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Der Orient · 1844-02-27 · Heft 9 (27.2.1844) · p. Seite 71

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 9 (27.2.1844)
Date
1844-02-27
Page
Seite 71 (sequence 13)
Language
German
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71 bie Neuerungen im Judenthum nicht begünstigt werden mögen- Bei der Verlesung derselben in der Kongregation entstand ein allgemeines Gelächter! Was sind aber, nach der Jnfallibilität unseres Rabbi, Neuerungen? Veraltete, sinnlose Gebräuche, die jeder Gebildete von sich weisen muß. Von mehr als dreihundert Bachurim, die in yerba magislri schwören, umgeben, befürchtet unser Rabbi den Zusammensturz des Judentums, wenn die Jeschiba sich nur um ein talmudisches Lastthier verringern wurde. Doch ich verspare mir die Schilderung des hiesigen Gemeindelebens, des Bachurim- Hofstaates unseres Rabbi auf meine nächste Mittheilung auf, und füge meinem Berichte nur noch hinzu, daß gestern die Judenemancipation auf dem Landtage zur Sprache kam, und die Majorität sich gegen dieselbe erklärte. Was besonders überraschte und Staunen erregte, war, daß der Deputirle des Pesiher Comitats sich durchaus gegen die Gleichstellung der Juden erklärte. Auch über diesen wichtigen Punkt der ungarischen Juden will ich nicht eher urtheilen und ihn einer detaillirten Kritik unterwerfen, bis die Verhandlungen ihren weitern Fortgang genommen haben werden. Moldau und Walachei. Brmla, 14. Jan. So eben erfahre ich, das in der Bukowina, namentlich in Czernowitz, viele Juden eingezogen worden sein sollen. Wie man sagt, so soll der Grund in der (Zirkulation von falschen österreichischen Banknoten pr. 100 st. sein. Außer den Juden sind noch dabei sehr viele Großbojaren und österreichische Beamten betheiligt. In Jassy wird in diesem Augenblicke die Untersuchung geführt und wie ich höre hat sich ein Kriminalrichter aus Lemberg zu diesem Zwecke dahin verfügt. Zur Geschichte der Juden in der Moldau und Walachei. (Fortsetzung.) In dem Komplotte gegen den Hospodar, der gleich nach seinem Antritte ausgebrochen, war auch ein Dr. Weinberg, Israelit aus Rußland, ein Liebling des General Mirkowich, von dem die Leitung des Komplotts ausgegangen sein soll, und obgleich der Fürst diesen trefflichen Mann, wie seine Freunde Georg G h y k a und den Bojaren Rosett i, durch ©tft wegzu bringen wußte, so nahm er dies doch zum Vorwand, um in leichter Weise der Schuld an die Juden los zu werden, zumal er wußte, daß die jüdischen Reichen kein Geheimnis; daraus machten, und sie die Schuldscheine des Fürsten den Bojaren zeigten. Da trat Michalaki Stourdza der Hospodar mit einem neuen Gesetze auf: sämmtliche Juden der Moldau unnachsichtlich zur Landesverweisung aufzuzeichnen, die nicht 50,000 Piaster- Vermögen nebst einem tadellosen Wandel Nachweisen könnten. Dieses war im Jahre 1834, gleich nach dem Antritte seiner Würde. In der Motivirung dieses Gesetzes heißt es, daß die Moldau, und namentlich Jassy, von fremden aus Rußland eingewanderten Juden übervölkert sei, welche, zum Schaden der Moldauer, Handel und Gewerbe an sich gerissen, denn in Jassy wohnen c. 30,000 Juden. Der Hospodar wußte sehr gut, daß ein großer Theil der Juden in tiefer Armuth lebe und daß ihre Einwanderung nach der Moldau nur aus dem Grunde geschehen sei, um der Militärpflicht mit allen ihren Schrecknissen in Rußland zu entgehen; er wußte, daß nur kaum ein Achtel der jüdischen Bevölkerung der Moldau im Stande sein wird, den verlangten Nachweis zu liefern, und daß die Juden, um nicht sieben Achttheile der Gesammtmasse auswandern zu lassen, sich zu Koncessi'onen werden verstehen müssen, jedoch setzte der Hospodar zu diesem Zwecke eine Kommission nieder, um die Vermögensumstände und die Moralität jedes einzelnen Individuums zu ermitteln, um so dieser Gelderpreffung wenigstens einen Schein von Legalität zu geben. Der Schrecken unserer Jassy er Juden über die erfahrene Täuschung war außerordentlich; denn obgleich sie wohl wußten, worauf es mit diesem Gesetze abgesehen war, so mußte sie doch dieser Schritt ungemein betrüben, da dieses Raubsystem bei der Gewissenslosigkeit der Regierung sich oft widerholen konnte. Sie kämpften daher lange, bevor sie dem Hospodaren nachgaben; sie bestachen die Kommission, da hier Alles bestechlich ist, oder erkauften sich für Geld ihren Aufenthalt und nur als der Fürst die Kommission vernichtete, um in eigener Person Gesetzgeber und Richter zu sein, mußten sie sich endlich als Gefangene ergeben. Dazu kam noch, daß Viele, die es vorgezogen, nach dor Türkei auszuwandern, den türkischen Behörden als Solche bezeichnet wurden, die ihr baares Geld verborgen hielten, um sich den ihnen auferlegten Abgaben zu entziehen, so daß die türkischen Behörden zur Mishandlung der Ausgewanderten sich berechtigt glaubten. Ohne Ausweg entschlossen sich endlich die Israeliten der Moldau, der Gewalt nachzugeben. Die Schuldscheine der Juden an M. Stourdza wurden dem reichen Bankier Michel Daniel übergeben, der seiner Seits den seinigen hinzuthat, und von dem Hofmeister des Fürsten Petraki Asaki einen Wink erhaltend, erbat sich der genannte Bankier eine Privat-Audienz. In, der ohne Beisein der Hofleute ertheilten Audienz beglückwünschte Hr. Michel Daniel den Fürsten im Namen der Israeliten der Moldau, und indem er im Verlaufe des Gesprächs , das in' moldauischer Sprache geführt wurde, um Zurücknahme des Gesetzes mir

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