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Der Orient · 1844-03-19 · Heft 12 (19.3.1844) · p. Seite 93

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 12 (19.3.1844)
Date
1844-03-19
Page
Seite 93 (sequence 9)
Language
German
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93 des mosaischen Glaubens seufzen, für ungerecht und dem Wohle des Vaterlands als schädlich erklärten. Man kann auch nicht den wohlthätigen und sittlichen Eindruck verkennen, den der humane und sittliche Geist des 29. ' Gesetzartikels von 1840 zur Erweckung und Belebung : eines edlern Selbstgefühles unter den Israeliten ohne Zweifel ausübt, denn wie sehr sich auch unsere Feinde bestreben, die hie und da sich vielleicht zeigenden Schattenseiten der Sittlichkeit Einzelner als Rechtfertigung der Verdammung unser Aller zu benutzen, so wird doch unter den unparteiischen Beobachtern der sittlichen und geistigen Bestrebungen der Israeliten Keiner sein, der es in Zweifel ziehen könnte, daß in der Volksmasse der Israeliten ein gewisser besserer Geist sogar sich die Oberhand errungen, und daß die vaterländischen Israeliten trotz der vielen Ausschließungen und Unterdrückungen, denen sie leider! noch vielfach unterworfen sind, in ihrer sittlichen und geistigen Ausbildung vorzügliche und erfreuliche Fortschritte gemacht haben, zu deren Belegung wir viele Tatsachen und Begebenheiten citiren könnten, vorzüglich ihre Nationalistrung, die Erziehung und sittliche Ausbildung ihrerJugend, sowie nicht minder in ' Hinsicht ihres Eifers zu nützlichen Gewerbszweigen, Kunst und Wissenschaft sehr wesentliche Fortschritte stattgesunden. Beinahe überall wo die Israeliten eine Gemeinde bilden, aber besonders in den kön. Freistädten, sind zweckmäßige neue Schulen und Kleinkinderbewahranstalten entstanden, oder die schon vorhandenen besser organistrt worden, in welchen die geliebte Vaterlandssprache den Hauptzweig der Wissenschaften ausmacht, sogar rückflchtlich aller andern Gegenstände zur Unterrichtssprache mit anhaltendem Eifer und dem besten Erfolg benutzt wird, sowie überhaupt zur sittlichen und wissenschaftlichen - Ausbildung der Jugend, vorzüglich aber zur Erweckung ■ eines wirklich patriotischen Geistes die zweckmäßigste Sorge verwendet wird, wie das der erfreuliche Erfolg der öffent- . lichen Schul-Pcüfungen, dem unparteiischen Uctheile vieler; ansehnlichen Augenzeugen gemäß, unläugbar bekräftiget. : An mehren Orten, wie z. B. in P est h, G. K a ni sch a, Arad und anderwärts haben sich zur Verbreitung der schwereren Handwerke und des Ackerbaues unter unfern Glaubensgenossen und zur Aneiserung unsere Jünglinge zur Erlernung der nützlichen Fächer der Industrie; und Kunst unter den Israeliten mehre Vereine gebildet, welche trotz all jener Hindernisse, mit welchen wir : kämpfen müssen, mit dem allerbesten Erfolg wirken; wo die Beförderung vaterländischer Unternehmungen und Anstalten oder die Unterstützung anderer lobenswürdiger und wohlthatiger Zwecke vorkommt, nehmen die Israeliten überall thätigen Antheil. Es sei in dieser Hinsicht erlaubt, uns zu berufen auf die S p ar kasse des Pesthec Komitats, auf das Pesther Kleinkinde r-Sp ital und auf den ungarischen Gewerbsverein, welcher letzterer nicht nur eines einzigen Israeliten Fabrikation der öffentlichrn Auszeichnung würdigt. Ebenso rücksichtlich aller Verhältnisse des Bürgerlebens, aus welchen die Israeliten nicht ausgeschlossen sind, ist es unmöglich in Zweifel zu ziehen, daß sie eifriges Streben bewähren und die staatsbürgerlichen Pflichten bei jeder Gelegenheit mit vollkommener Bereitwilligkeit erfüllen, und in der