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Der Orient · 1844-03-05 · 10 (5.3.1844) · p. Spalte 157-158

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Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
10 (5.3.1844)
Date
1844-03-05
Page
Spalte 157-158 (sequence 7)
Language
German
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157 Kritiken. Kurze Anzeigen. 158 im Vorworte^ daß der erste Sporn zu seinen Untersuchungen aus dem unmittelbaren Beobachten während seines dreijährigen Aufenthalts zu Warschau entsprungen, wozu das Streben sich gesellte, Vorschläge zur Verhütung der dabei vorkommenden Gefahren zu veröffentlichten, und durch Vereinigung der alterthümlichen Forschungen mit den Anforderungen der Gegenwart hat in der Lhat das Werk einen Standpunkt gewonnen, der es als das beste bezeichnet, das bis jetzt auf diesem Gebiete erschienen ist. Um dem Leser einen ungefähren Einblick in dieses große Werk zu verschaffen, gebe ich hier, so weit der Raum einer kurzen Anzeige es zuläßt, eine genaue Uebersicht desselben, -herzlich wünschend, daß die Leser dieser Anzeige zur eigenen Selbstbelehrung über einen so hochwichtigen Gegenstand des Mosaismus die geringe Ausgabe zur Anschaffung des Werkes nicht scheuen mögen. Das Werk zerfällt in drei Kapitel, von welchen das erste den historischen A bschnitt, oder die Geschichte der Beschneidung, das zweite den kritischen Abschnitt, oder die Erklärungsweisen der Beschneidung und das dritte den medieinischen Abschnitt, die Operation der Beschneidung behandelt, und in jedem dieser Abschnitte zerfällt das Thema wieder in verschiedene Paragraphe, je nachdem der reiche Stoff getheilc werden muß. Was den ersten Abschnitt, die Geschichte der Beschneidung anlangt, so bespricht der Vers, zuerst (§. 1) die biblischen Geschichtsquellen mit Beziehung auf die klassischen Schriftsteller, so weit sie die biblischen Angaben erläutern. Was bei düser Gelegenheit von Chat an Da mim S. 8. Anm. 4 (nicht Chasan Damim, wie es dort heißt; eben so heißt es da Esra anstatt Jbn-Esra) gesagt wird, hätte aus LB. d. Or. Ig. 1840, S. 270 erweitert werden können. Uebrigens heißt pH (vgl. pp Concord. 0 o •'* s. v.; abschneiden (arabisch mindern, kürzen, Abschneidung), dah. pH eig. Beschnittener, und da bei den heidnischen Arabern die Beschneidung erst im Jünglingsalter vorgenommen wurde, und diese der Verheirathung vorausgehen mußte, so entstand die andere Bedeutung. Das CpH (Et. 4, 25) heißt wie oft; Leben, Lebensgefahr, und Chatan Damim das. nichts Anderes als „der Beschnittene mit Lebensgefahr^. Zu den biblischen Quellen rechnet der Vers, die Bücher der Makkabäer in Betreff des Epispasmus mit Zuziehung des Celsus, Galen u. s. w., worüber ich mit ihm nicht rechten möchte, obgleich diese mit der Mischna einen eigenen (den 2.) Paragraphen hätten bilden sollen. Von den biblischen Quellen kommt der Verf. zu den Quellen aus den profanen Schriftstellern des Alterthums, namentlich zu denen der Griechen (Hcrodot, Hippokrates, Diodor von Sicilien, Srrabo) und Römern (Horaz, Iuvenal, Tacitus, Martini), aber den Losephus hätte der Verf., obgleich er mir Herodvt übereinstinunt, mit den Büchern der Makkabäer verbinden sollen, wie überhaupt auch hier Philo nicht hätte fehlen sollen, da!Line symbolische Auffassung der Beschneidung auch manches Historische enthält. Apokryphen, Philo, Iosephus und die Mischna hätten §. 2 bilden sollen und die Klassiker §. 3, so daß! eine strengere Sonderung der historischen Data erzielt worden wäre. Hierauf folgt (§.3) die römische Gesetzgebung; aber schon vorher hatten: „die talmudischen religiösen Vorschriften in den ersten 5 Jahrhunderten" in einem besonder» § dargestellt werden sollen, was übrigens mit den mittelalterlichen Bestimmungen der Kasuisten nicht konfundirt werden darf, obgleich diese ihre Ansichten nur aus jenen schöpften. Daß aber der Talmud, was durch seine Bedeutung bei den Reformen des Iudenthums gewiß auch Niemand leugnen wird, für eine ganz besondere Betrachtung nicht unwichtig wäre, will ich hier nur an einem Beispiele Nachweisen. Es ist hinlänglich bekannt, wie die moderne Orthodoxie, die freilich in vielen Beziehungen verknöchert ist, sich sträubt, dem Wunsche der Reformisten, daß nur ein Arzt die Beschneidung vornehmen solle, mit dem Talmud und den Rabbinen widerstehen; nun heißt es aber Sanhedrin 17 b (Ende): -y>y irb ’Ntm non “robn i’N Mn nnm mtyy nt jw 'Di |DtNt asn;n Mi nmrn, wo unter Nsn auch zugleich der Beschneider verstanden wird, da ein solcher nur ein Arzt ist, wie schon Raschi daselbst erklärt: dk ‘TID1? NDD arm Eben so sagt Raschi Aboda Sara 26 b ,-q p^ “vy b'iüb jnw i>iO^ NDD und zu Sabbat 134 a, wo es (auch in der Gemara) heißt, daß man nach einem geschickten Arzte streben soll, der die Beschneidung verrichtet (vgl. pt^y jfeö Hj). In dieser Weise würden wir aus den Talmuden oft Reformen herleiten können, woran die jetzige Orthodoxie kaum denkt und eine Durchnahme sämmtlicher dahingehörigen Stellen in einem besondern § wäre gewiß sehr erwünscht. Sehr lehrreich ist §. 4 über die talmudischen Bestimmungen während des Mittelalters, und was die neuesten Gesctzbestimmungen über Beschneidung anlangt, so habe ich deren bereits erwähnt, nur ist es mir höchst unwahrscheinlich, daß andere Staaten darüber keine Gesetze erlassen haben sollten. Wenn wir aber auch dem historischen Abschnitte nicht überall unseren Beifall zollen können, da wir theils in der Anordnung, theils inderSchärfe der historischen Auffassung gar Manches anders gewünscht, so müssen wir dem kritischen Abschnitte unsere ungetheilte Zustimmung geben. In diesem werden nämlich die Erklärungsweisen der Beschneidung mit umfassender Gelehrsamkeit und großer Klarheit dargestellt, ohne deshalb in die gelehrte Weitschweifigkeit zu verfallen. Der Reihe nach werden in gesonderten Paragraphen sämmtliche bekanntgewordene Auffassungen, die religiöse, symbolische, diätetische, politische, mythologische, strategische und ethnographische in 6 §§. anschaulich dem Leser vorgeführt und zum Schluffe die Entwickelung der Aufassungsweisen beschrieben. Die neuesten Debatten, den Reform-Verein in Franks, a. M. betreffend, bilden dm Anhang. Auffallend stellt sich aus diesem Abschnitte dar, daß fast alle Auffassungsweisen ebenfalls von Juden repräsentirt werden. Der dritte Abschnitt, der medicinische, beschäftigt sich mit der Operation der Beschneidung, wo in §. 1 die Beschreibung des bisher üblichen Verfahrens; 2. rabbinische Rechtfertigungsversuche für das übliche

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