache viel j; beitragen. Eine jüdische Sängerin Goldstern aus [•’ Gcvß -Kanischa ist hier am National-Theater engagirt j worden. [ Prag, 17. März. Unser Vorstand hat doch endlich die Ueberzeugung gewonnen, daß mit schönen Namen uns wenig gedient sei. Er selbst trägt in dem der Regierung überreichten „Entwurf der Modalitäten zu. dem im Jahre 1808 in Wirksamkeit getretenen Judensteuer-Patent" darauf an, daß die Sache bei ihrem wahren Namen genannt, daß anstatt Vermögenssteuer, Judensteuer gesetzt werde. „Judensteuer" ist in der That ein Kraftausdruck für die Milde der Kaiserin Königin Maria Theresia. Der Jude, und nur der Jude bezahlt diese Steuer, welche die meisten deutschen Staaten mit Abscheu von sich gewiesen. Hat nun unser Vorstand den Nominalismus dieser Steuer richtig gewürdigt, so hat er wieder im Realismus einen großen Fehlgriff gethan. — Sie entschuldigen diese zwei Worte; da wir Oesterreicher Alles ideal auffassen müssen. — Die Fassionen sollen aufgegeben, und dafür eine Rationalbemessuntz eingeführt werden. Wahrlich das ist irrational! Wir sollten gar von der Willkür und dem Gutdünken einer Centraldirektion und der kleinen Landkomice's abhängen, Unser Vermögen soll nach dem Bemessen Anderer jährlich gebrandschatzt werden. Nein, wir wollen lieber selbst unser Vermögen angeben. „Die Selbstbekenntnisse verletzen alle Moral und Sittlichkeit"; allein es giebt leider Etwas, das noch unmoralischer ist. — Das Modeln und Verbessernwollen an der Judensteuer verschlimmert nur die Sache. Das Hebet muß von Grund aus kurirt werden. Tragt Schminke auf das tobte Gesicht auf; es modert dennoch und verbreitet Leichengeruch. Dem bemittelten Stand muß Erleichterung verschafft werden; die Reichen blieben stets verschont. Allerdings wird die in Aussicht stehende Aufhebung der Judenfleischkreuzer der armen Volksklasse eine schwere Last abnehmern, denn die Last drückte nur sie, da die Reichen gewöhnlich die Emancipation des Fleisches anerkennen. Allein das Uebe! bleibt immer, die Judensteuer besteht. Vor Allem werde die Steuerdicektivn abgeschafft; wir brauchen keine Beamten zu unterhalten. Der Staat kann nicht selbst das Decimal-System an-' wenden, oder wir müßten vergebens seit Maria Theresia fortgeschritten sein. Und daß unser Staat fortschreitet, rufen ja die österreichischen Zeitungsherolde nach allen Seiten aus. — Man regle nicht das Regellose, man bringe keine Ordnung in die höchste Unordnung; es ist vergebens. — Einen schönen Zug habe ich Ihnen von unserm geliebten Landeschef mitzucheilen. Der Erzherzog Stephan hat nämlich die Dedikation eines Werkes über Karlsbad vom jüdischen Arzte Dr. Fleckles angenommen. Won diesem milden Landesherrn, der Oesterreichs Politik hinter sich hat, haben wir uns viel Gutes zu versprechen, obwohl es in unserer hyperkatholischen Stadt genug Ohrenbläser giebt.

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