Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1844)
- Date
- 1844-03-05
- Page
- Seite 74 (sequence 3)
- Language
- German
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- 74 dem TitM, Vttfassung und- Verwaltung bc$; preußischen Staats rc. ein Werk herausgegebenwelches sich' t>or andern Büchern dieser Art in mehrfacher Beziehung auszeichnet, insbesondere aber sind die Schriften, welche die Polizesi, Stadtewesen und die Judenvechaltnisse betreffen, als geeignetes Handbuch für den praktischen Gebrauch zu empfehlen. Wir finden uns daher veranlaßt, auf dieses Werk hierdurch besonders aufmerksam Zu machen". Hamburg, 24. Febr. Unser Senat ist einmal aus. dem beschränkten Kreise des konfessionellen Absperrungssystems' herausgetreten. Es hat nämlich ein jüdischer Buchhändler,Herr Berendsohn, zum ersten Male die Crlaubniß erhalten, dem Senate eimPrachtwerk zu dediciren. Leipzig--1. März. (Aufforderung,), Seit einigen Tagen, sind in; den Zeitungen die widersprechendsten Artikel über die Reise des Dr. Hirschfeld, Rabbiner zu Wollstein, nach Berlin und Frankfurt a. M. im Umlaufe. Bald heißt es, Hr. Hirschfeld beabsichtige, eine jüdische Kolonisation in Rußlandzu gründen, er habe zu diesem- Zwecke vom Hause Rothschild bedeutende Summen' angewiesen bekommen; bald soll Hr. H. in Angelegenheiten seines Amtes, zur Bewerbung der Crefelder Rabbinerstelle die Reift unternommen haben. Auch Personalien! sind im Gefolge der zahlreichen- Zeitungskorrefpondenzenr Da num der. Gegenstand das.Interesse, derrussischem Grenzbewohner sehr' nahe angeht, fo ersuchen' wir Hrn. Hirschfeld oder einenihm Nahestehendendas Publikum, das gewiß an die Mission des Hrn. H.. dem lebhaften Antheib nimmt und ihm vielleicht hilfreich entgegenkommen würdedurch, eine' Mittheilung indiesem. Blatte über diesen Punkt aufzuhellen. Posen, 24.- Febr.- Der bekannte. Ukas über die Uebersiedelung der westlichen Gcenzjuden Rußlands hat nun endlich, wicht wie einige-Blätter fälschlich angegeben, durch die Fürbitte Rothschild's, sondern durch die Theilnahme der europäischen Presse, einige Milderungen erfahren.. .Diese- Milderungen sind: 1)- die Frist zum Verkauft der steinernen Hauser soll, außer der früher schon bewilligten Frist, noch um zwei Jahre verlängert werden , also im Ganzen 4 Jahre sein; 2) zum Verkaufe der hölzernen noch ein Jahr zu bewilligen; 3) die Ueberzusiedelnden auf fünf Jahre von allen Steuern, außer dem Zolle, zn befreien; 4) über die Besitzer bedeutender Fabriken und Manufakturen ein Verzeichniß zur allerhöchst eigenen Bestimmung, wie mit ihnen zu verfahren sei, Sr. Maj. vorzustellen; 5) diejenigen, die in Städten und Marktflecken sich niederlassen,. Kronholz nach der gewöhnlichen Proportion zum Aufbau zu verabfolgen; 6) Sr. Kais. Maj. ein Verzeichniß der steinernen Häuser in den Marktplätzen mit einer Beschreibung derselben und ihres jetzigen Standes vorzustellen. Nach diesen sechs Erleichterungen soll der Kaiser eigenhändig die Worte geschriebenhaben. Damit.. G diese Angelegenheit für beendigt'anzufthen. Nach welchen Vorstellungen diese Erleichterungen erwirkt worden sind, das haben bereits die politischen Blätter mitgetheilt und ist in mancher Beziehung gleichgültig, nur.lst die Frage, ob dergleichen als erhebliche Erleichterung anzusehen ist, und in dieser Beziehung ist man hier allgemein der Meinung, daß der Hauptwerth derselben in der Verzögerung der Maaßregel liegt, so dast sie später gewiß noch bedeutender gemildert werden wird. — Was die Fürbitte des Dr. Hirschfeld und seines Schwiegervaters anlangt, welche die öffentlichen Blätter allgemein, leugneten,, seist es doch wahr, wie Sie es schon (Nr. 4) berichte , ten; nur ist. mit dem Projekte, eine Ackerbaukolonie zu gründen, nicht viel Erhebliches anzufangen, und das Gerede der Zeitungen, daß dieRothfchilde es unterstützen, wird auf eine Renommage hinauslaufen. Beidieser Gelegenheit kann ich einen Tadel in Bezug auf unsrer Pcovinzialzeitung nicht unterdrücken. Diese berichtet nämlich über alle die Juden betreffenden Angelegenheiten nur nach fremden Blattern, wahrend sie mit geringer Mühe die Wahrheit hier am Orte erfahren könnte. Wenn sie über unsere politischen Verhältnisse sich erst aus Berlin berichten laßt, so ist das aus unseren Preßumständen noch zu entschuldigen, aber bei den jüdischen Angelegenheiten ist. wohl diese Aengstlichkeit überflüßig. — Hr. Dr. Pleßner, der auf Aktien hier zum Predigerangestellr ist, hat noch immer einen sehr--großen Anhang, was' aber in der That auch fein Gutes hat, da-das Synagogenwesen hier, furchtbar verwahrlost ist. Desterr e i ch. Wien, 20.. Febr. Hervorstechende Proben des Wohlthätigkeitssinnes müssen und sotten der Oeffentlichfett übergeben werden, zumal wenn sie von Juden ausgehen,- deren Religion der Ghillanysmus als eine blutlechzende schildert. Demnach möge der Name eines Mannes hier genannt werden, der eine Kinderbewahranstalt in seiner Vaterstadt Presburg errichtete, und vor Kurzem hier einen freien Tisch für arme Juden eröffnete.. Dieser wohlthatige Mann ist ein hiesiger Großhändler, Herr Tedesco. Prag- 20< Febr. Die Stellung der böhmischen Juden ist, wenn auch auf eine indirekte Weift, in einem nicht geringen Grade erleichtert worden. Unser Landeschef, der Erzherzog Stephan,, dessen Scharfblick die Gebrechen: unftrs Beamtenwesens leicht wahrnimmt, an alle. Kreisamter den Befehl ergehen lassen, sich der Annahme von Geschenken, zuenthalten. Der wohlthätige Einfluß, den dieser Befehl indirekt auf dieStellung der Juden übt, kann nur gewürdigt werden, wenn man die Feilheit und Bestechlichkeit, den Eigennutz und die Habsucht unserer Beamten kennt. Hängt überhaupt das