Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1844)
- Date
- 1844-03-26
- Page
- Seite 99 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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99 7) Erhalt man in der That den russischen Adel, wenn man 100 jüdische Familien zum Landbau veranlagt, und den erblichen Adel sogar, wenn man die Zahl derer auf 200 steigert? — Bei der Unbekannrschast, in der wir uns befinden, was die russischen Bestimmungen dieser Art betrifft, wäre es gewiß wünschenswerth, daß Jemand, der mit diesen Verhältnissen' genau bekannt ist, etwas Ausführliches darüber mittheilte, und bei der Gelegenheit winde eine allgemeine Schilderung der russischen Kolonien nicht ohne Interesse sein. * Poseu, 17. Marz. Der Schwiegersohn unseres Rabbiners, Hr. Dr. Hirschfeld, ist vorige Woche aus Paris in seiner Gemeinde zu Wollstein angekommen. Was auch die Zeitungen von seinen Planen uriheilen mögen, so verdient doch seine Mühe, sein Wille und seine Energie die gebührende Anerkennung. — Unser Polizei-Präsident Minutoli ist an die Spitze eines sehr nützlichen Vereins getreten, der auch in andern Städten zur Nachahmung aufmuntern möge. Die jüdischen öAandlungsdiener bringen nämlich die Abende, anstatt in Gasthäusern, Konditoreien rc., mit den für ihr Fach nützlichen Gegenständen zu. Der jüdische Handlungsdiener-Verein hat zwei Lehrer für den Unterricht in den Handlungswissenschaften gewonnen. — Grunbimrerr, 13. Marz. Die hiesige k. Regierung erlaßt in dem heutigen Amtsblatte die Bekanntmachung, daß für die Zukunft der nach Nr. 17 der Amtsblatt-Bekanntmachung vom 22. Januar 1842 bei dem Angreifen fremder, unlegitimirter Juden zu gewahrende Denunzianten-Antheil von der Hälfte auf ein Dritttheil des von den etwaigen Konsiskaten, nach Abzug der Kosten, verbleibenden Erlöses herabgesetzt worden ist, und daß Nichtbeamten ein solcher Denunziantenantheil gar nicht gezahlt werden darf. — Wir leben einmal in einer Zeit des Fortschrittes! WvM Federsee, im Jan. (Beschluß.) Der Schreib-Leseunterricht nämlich, wie ihn der geistvolle Graser ausstellt und ihn andere, bedeutende Pädagogen nachahmen, wobei die einfachsten, natürlichsten Buchstabm-Formen ausgesucht werden, um sie von den Kleinen nachbilden und ihrem Gedächtnisse schreibend einüben zu lasten, brachte mich auf den Gedanken, daß es für Kinder und namentlich für Jsraeliten-Kinder, die auch mit dem Hebräischen bekannt gemacht werden müssen, eigentlich keine einfachere, leichtere Schrift gebe, als die hebr. Quadracschrist, indem schon deren Vokale nichts anders, als einfache Striche und Punkte sind und auch die Konsoncmnten meistens nur aus solch' einfachen Elementen zusammengesetzt sind; abgesehen davon, daß diese, als : eine der ältesten Schriftzeichen am Meisten der Natur nachgeahmt sind, was schon die Buchstaben-Namen: Ales, Bet, Gimet, Dalet rc. besagen. Anstatt nun mit der lateinischen Schrift, wie es Graser und Andre wünschen, die nur als Vorübung dient und mit der doch nicht zu lesen fortgefahren wird, den Anfang zu machen; beginne ich mit der hebr. Quadratschrift, lasse diese in ihren Grundformen von den Leseschülern so lange schreibend üben, bis sie die verschiedenen Laute völlig inne haben, wobei man, wie im Deutschen ganz nach der Lautirmethode, ja zuweilen sogar nach der Olivier'schen Lehrweise verfahren kann, wobei analytisch zu Werke gegangen und durch vorgespcochene Wörter auf die betreffenden Laute aufmerksam gemacht wird, indem man zur bessern Verständniß für die Unmündigen, die Wörter deutsch spricht, ungeachtet hebräische Buchstaben eingeübt werden, wie man auch Deutsch mit lateinischen Buchstaben schreibt. Sind nun einmal die hebr. Vokale und Buchstaben auf diese Weise schreibend eingeübt und zu Sylden und Wörtern verbunden worden; so geht das Deutschlesen um so leichter und schneller und mit dem Hebräischen Hand in Hand. Das frühzeitige Einüben der hebräischen Quadracsthrift und auf bezeichnete Manier schreibende Lesenlehren kommt aber der Schule noch anderweitig gut zu Statten. Sobald nämlich die Pfleglinge derselben geläufig lesen und schreiben (was öfters schon nach ein- bis zweijährigem Schulbesuch der Fall ist) und im Memoriren von leichtern Sprüchen und Gesangverschen einige Fertigkeit erlangten, laßt man sie, nach Vorausschickung und bei Fortsetzung der nölhigen hebr. Schreib- und Sprachregeln, namentlich der Bekanntmachung mit dem Haupt-, Zeit- und Fürworte nebst den üblichen Hilfsbuchstaben, die Uebersetzung des Pentateuchs (versteht sich mit Auswahl) und den leichtern Eebetstücken auf folgende Weise üben: Man schreibt, je nachdem es dem Alter und der Fassungskraft der Lehrlinge angemessen ist, wöchentlich mehre kleinere, oder größere hebräische Abschnitte wörtlich übersetzt an die schwaeze Wandtafel (wozu auch reifere Schüler benutzt werden können), laßt solche von den Lehrlingen in eigens dazu verfertigte Hefte eintragen und nach vorausgegangener Erklärung in Abwechslung mit Bibelsprüchen und Gesangversen zu Haus, oder zuweilen als Selbstbeschaftigung in der Schule derart auswendig lernen, daß sie den Urtext in den betreffenden Büchern stets bei Hand behalten dürfen, was man von Zeit zu Zeit abhört, wobei das Mangelhafte von Seiten des Lehrers verbessert, das Ganze mit erläuternden Bemerkungen versthen und um dem mechanischen Treiben vorzubeugen, zuweilen auch in sprachlicher Hinsicht ducchgenommen wird, bis die Schüler im Stande sind, sich selbst zu helfen und vom Leichtern zum Schwerem fortschreitend, ohne beigegebene Krücke zu übersetzen vermögen. Daher werden die früher vorgekommenen Wörter (in den sorgfältig aufzubewahrenden Heften) spater nicht mehr ausgeschrieben, was zum fleißigen Repetiren veranlaßt, diesem mächtigen Hebel zum Gedeihen des Unterrichts, wie dies schon der bekannte Satz besagt: repetilio est maier studiorum“. Zwar sind zu diesem Zwecke in neuerer Zeit manche treffliche Übersetzungen theils der ganzen Bibel, theils einzelner Theile derselben, für die Schule, von Zunz, Salomon und Herxheim er erschienen, allein diese (namentlich letztere) sind mehr für den Lehrer und die reifere Jugend berechnet; jüngere, mit dem Geist beider Sprachen weniger vertraute Schüler und oft auch ältere wissen sich kaum Raths daraus zu erholen, während das Aufschreiben der Wörter von ihnen selbst ganz elementausch und der Kindesnatur sehr angemessen ist, indem das Kind stets beschäftigt sein will. 13