Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1844)
- Date
- 1844-03-05
- Page
- Seite 78 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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-In unserer Hauptstadt Jassy besteht seit einigen Jahren eine 80 Mann starke Feuerlösch- Soldateska , die man Pompiers- Kompagnie nennt ^und unter dem Befehle .eines Militärs j steht' 'Diese Einrichtung ist in Folge einer.Feuersbrunst im - .Jahre '1832, bei welcher Gelegenheit auch wir Israeliten.gelitten-, Entstanden, vorzüglich als die Schändlichkeit des damaligen Polizei-Chef LHeod o r a li, 'der nur. gegen schweres ■' Geld 'Wasser, Mannschaften und Spritzen den Bittenden^zuiommen lief*. Daß die Juden die Pompiers-Kompagnie vorzüglich, gewünscht, ist-natürlich; aber wie benimmt sich dieser Durch lockere Disciplin zusammengehaltene Trupp! Man hat ihnemdie Erlaubniß gegeben — ich begreife übrigens den ba- --rocken Einfall -nicht '—mit.Federvieh zu handeln, und seitdem ckann kein Jude sein Federvieh in Sicherheit'behalten. All- . mächtlich werden-die jüdischen Höfe bestöhlen, ohne das eine Klage hilft, und die jüdischen Hausfrauen sehen sich oft gemörhigt,ihr eigen, gemästetes Geflügel den diebischen Lösch- : Männern 'abzukaufen. Auch die Sceuerhebung von' den .Juden äst hier eine'ungesetzliche und -diebische. -Nach-der moldau'- sschen 'Konstitution sind nur - eingeborene Moldauer, die nicht von -Adel. sind,, steuerpflichtig, hingegen der Adel, sowie fremde Unterthanen, die unter ihren respektiven Konsulen stehen, steuerfrei. Die Juden genießen größtentheils fremden Schutz, weil sie vom Auslände eingewandert, und die moldauische Regierung dürste vertragsmäßig sie nicht mit Steuern belasten.- aber das Beispiel Oesterreichs war zu lockend. Eine schwere und drückende Abgabe wurde auf die jüdische Fleischbank gelegt und dann diese verpachtet, so daß den Juden die Fleischspeisen fast viermal so viel kosten als den Christen; ja selbst das Geflügel wird auf diese.Weise besteuert. Daß der Pächter auch ein Jude ist, wird Jeder natürlich finden, der da weiß, daß der Pächter der christlichen Fleischbank auch ein solcher ist. Da die Saht der ganzen jüdischen Bevölkerung in der Moldau c. 60,000 Seelen beträgt, so ist diese Steuer natürlich nicht unbeutend. Dabei ist die Gerechtigkeitspflege im traurigsten.Zustande, und für Verbrechen ver Bojaren giebt's gar kein Gericht. Bor einiger Zeit wurde ein jüdischer Wechsler in das Haus eines Bojaren, um ein Wechselgeschäft zu machen,, gerufen, als eine Leiche fand man ihn auf der Straße liegen, und keine Klage hals. — Die nach Leipzig reisenden jüdischen Kaufleute stehen unter .dem Schutze Oesterreichs, was für den Verkehr sehr vortheilhaft ist. Manche dieser Kaufleute gehen als türkische Juden nach Men, um von der österr. Polizei nicht vexirt zu werden. - So viel vorläufig über unsere Zustände in diesen Donau- Fürstentbümern; die Existenz der Moldau und Walachei in ihrer Selbstständigkeit ist noch im Werden, und man kann es kaum verlangen,- daß die jüdischen Zustände abgeklärt sein sollen. Aber jedenfalls ist es sehr zu wünschen, daß diese 60,000 jüdischen Moldauer nicht in den Strudel der russischen Juden gestürzt werden mögen. . Die Jude© i© MngMN. Eine Skizze. Einleitung. In Ihrem letzten Schreiben fordern Sie Mich aus, Ihnen ein getreues Bild von dem Zustande unserer Leidensbrüder in meinem Vaterlande zu entwerfen, und machen mir -bittere Vorwürfe, warum ich nicht vor'der Oeffentlichkeit unsere Sache vertheidige, da besonders bei uns die Presse nicht mehr so grausam überwacht ist. Außer dem aber, daß ich keine Fähigkeiten genug dazu in mir verspüre, giebt es noch Gründe eigner Art, die mich entschieden abgeneigt machen, das Vehikel der neueren Veredlung unseres Geschlechtes zu diesem Zwecke zu gebrauchen. Denn ich frage Sie: was ist'der Zweck denn eigentlich bei derlei Arbeiten? Soll der Beweis geführt werden, daß wir uns des Bürgerrechtes würdig gemacht haben? Es ist hinlänglich bewiesen dadurch, daß wir Menschen sind, und wir schaden uns, wir schaden der guten Sache überhaupt, wenn wir uns einlassen, die Anfeindungen unserer Gegner bis auf das Kleinlichste zu vertheidigen; besser wäre es gethan, wenn wir einzig auf unsere Menschenwürde pochten, denn diese wären wenige verwegen genug zu bestreiten, und wir sollten ohne Scheu behaupten, daß, auch zuzugeben alle jene schlechten Eigenschaften, die man uns andichtet, daraus'keineswegs folgt, was die niederträchtigcnEenschenfeindeddadürchglauben -machen wollen. Hören wir. schon einmal auf, unsere Gleichstellung zu fordern; ist denn selbst in-der gepriesensten Staatsverfassung unsere schimpfliche Stellung der einzige Mangel? Blutet nicht jedes Volk, jedes Dorf an noch andern unzählichen Wunden? Und gilt nicht jene Rechtsregel ,,actio regulat judicem et actorem“ auch in der sittlichen und staatlichen Bedeutung? Damit, daß wir den Christen wollen gleichgestellt werden, geben wir nicht zu, daß-wir unsere Wünsche gar nicht weiter senden, und daß die zufällige Verfassung uns. übrigens vollkommen scheint? Wir haben durch unser unaufhörliches Vertheidigen unserer Unschulduns. selbst die größten Hindernisse in den Weg gelegt, wir haben die Anwendnug ..des Satzes: „qui se excusat, incusat“ auf uns selbst heraufbeschworenwir haben .die-Aufmerksamkeit der Volker von-den Haupt- Lebensfragen-abgezogen, .und deren glückliche Lösung verzögert, wir haben dadurch, das wir jeden Wahnsinn zerrütteter Köpfe mit Ernst beleuchteten und seine Unvernunft nachwiesen, daß wir die Ausscheidungen unverdauter Gelehrsamkeit streng untersuchten, und aus allen Winkeln der Erde Zeugnisse von Kunstkennern über deren Gehaltlosigkeit zusammenbrachten, uns lächerlich gemacht, und beigetragen zu der Abneigung, die böswillige Menschen künstlich einimpften in den noch einiger Gesundheit sich erfreuenden Volksgeist. Und ist denn nicht das die Politik des gekrönten Mephistopheles, der mit allerhand jüdischen Räthseln seine demüthigen Philister-Bewunderer beschäftigte, damit-sie indeß nicht sehen, wie er-ihnen die Karten mischt, und nicht beobachteten, wie das Eisen, .aus dem