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Der Orient · 1844-03-19 · 12 (19.3.1844) · p. Spalte 185-186

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Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
12 (19.3.1844)
Date
1844-03-19
Page
Spalte 185-186 (sequence 5)
Language
German
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185 Studien. Zucker am Pesach, eine kasuistische Untersuchung. 186 Zucker am Pesach, eine kasuistische Untersuchung. nom vbx min mow dd ."□nriN onin yby Jerus. Nedarim, J4. Es kann wohl als allgemein anerkannt vorausgesetzt werden, daß viele Erschwerungen des jüdischen Rituals ihren Grund theils in der absichtlichen Ueberladung des Bindematerials, das die Grundfesten des Iudenthums für ewige Zeiten so erhalten soll, daß, wenn auch Stürme und Orkane den Ueberwurf beschädigen sollten, die Grundmauern wohlerhalten bleiben, theils auch in der Unkunde der spätern Kasuisten in allen Wissenschaften, welche die Religion nicht unmittelbar berühren. Wir heben unter diesen die noch überall streng gehandhabte Erschwerung hervor, sich am Pesachfeste nur das in den jüdischen Raffinerien eigens für den Gebrauch dieses Festes fabricirten Zuckers zu bedienen, den folglich die Konsummenten mit einem höhern Preise zahlen müssen. Als Ursache dieser Erschwerung wird die Befürchtung angegeben, unter dem Zucker könnte eine Beimischung von Mehl sein. Man nahm daher früher Anstand den Hut-Zucker, Melis rc. sogar im Hause zu behalten, was spätere Kasuisten jedoch erlaubten; diese Erleichterung beschränkte sich aber nur auf den Hut-Zucker, denn Kandis-Zucker erklärt der geradezu für -hdj pH, weil derselbe in niälDn mm gekocht wurde (Orach Chajim, 467; R. G. A. Noda bi-Iehuda, 23). Können wir es den alten Kasuisten verzeihen, daß sie, einer vagen Befürchturg wegen, welche ihnen durch genaue Erkundigung und eigene Untersuchung zu beseitigen, in ihrer Abgeschlossenheit und Absonderung von allem weltlichen Verkehr sehr erschwert war, den Genuß des Zuckers untersagten, so dürfen wir es unfern Rabbinen, die sich zuweilen jahrelang mit den minutiösesten archäologischen Untersuchungen beschäftigen, nicht ungerügt hingehen lassen, daß sie eine Erschwerung, die sich nur durch eine gänzliche Unkenntniß der Zuckerfabrikation rechtfertigen läßt, noch nicht aufgehoben haben, ja sogar von vielen Rabbinen durch Ausfertigung von lukrativen Gebrauchszeugniffen noch unterstützt wird. R. Chiskija de Selva hat bereits den schwachen Grund des Zuckerverbots wahrgenommen, und sagt daher, daß solches von der Art und Weise der Fabrikation abhänge. Wir versuchen daher in der möglichsten Kürze das ganze Verfahren der Zuckerfabrikation darzulegen, woraus zu ersehen ist, daß nicht nur bei den Zuckerbroden keine Beimischung von Mehl zu fürchten ist, daß sich vielmehr die ganze Fabrikation auf einen Läuterungsproceß beschränkt. Das Zuckerrohr kommt nach erlangter Reife in die Zuckermühle, wo der Saft ausgepreßt wird, der sodann in die Siederei geschafft wird, wo er mit einem Zusatz von Kalk mehremal in kupfernen Kesieln gekocht wird. Bei dem jedesmaligen Ausschöpfen der Flüssigkeit aus einem Kessel in den andern wird solche durch ein Luch siltrirt, in dem der Kalk mit allen unreinen Theilen zurückbleibt. Aus dem letzten Kessel kommt der Saft in Kühlbehälter und Krystallisirfässer, und sodann wird er, wenn erkaltet, unter dem Namen Rohr¬ oder Juden-Zucker in Kisten verpackt. — Der Rohrzucker wird in den Raffinerien abermals aufgelöst und mit einer Beimischung von Ochsenblut und Kalk in verschiedenen kupfernen Kesseln gekocht. Die Flüssigkeit wird bei dem jedesmaligen Ausschöpfen immer siltrirt. Ist nun solche bis zum Fadenziehen gar, so schöpft man sie in große Kühlpfannen und von diesen in Zuckerformen. Wie ist es nun bei diesen vielen Läurerungsproeessen möglich, daß eine Beimischung von irgend einem fremdartigen Stoffe, der noch dazu in der Flüssigkeit Zurückbleiben muß, zu befürchten ist? Man hat uns zwar entgegnet, es wäre zu befürchten, daß die Arbeitsleute Brod in den Zuckersaft Lunken; allein sollte dies wirklich der Fall sein, so müßten jedenfalls selbst die kleinsten Brodkrummen durch die Filtration niedergeschlagen werden, und auf den Geschmack derselben ist doch nach dem angenommenen Sexagintal - System am wenigsten zu achten. Man hat ferner vorgegeben, die Zuckerhüte würden vermittelst eines Teigs weiß gewaschen (gedeckt), allein dieser Teig wird keineswegs aus Mehl gemacht, sondern aus einem ganz reinen Lhone, und gerade diese Thondecke dient dazu, daß das in derselben befindliche Wasser durch die'Zuckerhüte durchsickern und alle Unreinigkeiten mitnehme. — Die Fabrikation des Kandis-Zuckers, den der i'v für y^ erklärt, besteht blos in der Krystallisation der Zuckerflüssigkeit, die durch Flanell siltrirt in 1—2 Fuß hohe, runde, kupferne Kandistöpfe gegossen wird. Die Wände dieser Töpfe sind mit ganz kleinen Löchern durchbohrt, durch die Zwirnsäden gezogen werden, und diese Töpfe nennt nun der erwähnte Kasuist niLMN mm. Es läßt sich demnach durchaus keinen wahren, vernünftigen Grund angeben, warum der Gebrauch des gewöhnlichen Zuckers am Pesachfeste verboten sein sollte. Nur den gestoßenen, sog. Mehlzucker könnte man allenfalls untersagen, wenn erwiesen ist, daß die Verkäufer solchen mit Mehl mischen, welcher Betrug aber leicht zu ermitteln ist. Wir wissen wohl, daß wir mit dieser Untersuchung keinen Baustein zu der beabsichtigten Gründung eines deutschen Iudenthums liefern, und daß, wenn wir auch unfern Zweck erreichen, die Verschmelzung des Iudenthums mit dem bhristenthum hierdurch um keinen Grad näher gerückt wurde; allein zu solchen Spekulationen en gros besitzen wir weder Muth noch Kraft, diese müssen wir denen überlassen, die sich für berufen halten, für die Gesammtheit politische Rechte und nationale Freiheiten mit -religiösen Zugeständnissen zu erkaufen und zu erhandeln, die mehr Muth haben mit kongrevischen Raketen der rationalen Kritik das ganze Religionsgebäude einzuäfchern, als die Angriffe, Verdächtigungen und Mißverständnisse von Außen zu vertheidigen und aufzuklären. Uns genügt eine allmälige Entfaltung des reformistischen Princips nach Innen, Hemmungen der

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