sittlichen und geistigen Richtung, nicht minder als überhaupt in allen socialen Verhältnissen, sich dem bürgerlichen Leben anschließen. Im Ganzen ist es daher ungerecht und falsch und die Behauptung unserer Gegner ungegründet, als wenn die Israeliten gegen andere Glaubensbekenner feindliche Gesinnungen nährten. Die Religion der Israeliten unterscheidet sich zwar von der christlichen, ihre Grundsätze aber sind durchaus nicht mit dem Zwecke des Staats unvereinbar, denn einer unserer Hauptglaubensartikel ist: unfern Nebenmenschen ohne Standes- und Religions-Unterschied, wie uns selbst zu lieben und für ihn thätigen Antheil zu nehmen! Oder übt vielleicht der Israelit diesen Glaubensartikel im Leben nicht aus? Muß nicht auch der größte Gegner der Eman cip ation gestehen, daß der Israelit ein für fremde Leiden geöffnetes teilnehmendes Herz in sich tragt? daß er den Unglücklichen, welcher Religion er auch sein möge, gerne und freudig beisteht? Ist es also möglich, bei einer selchen Religion und Lebensweise, die Israeliten eines Hasses gegen Andersglaubende zu verdächtigen? Und doch muß ich es sagen, mit tiefen Schmerzen es sagen, daß trotz dieses bessern Strebens unserer Glaubensgenossen die vielen Ausschließungen und Bedrückungen noch nicht geschwunden sind. Warum waren wir nicht so glücklich zu erreichen, was die Landstände in ihrer ewig, ewig denkwürdigen Aufschrift beabsichtigten? Aber nur ein kleiner Theil der Erleichterungen wurde zum Gesetze. Die Israeliten sind in mehr als einer Gespannschast an dem Ankäufen ucbarialer Gründe gehindert und noch in vielen Freistädten von dem Besitzrechte der Realitäten ausgeschlossen, obwohl sich ihre Neigung zum Landbau schon durch den Umstand bewiesen hat, daß in vielen Komitaten Israeliten gefunden werden, welche sich blos mit dem Ackerbau, doch leider in ihren Rechten sehr beschrankt, beschäftigen. In mehren Theilen des Landes sind sie sogar vom Ansaßigkeitsrechte ausgeschlossen. Aemter können sie nicht bekleiden, Advokaten können sie nicht werden, von den Zünften werden sie nicht ausgenommen, und wer könnte diese unzähligen Ausschließungen herzahlen, wegen welcher sie in dem Lande ihrer Geburt, welches sie vor vielen Jahrhunderten aufnahm, an welchem sie mit aufopfernder Liebe hängen, welches sie mit ihrem Blute zu vertheidigen bereit sind, und nur wegen der von ihren Voreltern ererbten Religion werden sie noch als Fremde betrachtet! " Preßbuvg, 5. Marz. Auf eine unwürdige Weise wird in der A. A. Z. in einem Berichte aus Preßburg verfahren. Ein Artikel eines ungarischen Israeliten, den dasselbe Blatt früher brachte, hatte viel Aufsehen gemacht, er konnte und mußte es, denn er war trotz seines ruhigen und bescheidenen Tones und seiner Einfachheit, doch warm und kräftig genug, um auf das Herz jedes menschlich Fühlenden, jedes für Recht und Gerechtigkeit nicht völlig abgestumpften Gemüthes Eindruck zu machen, noch mehr aber — er war wah r. Flugs ist man mit der Bemerkung bei der Hand: die Juden seien, in den meisten Gemeinden der Emancipation unwürdig. In Ungarn wohnen aber 250,000 Juden und zählen somit mehr Seelen als die Fürstenthümer Reiß, Greiz, Schleiz und Lobenstem zusammengenommen; eine Verleumdung also, die gegen eine solche Menschenzahl geschleudert wird, eine Verleumdung, die angebracht wird, um Myriaden Seelen der Menschenrechte zu berauben, glaubt wohl Jeder, müsse wohlbegründet, durch thatsächliche Beweise unterstützt sein, und siehe dal den einzigen Beweis: die preßburger Gemeinde hat ein thörichtes, formloses Gesuch an die Statt-

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