Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1844)
- Date
- 1844-03-05
- Page
- Seite 73 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Fünfter Jahrgang Berichte, Studien und Kritiken Das Abonnement für em Zahr ist 5 Thlr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. s ü r jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegebe n von Nr. Zulins Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Wogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. J|£o IO« Leipzig, den 5. Marz 1844. Inhalt. Griechenland. Athen. Die Juden in Griechenland. Humanität des Redners X Paikos. — Deutschland. Breslau. Legate der Frau Ph. Fri edel. Empfehlung des Wertes von Rönne und Simon. Hamburg. Auszeichnuug des Buchhändlers Bereu d sohn. Leipzig. Aufforderung. Posen. Milderung des Ukases. Dr. Hirsch feld. Pleßner. — Oesterreich. Wien. Wohllhatigkeitssinn des Großhändlers Tedesco. Prag. Indirekte erleichterte Stellung der Luden. Wien. Fr. v- Rothschild. St. Nikol au. Das ungarische Schul-, Gemeinde- und Rabbinenwesen. — Moldau u. Walachei. Bukarest. Der Bankier Hill. — Polen u; b Rußland. Von b. poln. G'r e nz e. Der Ukas. — Zur Geschichte der Juden in der Moldau u. Walachei. (Schluß.) — Die Juden in Ungarn. Eine Skizze. — LB. d. Or. Griechenland» Athen- 28. Jan. Auch hier unter dem Schutze der neuesten Konstitution beginnt für die Israeliten eine bessere Zeit, die nicht ohne Einfluß auf die Behandlung derselben in der Türkei bleiben wird» In Griechenland leben seit der Revolution von 1822 keine Juden, nachdem die meisten im revolutionären Fanatismus theils gemordet, theils zur Flucht nach der Türkei genöthigt wurden; in der einzigen Stadt Egribos (jetzt Chalcis genannt) auf der Insel Negroponte wohnen noch ungefähr 2000 Seelen, sowie hier etwa 10 Familien. Für diese geringe Zahl, wie vielleicht für die noch ankommenden Juden, bat die Konstitution keine Ausnahme gemacht, und in einem der Paragraphen sich auch so ausgesprochen. Aber mehr noch als die Konstitution ist für uns die Sinnesänderung der Griechen in Bezug auf uns erfreulich. Als vor zwei Jahren die Judenschaft von Egribos eine Deputation an den König Otto I. abschickte, um von ihm die Befreiung von der Militärpflicht zu erbitten, da gab er ihnen zur Antwort, daß er keine Juden kenne und daß sie eben so gut Griechen wären, wie alle Anderen und daher dem Vaterlande dienen müssen. Die Juden dienen auch seit 1832 tharsachlich im griechischen Militär und die Scheidewand ist auch schon in vieler Beziehung verschwunden. In diesem Augenblicke hat sich diese Gesinnung auch in der Kammer geltend gemacht. Es kam zur Sprache, ob die Griechen aus der Türkei, sofern sie übersiedeln, auch wie Nationalgriechen betrachtet werden sollen, da erhob sich der treffliche Redner A. Paikos aus Salonik und vertheidigte die Aufnahme der türkischen Griechen und sagte unter Anderem, daß wenn man diese nicht als Bürger betrachten wolle, so würden sie ja noch schlimmer daran sein als die Juden. Die Juden von Chalcis sind griechische Bürger, und wenn das religiöse Vorurtheil ganz verschwunden wäre unter uns, so häcre ich die Freude, auch den Juden hier auf den Bänken der Deputaten zu sehen, wie es schon bei weiseren Völkern, als wir sind, der Fall ist. Ja ich wünsche, daß man auch den Juden in den öffentlichen Stellen sehe, daß ec auch faktisch alle Rechte genieße, wie die Christen. Die Freiheit soll nicht blos das Gut dessen sein, der in dem Freiheitskriege gefochten. Deutschland. Breslau, 21. Febr. Für heute habe ich Ihnen nur einige Kleinigkeiten mitzutheilen. Die hier verstorbene Philippine Friede!, geb. Sachs, vermachte den jüdischen Waisenmädchen 50 Thaler, den jüdischen Waisenknaben 100 Thlr., an drei fromme Talmudisten 12 Thlr. und den hiesigen Armen 20 Thlr. Der mildthätige Sinn verdient immer ein Ehrengedächtniß. — Das Amtsblatt der kön. Regierung vom 24. Jan. enthält folgende Bücher-Empfehlung: „Der Kammergerichtsrath Freiherr von Rönne hat in Gemeinschaft mit dem Oberlandesgerichcsassessor Simon unter 10