Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1844)
- Date
- 1844-03-05
- Page
- Seite 75 (sequence 5)
- Language
- German
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— 75 ©ttc und Moll bei unseren Beamten von'den .gt>rd e no n - und sil bern en Saiten der -Klienten ab,;fo halteen sie bie Juden für lauter St.-Petri mit /goldenen .Schlüsseln. In .der Tdat müssen sich die Juden.goldener Faden bedienen, wenn sie.durch.den Beamten- Labyrinth sich durchwinden wollen. Die-erwähnte Verordnung wird daher den Juden bedeutende Summen ersparen. Wir wollen aber won der bekanntenFreiheits- .liebe unseres edlen.Landeschefs auch direkte Verbesserungen!!» der Stellung der Juden .hoffen. Wien, 24» Febr. Wer über das.Haus Rothschild ein Urtheil fallen will, muß sehr vorsichtig mnd -behutsam sein, indem nicht Jedermann die geheimen -Triebfedern dieses .Hauses-bekannt sind. So ist bas Haus 'Rothschild von -vielen Seiten, wenn auch nichtöffentlich, ..des Jndifferentismus in-.der Angelegenheit der Juden an .der russischen Grenze beschuldigt worden.- Md-doch kann-ich Ihre Leser versichern, daß Hr. von - .Rothschild-mit dem russischen Gesandten an unserem Hofe^zu Gunsten-der russischen Juden gesprochen-undj von ihm das Versprechen erhalten, baß der Mas zurückgenommen werden wird ^). St. Nikolau, 11. Febr. -Einrühmlkcher,viel- .versprechender Geist istin -unsrer.Gemeinde erwacht, und nachdem . zur -Verbesserung des -Gemeinde- und Synago- -genwesens eilf Männer, .und . nachher auf -Betrieb ber Stabilen bei . der. Behörde, die sich -aber sehr günstig für -Fortschritt -zeigte, von der ganzen -Gemeinde,-noch -zehn andre -— fast sämmtlich auf Seiten des Fortschrittes; — gewählt worden, setzten, diese 21 Männer eine Kom- Mission aus -ihrer 'Mitte nieder, um ' die Mittel zur- ErhaltungHeiner wohlorganisicten Schule aufzusuchen. und'anzugeben. 'Esast-zuwünschen,- daß dann ein mit. klassischer'-Bildung ausgerüsteter Mann, der zugleich l auch fähig ist, von Zeit zu Zeit angemessene Vorträge "? zuchalten, als -Oberlehrer berufen werde. Es ist eine f gewöhnliche Erscheinung, daß-da, wo-die Schulen nicht j durch eigene Fonds, sondern durch den Gesammtbeitrag i der Gemeinde - erhalten, werden, dieselben früher oder spak ter durch die Eifersucht und Unverträglichkeit der Lehrer i unter einander und die dadurch herbeigeführte 'Verringe- ' mng ihres Ansehens, der Gemeinde gegenüber zerfallen,! wohingegen ein tüchtiger Oberlehrer die untergeordneten Glieder Zusammenhalt und bei der Gemeinde und selbst; nach Außen hin eine imponirende Stellung einnimmt. Es ist von den ungarischen Israeliten eine Petition Umbürgerliche Gleichstellung bei den Standew und eine - gleiche beim Palatin eingereicht worden, und es liegt ' uns - ein Gespräch vor, das dieser mit dem Hcm L. ") Es freut uns um so mehr, diese verbürgte Nachricht unfern Lesern mittheilen zu können, als wir in der vorigen Nummer, S. 70 die allerdings inhumane Antwort des Hrn. v. R. (in.Frankfurt a>M.) mitgetheilt haben» D. LTed. H o l l a n d e r, Obervorsteher des Savoftr.Komitats -und Mit-Äbgeocdnetec der.ungarischen Israeliten, bei dessen Ueberreichung ber Petition, .hielt. So huldvoll-er auch für die Persönlichkeit des Hrn. Holländ.er ist, so -zeigt er doch leider deutlich genug, baß die Juden sich von diesem ^höchsten Staatsbeamten nicht wiel zu versprechen haben. Nichts desto weniger verdient aber der -Eifer und bie Selbstverlaugnung unserer Abgeordneten dankbare Anerkennung. Nur wäre es zu wünschen, baß sie ihr Augenmerk nicht , nur nach Außen, sondern auch sa h au p tsach l i ch nach Innen, auf die innere Emanzipation richten . mögen, wo - sie bes cguten Erfolges gewiß -sein und sich unsterbliche Verdienste .erwerben können. Die äußere Emancipation ist eine europäische'.Lebensfrage geworden, und so lange man nicht die -Natur für christlich -erklären will,-die-in ihrer .christlichen Liebe nur den Christen und den sich zu taufen den Juden die bürgerlichen-und politischen Fähigkeiten-verleihe, so lange wird es-eine schreiende- Ungerechtigkeit bleiben, eineununschuldige -Volksktasse, die alle -.Staatslasten freudig mitträgt und es -in jeder .Bürgertugend den übrigen Landeskindern wo möglich zuvor zu thun strebet, , wegen ihres altehrwürdigen-Glaubens, dem man ^die eigene. Erleuchtung zu verdanken gesteht,— von den heiligsten Menschenrechten auszuschließen, -und so sehr es noch-von Vorurtheilen spukt., .so .wird doch - endlich.bie Wahrheit und das Recht siegen, und der Staat den Vortheilwahrnehmen, Tausende misvergnügter Unterthanen.durch ein Wort mit bem- Eifer.von Neubekehcten'für alle vaterländische Interessen zu entflammen. Es erstehen uns auch in allen Konfessionen immer, mehr edle. Kämpen für unsre Sache, -die sie auch, als die' der Menschheit erkennen, und auch an unftrm Reichstag-Haben wir eine bedeutende Zahl solcher Edlen, die mit hinreißender Begeisterung, für die volle Emancipation sprechen und sie auch .gewiß soweit als möglich pm - reichstäglichen Beschlüsse bringen werden. -Müssen wir aber freilich dessen -ungeachtet alle .unsre Krästeanstrengen, um einerseits mit dem -zweischneidigen Schwerdte. der gekränkten Menschenwürde - die verrosteten Vorurtheile und die elende Sophisterei auszurotten und andrerseits -die demüthige Bitte vor die Regierungen und Legislationen zu bringen; so verschwimmt doch hier bas Einzelsireben.in dem großem Strome der Zeitbewegung. Hingegen liegt im Innern des ungarischen Israels noch Alles brach, und hier ist's, wo jene Männer sich das Feld ihrer Hauptwirksamkeit aussuchen sollten. Welches , echt israelitische Herz muß nicht bluten beim Anblick des ungarischen Rabbiner-, Schul- und Gemeindewesens l Da sind die meisten'Rabbiner von egpptischer Finsterniß..umdüstert, und-sie wagen es nicht, sich.von der Stelle zu bewegen. Das Herkommen ist ihnen zum Instinkt .geworden, dem sie blindlings folgen. Keiner .Sprache, selbst der.hebräischen nicht recht kundig, allen Wissenschaften feind, sind sie in 10 *