Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1844
- Issue
- 10 (5.3.1844)
- Date
- 1844-03-05
- Page
- Spalte 151-152 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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152 Studien« Zur Geographie des Talmuds. 15t lei Wohlgerüchen des GewürMndlers (-2N npDN)"/ laß uns ferner hören deine Stimme, denn süß ist deine Sprache und nur Wahrheit verkünden deine Lippen. Raphael Kirchheim. Zur Geographie des Talmuds. Eine Erläuterung der geographischen Stellen im Talmud dürste nicht wenig zur Kunde seiner geographischen Kenntnisse beitragen, und keinen geringen Beitrag zu einer literarhistorischen Untersuchung, jene Zeit betreffend, liefern, so daß wir hoffen dürfen, die Erklärungsversuche, die wir in einzelnen Artikeln geben wollen, würden den Lesern dieses Blattes nicht unwillkommen sein, und den Forschern in diesem Gebiete einige Erleichterung und manche Anregung gewähren, und wir wollen nicht anstehen, sie hiermit der öffentlichen Prüfung zu übergeben. Im Traktat Ioma S. JOa, findet sich eine Erläuterung der in Genes. 10,2 vorkommenden Namen und Benennungen, die viele Schwierigkeiten bietet, und mit deren Lösung wir hier den Anfang machen wollen. Als die Söhne Iefet's, des Sohnes Noach's werden genannt: Gomer, Magog, Madai, Iawan, Tubal, Meschech undTiras, und der Talmud versucht diese Namen in seine Erdcharte unterzubringen. Es schien ihm aber, nach seinen geographischen Kenntnissen, die Anführung dieser Namen sehr befremdend, und er erläutert sie darum, wie folgt: Gomer sei Germania, Magog Kandia, Madai Macedonien, Iawan nach der Bedeutung (dem gewöhnlichen Verständniß), Tubal Bet Uniaca, Meschech Musia, Tiras Bet Teriaka, nach anderer Meinung Peras. Wir haben also diejenigen Länder, die der Talmud bedeutet wissen will, zu bezeichnen, und den Zusammenhang zwischen diesen verschiedenen Benennungen anzugeben. Der Talmud nämlich vertheilt unter die Kinder Noach's, als die einzigen Stammväter des ganzen menschlichen Geschlechts, die ganze ihm bekannte Welt. Schem war ihm der Ahne aller Bewohner des Ostens; zu ihnen gehörten, wie es in der Bibel deutlich heißt: Assyrien, Lydien, Aramaea, Indien (Ofir nach dem Talmud) und die Hebräer. Cham war ihm, da das Meer den Westen in Süden und Norden theilte, der Urvater der Bewohner. des Südens, der heißen Gegend, worauf schon der Name Hindeuter, als: A ethiopien, Egvpten, Put (vielleicht die Araber) und wahrscheinlich nach einer alten Ueberlieferung non der Einwanderung und Unterjochung des chamitischen Stammes, woraufder Name hinweist, in das Gebiet zwischen dem Jordan und dem Meere, oder vielleicht aus Nationalhaß, um es dem verhaßten Mi zrajim selbst in Betreff seiner Abstammung gleichzustellen, auch Kanaan. — Iefet galt nun natürlich als der ausgebreitete Norden der ganzen alten Welt; dort ziehen sich unbekannte Völkerschaften hin, die die Welt in Bewegung setzen sollten. Auch dem Talmud schwebte schon dunkel vor, daß dem Westen und namentlich dem nördlichen Westen Vorbehalten schien, auf den Kampfplatz der Geschichte zu treten. Schon deutlich erklangen die Gerüchte damals von der ungeschwächten, weil uncivilisirten, von der rohen aber nicht verderbten Gewalt jener nordischen Barbaren, die gegen die mächtigen Staaten anschlugen. Es traf daher Iefet, sehr geschickt mit diesen Ahnungen und Anschauungen zusammen, und die Bedeutung desselben förderte und begünstigte diese Ansichten. Iefet bedeutet im Hebräisch en, das Schöne und Geziemende; undim Ara bischen, das als ein verwandter Dialekt auf die' ähnliche Bedeutung der Wurzel im Hebräischen schließen läßt, das Ausgebreitete und Ausgedehnte. Um Griechenland und Rom drehte sich so ziemlich der nordwestliche Theil der alten Welt, und da Rom selbst als eine Kolonie Griechenlands, Großgriechenland genannt wird, so wird Iefet im Talmud vorzugsweise Griechenland genannt, das Land der Schönheit und der Kunst. Zu Iefet gehört auch Magog, jenes wunderbare nordische Volk, das von den Propheten als der Vorläufer der dereinstigen Erlösung bezeichnet wird, und das sich in das Unbekannte weit hinaus dehnt. Iefet war somit offenbar als der Stammvater dieser nördlichen Staaten gedacht, und es mußte so dem Talmud auffällig sein, wie Madai, das Medien überall bedeutet, ferner wie Tiras, das doch Zor zu sein scheint, und dem semitischen Stamm angehört, unter den Kindern Jefet’ö aufgezählt werden kann. Er giebt darum die obenangeführte Erkläruug, die wahrscheinlich schon früher versucht wurde, und deren der Talmud hier beiläufig gedenkt; und wir suchen nun, diese aufzulösen. Gomer soll-Germanien sein. Bei einer Transposition und Alliteration der Buchstaben, die im Hebräischen nicht selten ist, wie in Kebes und Keseb rc., und von den Rabbinen zur Auslegung und Erklärung der Bibel gar häufig angewendet und benutzt wird, und die auf die Identität der Bedeutung der Wörter weist, dürste diese Erläuterung nicht auffallen, und sie geben zu dieser Erklärung das Verständniß.— Magog soll Kandia sein. Schwieriger ist schon hier das Verständniß und fällt in das Reich der Konjectur. Kandia hieß zwar ehedem XevKoystca, es wäre wohl auch nachzuweisen möglich, daß X mit äls liquida sich verwechselten, und daß also Magog dieser Benennung K a n dien's gleich anlaute; allein aus innern Gründen ist es unmöglich, zuzugeben, daß mit Magog, Kan dien bedeutet sein sollte. NachderWeiffagung des Ezechiel (38 und 39) mußte Magog dem Talmud ein in Norden fernliegendes Reich sein; an dieses Land werden an vielen Stellen alle Erwartungen der Zukunft angereihet (M. Rabba 98); vgl. Berachot 58, d. Aboda Sara 3, b. Das ganze Alterthum dachte sich auch Magog im Norden, so sagt Iosepf (Alterth. 1,20), daß es die Scythen seien; Maycoyrjg Serovg cot avzov Mccycoyots ova{j.oiGd'£vzE$ cohigs, Bv.v&ovg ö