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Der Orient · 1844-03-19 · Heft 12 (19.3.1844) · p. Seite 92

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 12 (19.3.1844)
Date
1844-03-19
Page
Seite 92 (sequence 7)
Language
German
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- 92 - ihre hatte und parteiische Auffassung und Darstellung des Judenrhums, da sie doch auch den Staat, der den Juden die bürgerlichen Rechte verweigert, einer strengen Kritik unterziehen sollten. Ec verwies dann auf alle civi- (isi'tten Länder, namentlich auf Frankreich und England, wo die Emancipation mit dec allgemeinen Freiheit Hand in Hand ging. — In demselben Sinne erklärte sich der Deputirte einer stark bevölkerten Stadt an der Theiß und nach ihm ein als Redner sehr angesehener Komitatsdeputirter, der in Bezug auf den Vortrag eines Stadtdeputirten, der in der gestrigen Sitzung gesprochen hat, die gegen die Juden insgesammt angeführten Anschuldigungen und die Brandmarkung eines ganzen Volkes durch grundlose Anklagen mit dem Namen „bürgerliches Verbrechen" bezeichnete. Er bemerkte ferner mit Bezug auf einen gestrigen Vortrag, daß sich auch in der, für die reinste ausgegebenen Religion, Gebete und Bullen finden, die Haß gegen die Schismatiker und Ketzer athmen. Als vorzügliche Tugend der Juden führte er ihre Barmherzigkeit und ihren Wohlthatigkeitsstnn an, und fragte den Deputirten der Stadt Debrezin, ob er noch nie einen armen Christen mit einem reichern Almosen aus dem Hause eines Juden, als von der Schwelle vieler Christen Weggehen sah? — Die Verfolgung der Juden in den k. Fceistädten schrieb er vorzüglich dem Egoismus der Zünfte zu, der mit der Engherzigkeit und der Gewinnsucht mancher Beamten sich verbunden hat, welche die Juden auch ferner, wie bisher, wie eine Milchkuh benutzen und ihnen für Gulden und Dukaten geben wollen, was ihnen das Gesetz versagt. Diese hetzen die Bürger gegen die Juden auf, was nur zum Nachtheil der Erstem ausfällt, indem sie bei der Ausschließung der Juden von den Innungen nur verlieren, weil vermöge der Gesetze von 1840, Jeder, dec einige Gulden hat, um sich eine kleine Handlung zu errichten, eine solche auch eröffnen darf; der Jude, der also von dieser Befugniß Gebrauch macht und außer den Innungen und Zünften und deren Verbindlichkeiten steht, gereicht den Bürgern nur zum Schaden. Er sei kein Freund des Aufschiebens, setzte er fort, und sei bereit, den Juden sogleich auch in den Komitaten vollkommen gleiche Rechte mit den übrigen Nichtadeligen zu ertheilen. Von der Sittlichkeit der Juden, sagte ec ferner, hat er einen ganz andern und aus sicherem Ursprung geschöpften Begriff, als manche Redner der gestrigen und heutigen Sitzung, indem er es aus den kriminalstatistischen Tabellen weiß, daß unter den Verbrechern, nach Proportion der Bevölkerung berechnet, die wenigsten Juden sind. — Schon die Idee der Freiheit erheischt es, daß wir die Juden emanciplcen sollen, da derjenige sich nicht frei nennen darf, dec andere Menschen als Sklaven behandelt rc. Hierauf geschahen nun noch zahlreiche Erklärungen theils für, theils gegen die in Rede stehende Bestimmung. Ein Stadtdeputirtec bemerkte, es müßte den Städten Leid thun, wenn die Bestimmung angenommen würde, da ihnen dann nicht einmal der Trost bliebe, daß sie ebenfalls zur Emancipation der Juden beigetragen haben (sie!), da dieselbe zu einer Zeit geschieht, wo die Städte noch keinen entscheidenden Einfluß auf die Gesetzgebung haben. — Die Majorität beharrte auf der Annahme dec in Frage stehenden Bestimmung, in deren Sinne auch der k. Personal den Beschluß aussprach, demzufolge die Juden in den k. Freistädten Bürger werden können. — In der darauffolgenden Sitzung verlangten die Bergstädte von diesem Beschlüsse ausgeschlossen zu sein; aber dieses Verlangen fand entschiedene Entgegnung, und wurde der Beschluß ausgesprochen, daß unter dem gestrigen Beschluß auch die Bergstädte mit einbegriffen sind. — Von diesem Beschlüsse haben sich die Juden mehr zu versprechen, als von dem Emancipationsbeschlusse des vorigen Reichstages, indem eine etwaige Beanstandung von Seiten der Magnatentafel und der Regierung auch das ganze Städteoperat hemmen könnte. Es ist aber auch wohl dec k letzte Reichstag, wo die Juden wesentliche Verbesserungen j; erlangen können. Denn haben einmal die Städte einen l großem legislativen Einfluß erlangt, so wird ihn auch $ der Zunftgeist üben, der sich wohl lieber mit der Ausi schließung der Juden, als mit dem Beitrag zu deren I Emancipation „trösten" würde. f Pesth, 20. Febr. Folgendes Dokument hat gewiß des Interesses genug, um eine Stelle in Ihrem geschatzten Blatte zu verdienen*): „Bittschrift der Jsf raeliten Ungarns an die Stände. Jene edelf müthige Begeisterung für alle edlern Richtungen un-? seres Zeitalters, welche der herrschende Geist der rühms vollen Berathung des verflossenen Landtages war, leitete l auch die hohe Aufmerksamkeit Ihrer k. k. Hoheit rc. auf den traurigen bürgerlichen Zustand der Israeliten Ungarns.; Mit treuem Eifer für Menschen-Wohl und Rechte, und / mit wahrhaft edler Seele, weit erhaben über alle engherzigm Vorurtheile und Besorgnisse wurde diese Frage f blos aus dem Gesichtspunkt der heiligen Gerechtigkeit ' verhandelt und bestimmt. Die hochherzigen Stände Ungarns wollten den Israeliten dieses Landes keine Gnade, als vielmehr Gerechtigkeit angedeihen lassen. Gerechtigkeit! den seit Jahrhunderten Unterdrückten, und so; kam es, daß in dieser ewig denkwürdigen Aufschrift, wel- ■ che mit unauslöschlichen Buchstaben der Dankbarkeit in das Herz jedes Israeliten gegraben ist, dieses hoch beglückende Wort: „Emancipation" in seinem ganzen Umfange ausgesprochen wurde. Vom Gefühle des heißesten Dankes und der unverbrüchlichsten Treue fühlten sich die Israeliten des Landes durchdrungen, für Se. K. K. Hoheit und die Stände des Landes, die sich ihres - verlassenen Zustandes so großmüthig annahmen, und mit so vieler Gnade sich auszusprechen geruhten, so daß Sie das drückende Joch der unzähligen Ausschließungen und Beschränkungen, unter welchen die Bekenner *) Die Bittschrift war in ungarischer Sprache abgefaßt, und wurde von unserm Korrespondenten in's Deutsche übertragen. Ruch übergeben wir der Oeffentlichkelt blos einen Th eil der Bittschrift. D. Red.

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