Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1844
- Issue
- 11 (12.3.1844)
- Date
- 1844-03-12
- Page
- Spalte 171-172 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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171 Kritiken. Kurze Anzeigen. 172 welches sich auf der hiesigen Rathsbibliothek findet, mitzutheilen. Daß ich diesem Versprechen bis jetzt nicht nachgekommen, hat seinen Grund darin, daß das ganze Fragment mit den nöthigen Erläuterungen und Bemerkungen für ein deutsches Wochenblatt zu umfangreich.'schien-. Um aber dennoch dem Leser eine Anschauung von dieser Uebersetzung zu geben, habe ich nachstehende Stelle, welche den Scha'ar ha-Teschuba beschließt und am Charakteristischsten die Eigenthümlichkeit dieser Uebersetzung zu zeigen in Stande ist, zur Mittheilung hervorgehoben. Diese Stelle allein wird hinreichen, um die Leser zu überzeugen, daß während die Tibbon'sche Uebers. servil, arabisirend und ungelenkig ist, die Kimchi'sche eine freie Bewegung und Eleganz im hebräischen Ausdrucke auszeichnet. Diese Stelle lautet: ’mm -jbpinb 'o (* 2">nnmm ’-od '03’ bxi bxb rnia'i noNn Tnb hdji rranb pi run n\s-i ib npn xbi rfotyn yiiNi'ynty lüiDD nt ’D dhd nobn s-bi cts'so by LS’bunnon ü’xnDnD bNn. iw'V' .njnn ■non cna -nsw ronnoi navi cninonDV wsb D’baipanm imuyb -mob D'nniNno .remai nora ru'jn A. Ink. Literarische Nachrichten und Miseellen. Notiz im Talmud über die jonische Einwanderung in Italien aus Kleinasten.') Um das Gericht Gottes über die Vergehen des israel. Volks deutlich darzustellen, wohl auch zu rechtfertigen, wird im Talmud (Sabbat 55 b, Sanhedrin 21 5) folgende Notiz gegeben: „Zur Zeit als König Salomo die Tochter Farao's freiete, ließ sich (der Engel) Gabriel nieder, und steckte ein Rohr ins Meer. An dieses setzte sich Erde an und darauf wurde eine große Stadt gebaut. In einer Mtnita wurde gelehrt : Am selbigen Tage da Ierobeam die beiden goldnen Kälber einführte, eines in Bet-El, das andere zu Dan, wurde eine Hütte gebaut, und sie wurde das Italien Joniens". Wer die hyperbolische Tibbon in ihren Vorreden ausdrücklich sagen, .min entspricht hier dem arabischen (bei Munk, Notice sur R. Saadia etc., S. 4), und kann daher nicht mit Fürstenthal mit „Lehre", sondern muß mit „Anleitung" übersetzt werden. 2) Vergleicht man diesen Satz mit der Tibbon'schen Uebers., so sieht man wie servil(-pbyTDV hier zierlicher und arabisirend (in der Konstruktion) sie ist. '3) Dieser Satz ist bei Tibbon ganz arabisch; ‘pnirp (0^^ II. mit der Präpos. lj), njÄOD (yljz — Uebrigens wird der Leser bemerken, daß K. Sätze zusammenzieht, während T. knechtisch dem Originale folgt. ’) Zeitschr. für Geschichtswissenschaft, H. 2, S. 192. bilderreiche Darstellung des Talmuds kennt, wird wissen, daß hier von einer Einwanderung die Rede ist. Und die ungefähre Zeit deutet auf jene hin, deren die Mythe in Folge der Zerstörung Troja's erwähnt. Die Verheirathung Salomo's mit der Tochter des egyptischen Königs trifft ungefähr zwischen das Jahr 1018 und 1015 v. Ehr. (ck. 1 Reg. 3, 1) die Einführung des Kälberdiensts ungefähr um das Jahr 978 v. Ehr. Es scheint also auf das Emporblühen dieser Einwanderung und auf das Mächtigwerden derselben hinzuweisen. Vielleicht, daß damit besonders die Erbauung Larinium's und Albr's bezeichnet ist, nach Diokles Peparetheus, der den Rabbinen bekannt gewesen sein mag, wenn auch die Zeit, aus Mangel einer genauen Chronologie, nicht so ganz übereinstimmt. Kurze Anzeigen. 12) Ci\ Eine vollständige israelitische Konfirmationshandlung am Schebuot-Feste von Isaak Löwenstein, israelitischem Rtligionslehrer und Prediger zu Heddernheim. Frankfurt a. M., 1843. 8. Bach'sche Buch- und Steindruckerei. Vorliegende Konfirmationsschrift, die 1) eine Predigt über 4. B. M. 26, 28, 2) einen Leitfaden zum Konsirmanden- Unterricht, 3) Anreden und Ermahnungen an die Konfirmanden, 4) drei deutsche Konfirmations-Lieder in vierstimmigen Choral-Melodien und zwei ebenfalls vierstimmige Choräle zu. dem Synagogenliede „Jigdal" und zum hebr. Texte des Ps. 150, enthält, verdient wegen des tiefreligiösen Gefühles, das in ihr weht und der methodischen Anordnung des Leitfadens zum Konfirmanden-Unterricht, den Religionslehrern auf's Beste empfohlen zu werden. A. I. 13) Der Juden Sache ist unsre Sache. Zweite Diversion im Kampfe für Recht und Wahrheit von Friedrich Clemens. Hamburg, 1843. 8. B. S. Berendsohn. Der Verf. — der bereits vor zehn Jahren für die Sache der Juden in die Schranken getreten ist — erscheint so begeistert für die Rechte derselben, daß er unter die wärmsten Freunde und Kämpfer der Iudenemaneipation mit Recht gezählt werden kann. Allein dieser Enthusiasmus für unsere Angelegenheit darf die Kritik nicht bestechen. Der Verf. theilt nämlich mit vielen Vorkämpfern für die Gleichstellung der Juden einen falschen Standpunkt: er geht vom Naturrechte aus. Natürlich muß er es befremdend finden, daß die Taufe nicht blos in den Schooß der Kirche, sondern auch in das Bürgerthum einführt. Dieser Umstand hat aber für uns nichts Befremdendes. Denn nach uns ist das punctum saliens im Emancipationskampfe der christliche Staat. Ein Staat, der als ein „christlicher" sich ankündigt und kon-