Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1844)
- Date
- 1844-03-19
- Page
- Seite 91 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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91 erregt hier ein Artikel in der A. A. Z., der die Beschneidung vertheidigt. Königsberg, 1. März. Die Sammlungen für die Familie Jordan's ist auch von Seiten der hiesigen Juden nicht unbeachtet geblieben, indem dieselben bedeutende Beitrage geliefert haben. Hr. Menzel und Konsorten werden hierin nicht eine Demonstration des Mitgefühls, der Theilnahme an dem Unglücke der Jordan'- schen Famile sehen, sondern werden dies wahrscheinlich für die Folge eines judenjungen - hegel'schen Liberalismus betrachten. — Rühmenswert!) ist es, daß die hier bestehenden Vereine für Handlungsdiener keinen Unterschied der Konfession anerkennen. 15. Marz. Kur negativen Seite der Schelling'scheu Potenzenlehre gehört auch, daß 5pet't Schelling den Juden alle wissenschaftliche Potenz abspricht. Die Gelegenheit, bei welcher Hr. Sch. diese potenzirte Ansicht ausgesprochen, war folgende. Am Schlüsse einer Vorlesung sagte Hr. Sch., daß er bereit sei, alles dasjenige, was etwa seinen Zuhörern in dieser Vorlesung dunkel sein sollte, den folgenden Tag zu erklären, sofern die Zuhörer das ihnen Unverständliche und Dunkle auf einen Zettel schreiben und denselben aufs Katheder legen wollen. Zn dieser Vorlesung ward aber auch ein Bibelvers citirt und gedeutet. Ein jüdischer Hörer fand die Erklärung des Professors falsch, und benutzte die ertheilte Erlaubniß, um seine Argumente auf einen Zettel hinzuschreiben, den er auch auf's Katheder legte. Folgenden Tag erklärte Hr. Sch. in Gegenwart aller Zuhörer, daß er durch einen Zettel eines seiner steißigsten Schüler sich veranlaßt finde, die ausdrückliche Bemerkung zu machen, daß er einst Theologie studict und die Bibel in der Ursprache verstehe; wenn ihm daher die falsche Interpretation einer Bibelstelle vorgewocfen werde, so könne dies nicht auf Unkenntniß des Originals beruhen, sondern auf seiner eigenen Auffassung. Nachdem Hr. Sch. seine Exegese gerechtfertigt und einen Uebergang zur Fortsetzung der vorhergegangenen Vorlesung gemacht hatte, sagte er, so leid es ihm auch thue, müsse er dennoch behaupten, daß den Juden alle und jede Wissenschaftlichkeit abgesprochen werden müsse, und in diesem Tone wurde dann das Verdammungsurtheil über die jüdische Wissenschaft, über die Leistungen der Juden weiter motivirt. Einige wollen bemerkt haben, daß diese harte Verurtheilung von den christlichen Hörern sehr übel ausgenommen worden sei. — Wir wollen hier nicht darauf eingehen, den Urheber der Jdentitatsphilosophie, von der die deutlichsten Spuren in der jüdischen Gnosis, in der Kabbala zu finden sind, zu widerlegen —- dies werden wir schon am gehörigen Orte nachtragen —; soviel wollen wir blos bemerken, daß die Exegese des Herrn Schelling eine jüdische, eine talmudische, eine echt midraschische ist! Man höre nur folgende Stelle an: „In der Stelle des Alten Testaments, wo der Monotheismus ausdrücklich promulgirt wird: Jehovah unser Gott ist ein ewiger Jehovah, wird nicht umsonst zum zweiten Male das Wort Jehovah wiederholt, statt daß bloß hätte gesagt werden können: Jehovah unser Gott ist Einer. Die Wiederholung will sagen, daß Gott als Gott, d. i. seiner Gottheit nach, nur Einer ist, eine Einheit, die aber die Mehrheit, den Prozeß der Potenzen, durch welche erst Gott ein lebendiger Gott ist, keineswegs ausschließt." (Frauenstadt, Schelling's Vorlesungen in Berlin rc., S. 83.) Ist dieses Urgiren, diese Deutungsweise nicht ganz nach talmudischer, midraschischer Manier'^ Und doch sind die Juden nicht wissenschaftlich, können sie nicht, in die Tiefen der wahren Wissenschaft sich versenken! Nein, von Potenzen weiß das Judenthum nichts, so wenig das Urchristenthum sie kennt. J. Oesterreich. PreßbuvA, 13. Febr. So eben erhalte ich die hiesige Zeitung, wo die reichstäglichen Verhandlungen über die Bestimmung im Stadteoperat, wonach auch Juden in den kön. Freistädten Bürger werden können, im Auszuge mitgetheilt werden, und ich beeile mich, Ihnen das Bemerkenswerthere daraus und den erfreulichen Beschluß mitzutheilen. — Nachdem in der vorigen Sitzung der Deputirte der Stadt Debrezin einen Unsinn und eine Böswilligkeit an den Tag legte, deren sich in Deutschland der ärgste Judenfeind schämen würde, und sich noch Andere gegen die Emancipation erklärten, erössnete der k. Personal die folgende Sitzung mit dem Vorschläge, die Verhandlung des Bürgerrechts der Juden in den kön. Freistädten bis dahin aufzuschieben, wo die Emancipation der Juden überhaupt selbstständig zur Sprache kommen wird. Mehre Deputirte erklärten sich bereit, diesen Vorschlag anzunehmen; andere hingegen bestanden darauf, allenfalls das Princip der Emancipation bei dieser Gelegenheit auszusprechen, selbst wenn sie sicher wüßten, daß die allgemeine Emancipation zur Zeit die Majorität für sich haben wird. Ueberhaupt zeichnete sich diese Sitzung durch viele bedeutende Vorträge zu Gunsten der Juden aus. — -— Auf die Provokation des Stadtdepulirten auf die mündlichen Mittheilungen des Moritz Bloch, bemerkte ein Redner, daß den Behauptungen dieses Menschen *) umsoweniger zu trauen ist, als derselbe ein getaufter Jude ist, und die Renegaten gewöhnlich die größten Feinde der von ihnen verlassenen Religion sind, und also in dieser Beziehung keinen Glauben verdienen. Ein anderer Redner rügte an den Gegnern der Emancipation *) Als er noch dem Namen nach Jude war, erklärte er in einem Schriftchm sich bereit, alle ethischen Lehren der Evangelien im Lalmud nachzuweisen. Wozu sind diese Herren nicht alles bereit! D. Einst 12 *