Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1844-03-05 · 10 (5.3.1844) · p. Spalte 155-156

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
10 (5.3.1844)
Date
1844-03-05
Page
Spalte 155-156 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/8555529-9890798-9890808--3459-3530142
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

155 Kritiken. Kurze Anzeigen. 156 der Berichtigung. Und doch scheint er durch die Wahrheitsliebe, die überall in seinen Schriften hervorleuchtet, einer der ausgezeichnetsten Männer der französischen Schule zu sein. In dieser seiner Wahrheitsliebe scheut er auch oft die Autorität des Talmuds nicht und widerspricht besten Logik geradezu ^vgl. ha - Maor Sabb. 54 a, ed. Wien), was ihm denn der stets schlagfertige Nachmani (Ramban) nicht ungeahndet hingehen läßt. Er klagt öfter über die zu große Autorität der Alfasischen Schriften, als wären sie aus Gottes Munde gekommen (vgl. Sabb. 12 b). Bei aller seiner schonungslosen Kritik laßt er aber den Persönlichkeiten volle Gerechtigkeit widerfahren, und er schließt häufig mit der Bemerkung: „Unsre hochzuverehrcnden Lehrer sind zwar andrer Meinung, aber ich schrieb nur, was mir als wahr erschien." Bon einem ganz entgegengesetzten Geiste ließ sich sein Gegner, der sonst vortreffliche Nachmani (Ramban) leiten; ihm war es hier wenig um die Wahrheit, sondern hauptsächlich um die grenzenlose Autorität der Alfasischen Schriften zu thun, und um sie noch mehr zu befestigen, glaubte er auch die Person des R. Serachja angreifen zu müssen. Er that dies aber auf die unanständigste Weife, fügte sylbenstechend seine beißenden Bemerkungen an Dinge, die gar nicht zur Untersuchung gehören, wie sich weiter Beispiele zeigen werden, und dies muß um so mehr gemisbilligt werden, als er dieselben Alfasischen Schriften gegen die schwachen Angriffe des Abraham b. David mit der tiefsten Ehrfurcht gegen diesen und dach mit weit glückticherm Erfolge vertheidigt. Auch hat Nachmani (Ramban) nachher die Unschicklichkeit seines. Verfahrens eingesehen, wie er in der Vorrede gesteht, und ließ in dem übrigen Theil seiner Milchamot davon ab. Doch verfiel er auch da in seiner Autoritätsbefangenheit in Spitzfindigkeiten aller Art. Er gesteht dies übrigens oft selbst ein, so z. B. Ketubot 112a: n'S OTWD nn nnn WNvpnu uw -nzrin pmi ‘p't ot du D'WNnn DiDD I N. Serachja ha -Lewi verfaßte noch andere Schriften, und zwar 1) '□ (Schebuot 290 b); 2) tOSH IpO (Baba Kamma 43 b, Milch.); 3) ^"(Baba Mezia 122 b), worauf Nachmani, den Balken im eignen Auge übersehend, den Bibelvers: anwendet. 4) Chulin 256 a citirt er sein Werk, das er nach der Form des Maimunischen Zad Chasaka abgefaßt zu haben schien, denn er citirt daraus Hilch ot S ch echita (Chulin 256 a) und Hi lch o t Bed.ika (265 b). Von allen diesen Schriften weiß ich übrigens nicht, ob sie noch jetzt existiren; auch erinnere ich mich nicht, sie von andern Gelehrten angeführt gesehen zu haben. — Sein Vater, R. Jizchak, war ebenfalls ein Gelehrter; es. wird von ihm ein Werk: Megillat ha-Nechama citirt (Baba Mezia 130 b), worüber Nachmani sagt, daß es nur mit nichtigen Tröstungen vertröstet j Auch seinen Bruder R. Berachja (b. Jizchak ha-Lewi) citirt er oft (z. B. Gittin 152 b). Iuchasin, Schem ha - Gedol. und von diesen * verleitet, auch .unser Geschichtschreiber geben dem R. Serachja den R. Mose ha - Darschan zum Lehrer, was schon Hr. Rapaport (Biographie d. R. Natan, Anm. 17) als falsch erwiesen. R. Ser. giebt aber ausdrücklich (Chul. 257 a) als seinen Lehrer, den R. Mose b. R. Josef.— vielleicht derselbe, der in Iuchasin unter den Schülern des N. Mose ha- Darschan aufgezählt wird — an. Eben so falsch ist die Angabe des genannten Historikers, daß R. Efrajim, Schüler des Alfasi, diesen gegen unfern R. Ser. in Schutz genommen habe, da R. Ser. häufig den R« Efrajim citirt *), und zwar stets mit ja, R. Ser. vertheidigt oft den Alfasi gegen die Angriffe des R. Efrajim. — Seine Schriften zeichnen sich auch in Reinheit der Sprache aus und zeugen auch von seiner Bekanntschaft mit andern Wissenschaften, haben jedoch mehr nur in literarhistorischer Beziehung einigen Werth. — Irgendwo (die Stelle kann ich jetzt nicht finden, werde sie aber nachträglich angeben) klagt er über harte Verfolgungen von Außen, die ihn unstät machen. B. Mauksch. Kurze Anzeigen. 10) Die Beschneidung vom historischen, kritischen und medicinischen Standpunkt. Mit Bezug auf die neuesten Debatten und Resormvorschläge. Von Dr. Josef Bergson, Arzt in Berlin. Mit einer.Steindrucktafel. Berlin, 1844. 8. Th. Scherk. XVI. und S. 143. Nach dem Zusatze auf dem Titclblatte könnte man fast vermuthen, daß diese umfangreiche und gelehrte Schrift entweder, wie die des Bar Amithai, im Dienste des Reform- Vereins, oder, wie die so eben erschienenen rabbinischen Gutachten über die Beschneidungsfrage von S. Trier in Franks, a. M., als Apologetik der Befchneidungsfreunde, erschienen sei, und doch ist beides nicht der Fall, wie die Leser desLB's von den Jahren 1841 und 1842, wo in 20 Nummern der historische und kritische Theil vorläufig mitgetheilt wurde, sich leicht überzeugen können. Es ist aber sehr dankenswerth, daß Hr^B. seine archäologischen und kritischen Untersuchungen mit den Fragen in der Gegenwart in Verbindung gesetzt und theils die in dieses Gebiet einschlagenden Reskripte in Preußen, Darmstadt und Frankfurt a» M., theils die neuesten Debatten in Betreff des Reformvereins in die Darstellung verflochten; denn wenn auch die Aufgaben der Alterthumsforschungen durch tiefes und kritisches Eindringen und Sichversetzen in das Alterthum am Würdigsten gelöst werden können, so muß doch jede Forschung zugleich Wurzeln für das gegenwärrkge Leben schlagen, wenn das Studium nicht ein Todtes und Einflußloses sein soll, zumal bei einer Aufgabe wie die Beschneidung, wo dieser Gegenstand des höchsten Alterthums in der Gegenwart noch wie ehemals im jüdischen Volke den breitesten Boden hat. Der Vers, erklärt auch ausdrücklich *) Vgl. z. B. Baba Kamma 21 b.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.