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Der Orient · 1844-03-26 · Heft 13 (26.3.1844) · p. Seite 98

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 13 (26.3.1844)
Date
1844-03-26
Page
Seite 98 (sequence 3)
Language
German
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98 „die Stellung der Israeliten in Italien". Dem bekannten Statistiker Graf Serristori zufolge zählt die Lombardei 3340 und das Venetianische 3560, das österreichische Italien zusammen 6900 Juden; Könige. Sardinien 4140; Herz. Parma 630; Herz. Modena 2654; Großh. Toscana 7066; Kirchenstaat 12,700; Kön. beider Sicilien 2000, zusammen 36,090 Juden. In Lucca ist den Juden nur zeitweiser Aufenthalt, dagegen in der Lombardei, in Parma, in Toscana und im Kirchenstaat der Besitz unbeweglicher Güter verstattet, in Sardinien, Modena und dem Kön. beider Sicilien derselbe verboten. In Sardinien mußten die Juden ihren unbeweglichen Besitz nach der Restauration binnen einer bestimmten Frist verkaufen, in Modena durften sie seitdem keinen neuen erwerben. — Schutzgeld (Tokeranzsimer) epistirt nur noch in Modena (20,000 Lire jährlich). In Parma können die Juden Aerzte, Advokaten und Apotheker werden, sie sind militärpflichtig und können öffentliche Aemter bekleiden. In der Lombardei ist den Juden die Advokatur und die medicinische Praxis erlaubt; sie sind dienstpflichtig und können Mitglieder des Municipal-Conseils, nicht aber der Municipal-Kongregation werden. In Toscana können die Juden Medicin und Pharmacie ausüben, alle Gemeindeämter bekleiden und von der Konskription sich durch Lösegeld befreien. In Sardinien, Modena und Neapel können die Juden weder Aerzte, Advokaten oder Apotheker werden, noch im Heere dienen, noch Municipalamcer bekleiden. Ghetti giebt es in Sardinien, in Modena und im Kirchenstaate. Deutschland. Aus Würtemberg, Ende Februar. Es ist schwer, Interessantes monatlich über Würtembergs jüdische Zustande zu berichten. Die Bevölkerung ist gering, kaum 11,000 Juden, Kirchen- und Schulwesen sind geordnet, die bürgerlichen Verhältnisse dürften sobald nicht geändert werden; die Staaten und ihre Häupter sind zu verwandt zusammen, sie gehen sich gegenseitig nicht aus Händen, wenn auch Einer der armen Juden sich annehmen wollte, so redet man ihm in Frankfurt von Deutschlands Einheit und vom christlichen Staat in's Ohr, dann fahre wohl Emancipation. — Der Monat Februar har uns einen neuen jüdischen Hofrath gebracht. Der Sohn des verstorbenen um die Besserung der jüdischen Verhältnisse vielverdienten Kommerzienraths N. W. Kaulla aus Stuttgart, Rudolf Kaulla, Angestellter bei der kön. Hofbauk, istzumHofrarh erhoben worden. Die Mutter des jungen Hofraths verdient es, daß ihre Kinder so hohe Anerkennung finden, mütterlich nimmt sich diese edle Dame aller Nothleidenden an, ihre Werke haben sie längst in den Adelstand der Menschheit erhoben. Alle jungen Leute in Stuttgart, die sich den Wissenschaften, dem Handel oder den Gewerben widmen, finden an ihr eine Wohlthatecin. Der älteste Sohn, Herrmann Kaulla, Dr» der Medicin, starb auf einer wissenschaftlichen Reise in Paris, er mit seinem noch lebenden Freunde, Dr. Dreifus, waren die ersten Gründer des jüdischen Waisenvereins für Würtemberg. In diesem Monate ist der Rechenschaftsbericht der Wilhelmspflege zu Eßlingen versandt worden, das Vermögen des Waisenvereins ist auf 22,000 fl. gestiegen. Bei der jüngst vorgenommenen zweiten Dienstprüfung für Rabbinatskandidcuen in Stuttgart, (die erste ist in Tübingen) wurde ein Kandidat zur Uebernahme von Rabbinats-Stellen für befähigt erklärt. Nach neuestem Erlasse der israelitischen Oberkirchenbehörde soll in den jüdischen Gemeinden keine Vermögenssteuer (Erach), sondern Einkommenssteuer zur Deckung der Gemeindekosten, erhoben werden. Im benachbarten Baden hat Bassermann ein freies Wort für die Presse und Moritz von Haber in der Ständekammer gesprochen, dessen hat aber Niemand gedacht, daß man im rohen Vandalismus das jüdische Gotteshaus stürmte; weil ein badischer Officier, ein getaufter Jude und ein Spanier sich rauften, mußten die Juden in Karlsruhe ein Auto da 16 bestehen. Soll man mehr den freien Badener, oder den gedrückten Juden bedauern?? Frankfurt a. M., 12. Marz. (Aufforderung.) Es ist bekannt, daß die russische Regierung den Ackerbau unter den Juden zu befördern sucht. Wünschenswerth wäre es daher, eine Stimme aus Warschau oder aus Posen — zu vernehmen, die uns darüber die nöthige Aufklärung gebe. Es leben in Warschau angesehene geachtete Männer, die über diese Verhältnisse sicher gut unterrichtet sein müssen, und es wäre gm, wenn uns von daher begründete Miltheilungen gemacht würden. Ich will auf die Punkte, über welche wir im Zweifel sind, besonders Hinweisen: 1) Es bestehen verschiedene Kolonien in Südrußland, hat die Regierung den Boden dazu unentgeltlich gegeben? 2) Welche andere Vergnügungen werden den Kolonisten zu Theil? 3) Ist es wahr, daß nach dem Jahre 1837 diejenigen Juden, welche sich im Gouvernement Cherson anbauen wollten, ein Vermögen von 500 Rubel aufweisen mußten? 4) Werden die Kolonisten in Tobolsk und Omsk in der That mehr begünstigt, als diejenigen in den südlichem Theilen des Landes? 5) Welche Bestimmungen bestehen überhaupt zur Beförderung des Ackerbaues unter Juden? 6) Ist der Ukas, nach welchem die Juden nicht nur das nöthige Land, sondern auch — außer den erlassenen Abgaben und der Befreiung von der Konskription — die nöthigen Gerathschasten und eine Kuh erhalten, allgemein gültig?

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