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Der Orient · 1844-03-12 · Heft 11 (12.3.1844) · p. Seite 83

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 11 (12.3.1844)
Date
1844-03-12
Page
Seite 83 (sequence 5)
Language
German
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Gerichtsbehörden zu privatem Gebrauche mitgetheilt zu werden, werde das Buch öffentlich verkauft und gerathe in die Hände der Gauner selbst, die einzelne Erzählungen daraus sogar dramatisch bearbeitet und scenisch dargestellt hatten. — In Glogau (über 10,000 Einwohner) wohnen 98L Juden. — Der Frankfurter Resormverein sendet seine Emiffäre nach allen Städten, wo nur ein Blatt erscheint, hin. So stimmt ec in der Bremer Zeitung ein Halleluja (der Reformverein verzeihe uns diesen Ausdruck) über die Antwort des Senats auf die Eingabe des Rabbiners Trier an und schmeichelt sich, daß der Verein doch bald numerisch wachsen werde. Die Kurzsichtigkeit der Reformprojektmacher geht so weit, daß sie nicht einsehen, daß andere Männer, mit geistigern Waffen ausgerüstet, eine durchgreifende Reform im Judenthum zu bewirken im Stande waren. — Die Milderung des Ukases, spricht man hier allgemein, ist durch die Vermittelung des Königs von Preußen und des Großherzogs von Hessen zu Stande gekommen. — Daß Prof. Biedermann und die andern Herren in Leipzig sich, zwar nicht von der guten Sache, vom Emancipationsverein, aber von der Person des Dr. F. losgesagt haben, werden Sie wohl dus der D. A. A ersehen haben. — So sehr der von Dr. Philippson in Magdeburg projektirte Literaturverein mit Freuden hier begrüßt wurde, eben so sehr wundert man sich, daß er jetzt, wie es scheint, bei Seite gelegt wurde. Und doch ist dieser Gegenstand weit wichtiger, als die jährliche Rabbinerversammlung. Uebrigens komme ich auf den Literaturverein in meiner nächsten Mittheilung wieder zurück. Köthen, 8. Marz. Auch in unserer Stadt gerieth der christliche Partikularismus mit der allumfassenden Humanitat in einen Kampf. Vier Männer sammelten nämlich Unterschriften zu einer Kinderbewahranstalt. In der berathenden Versammlung wollten sie darauf dringen, daß die Juden, obwohl sie reichlich beigesteuert, ausgeschlossen bleiben sollten, was aber die höchste Indignation erregte und verworfen wurde. Auch wurden jene Vier vom Vorstande sogleich ausgeschlossen. Bom Feöerfee, im Jan. Wenn Korrespondent A. unterm 16. v. I. in Nr. 39 dieses Blattes behauptet: „Daß unsre würtembergische Zeitschriften-Literatur mit Schulprüfungsberichten, Konsirmationssestlichkeiten und sonstigem ceremoniellen Prunk ausgespickt sind", st möchte ich dies fast in Abrede stellen, indem solches schwerlich in einem Lande weniger ausposaunt wird, als bei uns, wo seit Jahren her das israel. Schul- und; Kirchenwesen so ziemlich geordnet ist und meistens seinen vorgezeichneten Gang geht, woher es denn auch kommen umg, daß über die innere Einrichtung der Schulen, über ' Methode rc. ein so allgemeines Schweigen herrscht, wovon ein weiterer Grund auch darin zu suchen sein dürfte, baß die meisten israel. Schullehrer Würtembergs zugleich Vorsänger sind und außer der Schule von kirchlichen Geschäften, u. A. durch Abhalten von religiösen Vorträgen, zu sehr in Anspruch genommen werden, als daß sie sich mit Schulberichten viel befassen könnten, wenn sie auf der Warte der Zeit auch noch so sehr das Bessere belauschen und selbst erforschen, um ihr Saatfeld darnach zu bestellen. Jenes Schweigen nun einigermaßen zu brechen, beabsichtigen nachstehende Zeilen: Das Verfahren beim hebräischen Unterricht betreffend, das hier, wie überall in der Elementarschule, so viele Schwierigkeiten darbietet, so wie einige Bemerkungen über jüdische Geschichte zu geben. Bekanntlich sind die israel. Schulen Würtembergs zur Zeit noch den beiden christl. Ober-Schulbehörden, dem Kön. evangel. Konsistorium und dem Kön. kathol. Kirchenrathe und den diesen nachgefetzten Stellen untergeordnet, je nachdem Protestanten oder Katholiken die Haupt-Einwohnerzahl der betreffenden isr. Orte bilden. Ungeachtet sich nun die israel. Schulen im Allgemeinen (wie dies öffentlich anerkannt ist), die höchste Zufriedenheit ihrer Vorgesetzten zu erfreuen haben und sich trotz ihres doppelten Geschäfts, in jeder Beziehung, mit den christl.- zu messen im Stande sind; so hat es, wegen Betreibung des hebräischen Unterrichts doch schon manche Konflikte gegeben, zwischen den christl. Schulenaufsehern und den israel. Kirchenvorstehern, ja sogar zwischen den Lehrern und deren Gemeinden, indem die Einen den gedoppelten Unterricht im Hebräischen und Deutschen nach deren verfchiednen Zweigen für die zarten Schößlinge dieser Pflanzstätten entweder zu beschwerlich hielten, oder von der häusigern Betreibung des erstern für letzteren Nachtheile befürchteten; wahrend manchem Rabbinen und vielen Gemeindemitgliedern nicht genug Hebräisch vorgenommen werden konnte» Dies hat daher die Aufmerksamkeit der diesseitigen Ober-Schulbebörde (d. Kathol. Kirchenraths) erregt und schon im Marz 1834 nachstehenden Erlaß zur Folge gehabt: „Dem katholischen Kirchenrathe ist zur Kemttniß gekommen, daß in den israel. Schulen mehre zusammengehorende Theile des hebräischen Sprach- und Religions-Unterrichts getrennt, zu besondern Lehrpenfen erhoben und in Folge dessen zum Nachtheil der Elementar- Lehrgegenstände zu viele Zeit aus dieselbe verwendet werde. Um nun auch hierin durch Vereinfachung des Lehrplans nicht nur eine Zeitersparniß, sondern auch bessere Fortschritte zu bewirken, wird hiermit für sämmtl. dem Schul-Jnspekrorate untergebene, Israel. Schulen verordnet: 1) Die Anweisung über die Verrichtung der Gebete und die Kenntniß der verschiedenen Segenssormeln ist mit dem Unterrichte der Religion zu verbinden. 2) Zum Uebersetzen aus dem Hebräischen in das Deutsche sind die geeigneten Abschnitte des alten Testaments nach der Abstufung vom Leichtern zum Schwerem auszuwählen. 11*

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