Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1844)
- Date
- 1844-03-26
- Page
- Seite 97 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Berichte, Studien und Kritiken Das Abonnement für ein Jahr ist 5 Thlr. Man abonnjrt bei allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von ©f® Julius Fürst» Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. HZ fH» Leipzig, den 26. März 1844« Inhalt. Orient. £ o n fU n ti n o p e t. gretfpredmng der Juden auf der Insel Marmora. Jerusalem. Wilde über die Juden — Jta lien. R o nt. Die Juden in Italien — Deutschland. Aus W ü r 1 e m b e r g. Vermischte Nachrichten. Franks, a. M. Aufforderung. Posen. Dr. Hirschfeld. Verein. Gumbinnnen. Bekanntmachung d. Amtsblattes. Vom Federsee. Schulwesen. Hamburg. Auszeichnung u. Verlaumdung. . Franks, a. M. Vermischte Nachrichten. Dresden. Das Hamb. Gebetbuch u. der Streit in Y christl. Gemeinde zu Leipzig. Berlin. Die Rabbinerwahl. Die Encyklopadie. — Oesterreich. Pesth. Förderung der Nationalsprache. Prag. Di. Judensteuer. Der Erzherz. Stephan. — Polen tt. Rus; lan d. Poln. Grenze. Beschränkung. Mohilow. Der Mas. Paris. Die Grenzjuden. DieKaraer. — Nordamerika. St. Thomas. Nel. Zustande. — Die Juden in Galizien. Eine Skizze. — Personalchronik und Miscellen. — LB. d. Or. Orient. Konstlrntinopel, 1. Marz. Nach bem „Moruing Chronicle“ sind die auf der Insel Marmora eines Christenkindermordes beschuldigten Juden, am 25. Februar von. der türkischen Regierung gänzlich fteigesprechen worden. Der englische Konsul hat also die Unschuld redlich in Schutz genommen. Jerusalem/ im Jan. „Jerusalem ist, sagt der Pred. G a u sse n zu Gens, was nie vergessen werden darf, nicht allein in der Vorstellung der Bevölkerungen des Morgenlandes, sondern in der Ordnung des göttlichen Regiments u.in den Aussprüchen der Propheten, der Mittelpunkt der Welt. Für den Griechen, den Lateiner, den Armenier, für den Juden, ja für den Muselmann selbst ist es die heilige Stadt; es ist das Ziel beständiger Wallfahrten. Tcagtsich dort etwas Wichtiges zu, dasGerücht davon wird eben so stark widerhallen in den Synagogen von Sudan jenseits der Wüste, als in denen Polens am Ufer der Weichsel, und dies außerordentlich elektrische Volk wird schnell die Bewegung bis an die entferntesten Theile seines großen Körpers fühlen. — Bereits enthalt Jerusalem eben so viele Juden als Muhammedaner. Zwei Zwecke ziehen sie hin: zuerst das Studium der heiligen Schrift und des Talmud, sodann das Glück, im Thal Josafat begraben zu werden. Selbst zu der Zeit, als die Türken nur Dreihunderten von ihnen die heilige Stadt zu bewohnen erlaubten, sah man Jahr aus Jahren zu, Jaffa Schiffe landen, deren traurige Ladung Wr aus israelitischen Gebeinen bestand, die nach Jerusalem gesandt wurden. -— Man muß den Juden zum ^'sten Male in der Stadt seiner Vater ankommen sehen. Wenn er noch eine Tagreise von ihr entfernt ist, legt ec seine besten Kleider an; sobald er sie gej wahr wird, zerreißt er dieselben, wirft sich auf die Erde,! weint und fangt zu beten an, und wenn er endlich in i die heilige Stadt eintritt, geschieht es nur das Haupt mit Erde bedeckt. Nie kam ein verbannter Sohn mit mehr Zärtlichkeit in's Vaterhaus heim, nie sah ein stolzer Baron die Behausung seiner Väter mit mehr Schmerz von fremden Händen an sich gerissen. — Aber! hauptsächlich muß man sie an dem Tage sehen, wo sie sich unter der westlichen Mauer von Morija versammeln, um auf den Steinen, welche, wie man glaubt, zu den Grundmauern des alten Tempels gehörten, zu weinen. „Nichts ist rührender, wie dies Schauspiel", sagt der Reisende Wilde, „nie werden es mir die Jahre aus dem Andenken verwischen. Da waren sie in Gruppen versammelt, Klage führend und David's Lieder singend, ganz nahe dem Orte und in der Sprache, darin sie David verfaßt hat, vor eben den Mauern, welche vor achtundzwanzig Jabrhunderten von denselben Gesängen wiederhallten; jede Note war durch einen Seufzer geschwellt oder durch Schluchzen unterbrochen, sie küßten diese Steine der Mauer, wagten aber nicht, ihren Kreis zu überschreiten, weil der Halbmond des Jslüm auf der Spitze des Minarets glanzt und die blutrolhe Fahne Muhammed's über ihren Häuptern flattert. Wenn man mich fragen würde, was das Interessanteste aus meiner ganzen Reise an den Küsten des Mittelmeeres gewesen sei, so würde ich antworten: der über den Trümmern Jerusalems weinende Jude." Italien. .Rom, 8. Marz. Die Allg. Preuß. Zeitung (vom 8. Marz) enthalt in ihrer Beilage einen Artikel über 13