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Der Orient · 1844-03-12 · Heft 11 (12.3.1844) · p. Seite 85

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 11 (12.3.1844)
Date
1844-03-12
Page
Seite 85 (sequence 9)
Language
German
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85 neuer Kräfte, die demselben einen Aufschwung zu geben vermögen, und wer als die Juden wären im Stande, den Handel zu heben und Ungarn neue Kräfte zuzuführen? Es müßten denn die Juden tiefer als die deutschen Auswanderer stehen, eine andere Menschengattung sein, denen Gefahren für das Land auf dem Fuß folgen, was doch schwerlich der Voructheilsfreie zu behaupten wagen wird. Hat Ungarn Raum genug für Deutsche, so können auch die Juden aus den österreichischen Erblandern immerhin einwandern. Preßhurg, 15. Februar. In der 98« Reichstagssitzung wurde nach einer lungern Debatte von Sr. Exc. dem kön. Personal der Beschluß ausgesprochen, dem zu Folge die Juden in den königl. Freistad ten Bürger werden können*). — Die „Pannonia" berichtet: In Groß-Kallo ist vor Kurzem ein lläjähriger Israelit gestorben«. Sein ältester lebender Sohn ist 89 Jahre alt. Die Zahl seiner Enkel und Urenkel beträgt 400, obgleich der Tod vor mehren Jahren einen beträchtlichen Theil hinraffte, was der alte Familienvater für eine Strafe Gottes ansah, womit er dafür heimgesucht wurde, weil er einmal seine ganze Familie zu einem Gastmal versammelte und die Häupter zahlte Er hatte damals über 200 Enkel und Urenkel. Moldau und Walachei. . Jassy, 18. Februar. Es ist bereits mehrmals von dem Raube eines Judenkindes die Rede gewesen, welches hier gegen den Willen seiner Mutter getauft und in ein Kloster gesteckt worden. Diese Sache hat endlich einen günstigen Erfolg gehabt, indem dem Kurator des abwesenden Vaters folgende Uebersetzung einer Note an den preuß. Generalkonsul Ritter Neigeb aur nachrichtlich zugestellt worden ist: „Das Staatssekretariat beehrt sich, auf die Note des Herrn Generalkonsuls Nr. 1652 im Aufträge Sr. Durchlaucht des regierenden Fürsten zu erwidern, daß, obwohl das nach den Satzungen der morgenländischen Kirche getaufte Kind der Feige Mandelbaum nicht wieder zurückgegeben werden sollte, dennoch, um dem Herrn Generalkonsul einen neuen Beweis von Bereitwilligkeit und des herrschenden guten Einverständnisses, welches fortwährend gewünscht wird, zu geben, anbefohlen worden ist, daß das Kind der Mandelbaum einem Kurator übergeben werde. Zugleich ersucht der unterfertigte Staatssekretär, diesen Kurator dahin anzeigen zu wollen, damit ihm das Kind übergeben werden könne rc. Jassy, 16. Januar 1844. Theodor B alt sch. D.A. I. Ausführliches über die Debatten werden wir nächstens mittheilen. D. K. Nordamerika. Birmingham, 1. Januar. Der 19. August 1843 war ein fröhlicher Tag für die Juden in Birmingham. Es wurde nämlich der Grundstein zu einer hebräischen Nationalschule für die jüdischen Kinder dieser Stadt gelegt. Eine Menge von Juden und Christen fand sich zu dieser Feierlichkeit ein, unter denen auch Sic Moses Monte fiore war, der den Grundstein legte. Bei dem Diner, das nach beendigten Feierlichfetten gegeben ward, wurden zum Besten der Schule Geschenke versprochen, die sich über hundert Pfund belaufen. The Occident St. Thomas, 1. Januar. Am 13. August v. I. fand in der hiesigen Synagoge, in Gegenwart einer zahlreichen Versammlung, worunter auch mehre achtbare Christen, die erste Prüfung an der Sonntagsschule statt. Die Zahl der Schüler, welche gegenwärtig den Unterricht an dieser Schule genießen, ist 63, von denen 52 geprüft wurden. Die Prüfung fiel zur allgemeinen Zufriedenheit aus. The Occident Meu-Keleans, 1. Jan. Dem Gotte Israels werden auch in der neuen Welt zahlreiche Gotteshäuser erbaut. In der hiesigen Stadt, die über hundert und fünfundzwanzig jüdische Familien zahlt, und in der bis jetzt noch keine Synagoge war, soll bald eine errichtet werden. Im „Occident" fordern einige Männer im Namen der hiesigen jüdischen Gemeinde zur Unterstützung des Baues auf. Die Juden in Ungarn. Eine Skizze. (Fortsetzung.) Gesprochen wird allgemein die deutsche Sprache, mit der polnischen Betonung und einem Beisatz vieler, fremden Sprachen entlehnter, theils auch neugeschaffencr Ausdrücke, und dem unserem^ wärmeren Blur natürlichen Geberdespiel. Doch unterscheiden sich die südlicheren Gegenden auch hierin, da dort ein viel reineres und verständlicheres Deutsch gehört wird, ausgenommen Pesth und Arad, wo die Sucht wienerisch zu sprechen einen wahren Katzenjammer von Sprache erzeugt hat, hingegen in der Fähigkeit ungarisch und mit dem gehörigen Anstande zu sprechen, haben auch unsere Stammgenoffen Überlegenheit vor dem anderen nicht ungarischen Bestandtheile unserer Nation. Wo sie unter Ungaren wohnen, sprechen ihre Kinder bis in das sechste, siebente Jahr ausschließlich ungarisch. Die jüdischen Dörfler haben eine unübertreffliche Geläufigkeit in schönen Ausdrücken, was auch der gemeinste. Ungar besitzt und wünscht Daher ist auch das

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