Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1844)
- Date
- 1844-03-05
- Page
- Seite 76 (sequence 7)
- Language
- German
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76 ihrer natürlichen Bornirtheit auch nicht im Stande, den wahren Sinn des Talmuds zu erfassen; sie vermögen sich nicht in die Tiefe des „talmudischen Meeres" zu versenken, sondern plätschern nur auf der Oberfläche herum und hatten, den dadurch erzeugten Schaum für blanke Perlen. In ihrem Eigendünkel, dem gewöhnlichen Begleiter der Unwissenheit, maßen sie sich an, alle bessern Bestrebungen zu verdammen, über die sie wie Bleiklumpen herfallen und sie im ersten Keime ersticken. Aber auch in den gebildetem Gemeinden, wo diese Rabbiner mit ihren Bannflüchen verlacht und verachtet werden und wo das Bedürfniß der Schule, des geregelten Gottesdienstes und des geordneten Gemeindewesens allgemein gefühlt wird, wissen sie doch, beim Mangel an Energie und Ausdauer der Gebildetem und Vornehmern, durch ihre Umtriebe und unbeugsame Halsstarrigkeit den Fortschritt zu hemmen. Aber noch großem Schaden richten jene Zwitterrabbinec an, die ohne die, freilich schädlich angewandte, aber doch an sich ehcenwerthe Charakterfestigkeit und die, wenn auch von Wahn und Aberglauben getrübte, doch immer aufrichtige Frömmigkeit der alten Rabbiner, — eben so beschrankt und obskur sind. Sie glauben den ganzen Inhalt der Wissenschaft in sich ausgenommen zu haben, wenn sie ein paar hundert Romane zusammengelesen und sich einige Kenntniß der deutschen, und wenn es hoch kommt, auch der französischen Sprache erworben haben. In ihren Decaschot kramen sie denselben Unsinn aus, nur in etwas gefälligerem Gewände; sie lassen es auch nicht an den Pilpulim oder, wie sie ein gelehrter Rabbiner treffend nennt, Bilbulim fehlen, nur daß sie sie nicht, wie die alten Rabbiner Ln ihrer Freude, abklatschen und abdrehen, sondern steif und wie ex officio ableiern. Sie geben sich als Vermittler der verschiedenen Parteien aus, aber nicht daß sie diese in einem höhern Gesichtspunktt vereinigten, oder auch nur denselben gegenüber einen festen Standpunkt zu behaupten wüßten, sondern sie wollen zu jeder Partei gehören, je nachdem sie es mit der einen oder andern zu thun haben» Bei solchem traurigen Zustande des Rabbinerchums ist es natürlich, daß auch das Schulwesen ganz daniederliegt. In den wenigsten Gemeinden bestehen noch eigentliche Schulen, der Unterricht und die Erziehung werden gewöhnlich den von allen Winden hergejagten Privatlehrem anvertraut, denen nicht nur reelle Sachkenntniß, sondern auch Beruf und Lust zum Lehrfache abgehen, sie betrachten es vielmehr als ein eisernes Joch, unter das sie nur die unbezwingliche Noch beugt, und das sie auch bei jeder Gelegenheit adzuschütteln streben. Aber auch die befähigtem Pnvatlehrer sind genöthigt, ihren Unterricht nach dem Wunsche der unwissenden Eltern einzunchten und den Schülern schon in der Kindheit den Widerspruch und die Heuchelei einzupflanzen. Es sind hier freilich viele Ausnahmen, so wie es auch unter den Rabbinern einige Zieht, die wissenschaftlich gebildet und von der Heiligkeit'ihres Berufes durchdrungen sind; aber wir müssen hier nur das Allgemeine vor Augen haben. In mehren Gemeinden herrschen gar noch die starkbewaffneten Melamdim in ihren Geist und Körper verkrüppelnden Chedarim. — Die eigentlichen Gemeindeverhältniffe bieten nicht minder viele Schattenseiten dar. Da sind keinerlei Statuten vorhanden, und die Gebiete der verschiedenen Autoritäten sind nicht festgestellt und abgegrenzt, und es geschehen daher oft gegenseitige Eingriffe, die hartnäckige Kämpfe um Kleinigkeiten herbeiführen. Besonders ist häufig über Willküclichkeit der Vorstande zu klagen, so wie andererseits manches gute Vorhaben derselben an der Arroganz und dem Starrsinn des Pöbels scheitert. Wenn wir nun noch hinzufügen, daß in einem großen Theile Oberungarns der leidige Chasidismus mit allen seinen Greueln vorherrscht, so wird wohl jeder Wohldenkende mit uns übereinstimmen, daß eine innere Emancipation fast eben so nothwendig als die äußere ist. Zu deren Erreichung ist aber nur ein Mittel vorhanden, und dies besteht zwar in einer allgemeinen — nur nach den verschiedenen Lokalitäten modificirten — und von der Regierung geneh, migten Gemeindeverfassung und in einem ebenfalls von der Regierung zu erwirkenden Edikte, von nun an nur wissenschaftlich gebildete und mit dem magyarischen Elemente innig vertraute Rabbiner.anzustellen. Dies Letztere würde um so leichter zu erlangen sein, als auch in den Erblandecn nur studicte Rabbiner angestellt werden dürfen, und als dies der einzige Weg zur allgemeinen Magyarisirung der Juden ist. — Als man vor einigen Jahren zu Betträgen für Gründung einer theologischen Fakultät aufforderte, erging ein Statthalteceischreiben an die Vicegespansamter, die zu diesem Zwecke sich bildenden Kollekten indirekt zu Hintertreiben, und wir glauben darin einen Wink wahrzunehmen, im eigenen Lande eine Rabbinerschule zu errichten. Aus einer geregelten Gemeindeversassung und aus wohlbesetzten Rabbinaten werden dann die gewünschten Schulen- und Kultus^Verbesserungen nothwendig folgen. Eine solche innere Emancipation wird gewiß auch auf die äußere wohlthatig einwirken, wiewohl die Sophistik eine wächserne Nase hat und wir mit Cicero sagen können: ejicere nos magimin Mt, exeludere facile est. — B. Mauksch. Moldau und Walachei. BrEttvest, 10. Febr. Der hiesige reiche jüdische Bankier Hr. Hill hat der in Athen bestehenden Gesellschaft für Förderung der Bildung und Aufklärung, welche durch Unterstützung fast aller Nationen die Bildungsinstitute Griechenlands unterhält, hundert Dukaten oder 500 Drachmen als Geschenk durch den griechischen Konsul der Moldau überschickt, wofür ihm ein Diplom und nm Ehrenmedaille zugeschickt worden ist- Dich