Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 9 (27.2.1844)
- Date
- 1844-02-27
- Page
- Seite 72 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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72 ergreifenden Worten bat, ließ er die Schuldscheine in die Hände Asakai's — der Einzige, welcher als Eingeweiheter zugegen war-— gleiten. Der Fürst Stourdza gab, hinblickend auf die gewonnenen Schuldscheine, dem Bankier das Versprechen der Zurücknahme, aber dieser, die Gewissenlosigkeit des Fürsten wohl kennend, beharrte in bescheidenen Ausdrücken auf einer schriftlichen Zurücknahme, die er in den Händen zur Beruhigung seiner Glaubensgenossen haben muffe, wozu der Hospodar sich endlich verstand. Petraki Asaki holte Feder, Tinte und Papier herbei und indem er dem Fürsten die Schuldbriefe als Unterlage hingab, schrieb dieser an seinen Minister K a t a r s ch L n Folgendes: „Das Departement des Innern wird sofort dafür Sorge tragen, daß die von mir wider die jüdischen Einwohner der Moldau angeordnete Operationsmaaßregel zurückgenommen, und die zu diesem Zwecke niedergesetzte Kommission ganz aufgehoben werde. Auf Grund genauer Erwägung der Umstände, und der von mir veranlaßten Ermittelungen, habe ich beschlossen, daß die hebräische Nation künftig immerdar einen ungestörten Aufenthalt im Lande genießen solle. Michalaki Stourdza". Von diesem Beschlüsse, machte Petraki Asaki noch während der Audienz ein Duplikat, welches ebenfalls von dem Hospodaren unterzeichnet worden ist, und dieses sowohl als jenes wurde dem Supplikanten zur Besorgung übergeben. Von dem Hospodaren wohlwollend verabschiedet, wurde der greise jüdische Vertreter, der bei allen Bojaren seines Vaterlandes Ln großer Achtung steht, von den in den Vorzimmern versammelten Großen mit Herzlichkeit ausgenommen, und nachdem er unter der Dienerschaft des Fürsten noch ansehnliche Geschenke ausgetheilt, ging er sosort zum Minister Katar schin, um die schnelle Aufhebung persönlich, und durch reichliche Geschenke an denselben unterstützt, aufheben zu lassen, was auch schnell geschah. Der Vertreter Michel Daniel wurde Ln seinem Hause von den Vornehmsten der Gemeinde mit Sehnsucht erwartet und die Freude war außerordentlich, als sie erfuhren, was unterdessen für sie geschehen. „Auf diesem Wege sind wir also noch, hörte man bei dieser Gelegenheit sagen, um die Gewaltthat abzuwenden; es ist noch ganz die Weife, wie unsere Vorfahren ihr Unglück und Elend gemildert!" Und wirklich sind die Israeliten hier noch auf dem Standpunkte des Mittelalters; rechtlos und verachtet können sie nur durch Bestechung ihr Unglück mildern, und die Wahrheit dieser Betrachtung hat sich eben auch jetzt bestätigt, wo die neuen Verordnungen eben nur auf eine Geldspekulation oder bester auf Raub abgesehen waren. — Da diese Geldverluste für die Juden der Moldau im Allgemeinen gemacht wurden und die Gemeinde zu Jassy die Willigkeit einiger Vornehmen nicht mißbrauchen wolten, so war es natürlich, daß die Summe als Gemeindeschuld betrachtet wurde, die vorläufig verzinst, später aus der Gemeindekaffe bezahlt werden sollte. Es ist jetzt die einzige Gemeindeschuld. Diese Geldbuße wäre allerdings noch zu erfragen, wenn nur wenigstens dafür ein Aequivalent an Schutz und Sicherheit des Eigenthums von Seiten des Staates den Juden geboten würde, was aber leider nicht geschehen ist und noch jetzt sehr mangelhaft geschieht. .Nur durch fortwährende Bestechungen ist es ihnen möglich von der Justiz das Recht und von der Lokalbehöcde die Sicherheit des Eigenthums zu erkaufen"). — Was unsere kirchlichen Angelegenheiten anlangt, so besitzen wir freilich die vollkommenste Freiheit unserer Religionsübungen, aber wir sind selbst am wenigsten frei. Die Pest des russischen Ehasidismus hat sich in unserer Gemeinde so heimisch gemacht, daß in unserer 30,000 Seelen starken Gemeinde kaum zehn Individuen sich findendie dem Chasidismus nicht angehören und die daher „Berliner" genannt werden; von einem Auftreten gegen den Chasidismus kann natürlich nicht die Rede sein. (Fortsetzung' folgt.) PersonalchronLk und Miseellen. Hopfenhandet - Verbot für die Juden in Barer n. Obgleich die Kölner, Aachner Zeitung und nach ihnen fast alle politischen Blätter in großen ofsiciellen Attitikeln aus Baiern dem Gerüchte widersprechen, als sei dieses Verbot je bekannt gemacht worden, so hat sich bei genauer Untersuchung von Seiten der Redaktion die Sache doch bestätigt. Das Verbot ging aus von der Kreisregierung zu Oberfranken und nach hartnäckiger Beschwerdeführung von Seiten der Juden wurde endlich durch eine Ministerialentschließung dieses Verbot zurückgenommen. Die Indignation der Oeffenrlichkeit hat zu dieser Aenderung viel beigetragen. Mögen die polit. Blätter auch diese Berichtigung aufnehmen! Zur Preßfreiheit. Der (Zensor Gähler in Altona hat eine partikuläre Ansicht von Personalien. Das schwarze Buch von B. Carlo konme die Censur passiren, die Vertheidigung aber, das weiße Buch ging in Altom nicht durch. „Schwarz bin ich und lieblich", muß die Devise des Herrn Gähler sein. *) Zu den vielfachen Mitteln zu Gelderpressungen gehöre auch zuweilen. die Bejchuldigung der haesüchtigen moldauischen Beamten, daß die Juden Lästerungen gegen die christliche Kirche ausstoßen, welche Beschuldigung, obgleich noch nie erwiesen, sie stets mir klingender Münze äbzubüßen haben. Um sie zur Abbuße zu bewegen, werden in der Regel einige Verhaftungen vorgenommen, oder es werden einige in die Salzbergwerke geschickt, so daß die niederträchtigen Kreisbeamten stets ihren Raub erhalten. Verlag von E. L. Fritzsche. Druck von I. H. Nagel.