Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1844-02-27 · Heft 9 (27.2.1844) · p. Seite 70

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 9 (27.2.1844)
Date
1844-02-27
Page
Seite 70 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2360092-2360310-2360320--4371-3530116
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

70 leidsvolle Verwendung gebeten haben. Aber vielleicht möchte und müßte jetzt, bei zunehmender Trostlosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung noch einmal das schon Aufgegebene, selbst das Unmögliche versucht werden." Ich bin aber auch im Stande, Ihnen über das Resultat dieses Schreibens Einiges mitzutheilen. Herr v. Rothschild sott darauf gesagt haben: /,Er sehe den Vortheil dieses Geschäfts nicht ein". «. «. Frankfurt a. M., 25. Febr. Die Tendenz, des Reformvereins stellt sich immer klarer und deutlicher heraus. Ec wünscht nicht eine Reform aus Liebe zum Judenthum als vielmehr aus Haß gegen dasselbe. Aus Haß, wiederholen wir noch einmal; denn wahrlich! wer Jude auch nur dem Gefühle nach ist, wird nicht so ghillanyschboshaft sein, zu behaupten, daß die jüdische Literatur voller, Schmutz in Beziehung auf das Christenthum ist. Und dies entblödet sich nicht ein Korrespondent des Reformvereins in der A. A. Z. zu sagen. Die Gutachten über die Beschneidungsftage besprechend,. sagt dort der Korrespondent, daß der Reform- Verein ein gleiches Schicksal mit den Christen theile, wenn er von den Rabbinen geschmäht wird. Männer, die auf ihr Verbleiben im Judenthum pochen, die ihren Gegnern marktschreierisch zurufen, daß sie, trotz materiellen Opfern, im Judenthum verharren, lassen dann, einen ihrer Korrespondenten in einem judenseindlichen Matte eine solche Sprache reden! Ueberhaupt sollten die Herren, christliche Blatter mit ihren lustigen Reformvocschlägen, mit ihren antijüdischen Artikeln verschonen: .Reformen innerhalb des Judenthums müssen entre nous besprochen werden. Oesterr er ch. Von der österreichischen Grenze, 20. Februar. Die Frage wegen einer zeitgemäßen Reform des Judeneides und der bei seiner Leistung üblichen gesetzlichen Förmlichkeiten kam vor weniger Zeit fast bei allen Gerichtsbehörden des Kaiserstaats zur Verhandlung; aber leider zeigt die Art, wie sie bei den meisten ihre Erledigung erhielt, entweder, daß der größere Theil unsrer Richter wirklich von Vorurtheil befangen, der bessern Einsicht fremd geblieben ist, oder, was wahrscheinlicher ist, es steckt in den Herzen dieser Herrn, bei allem Anschein von Aufgeklärtheit und Humanität, dennoch eine'ziemliche Dosis von Intoleranz und Fanatismus, die sie über jede den jüdischen Glaubensgenossen zustoßende Beschämung und Herabwürdigung eine innere heimliche Freude empfinden läßt, und um derentwillen sie sich ein solches Ueberbleibsel mittelalterlicher Rohheit und Unwissenheit ungern entzogen wissen wollen. Um so erfreulicher aber ist das Gutachten eines der hochgestellten österreichischen Beamten, dessen Gehalt durch und durch den klaren, offenen und biederen Sinn bezeichnet, der frei und unbefangen dem Recht das Wort spricht und keine andere Rücksicht als die der Wahrheit kennt. Dasselbe lautet: „Die bisher bestehende Eidesformel entspricht nicht mehr der vorangeschrittenen Bildungsstufe der Gegenwart. Sie enthält so viele und so schwere Flüche, welche der Schwörende theils auf sich, theils auf die Häupter seiner Angehörigen herabrufen muß, daß sich der rechtliche, gewissenhafte und gesittete Israelit zur Ablegung eines solchen Eides nicht ohne Seelengual entschließen kann.; Dessenungeachtet gewahrt sie gegen den irreligiösen und zum Meineid geneigten Israeliten keine feste Schutzwehr.? Denn wer in seiner Moral so tief gesunken ist, daß ihn der Glaube an das Daftin Gottes, als des unaus- > bleiblichen Rächers eines jeden Frevels vor Ablegung l eines Meineids nicht absthreckt, den werden auch einige J Fluchformeln von der Ablegung eines solchen Eides ab- ' zuhalten nicht vermögen, zumal diese Flüche erst durch; den Glauben an Gott eine Bedeutung erhalten. Die; religiöse und moralische Wichtigkeit des Eides beruht; einzig und allein auf der Vorausfttzung, daß der Schwöf rende von dem lebendigen Glauben an das Dasein Gottes durchdrungen sei. Dieser Glaube steht bei den Juden so fest wie bei dm Christen; es muß daher auch l nach den religiösen Grundsätzen der Juden, der Eid als; eine heilige Handlung angesehen werden. Diese Ansicht! wird selbst durch die bisherige Eidesformel bestätigt. [ Denn in derselben wird ausdrücklich erklärt, daß nach den j jüdischen Religionsgrundsatzen ein jeder Eib gleich ver-! bindlich sei, er mag einem Bekenner derselben oder eines andern Glaubens abgelegt werden; daher eine einfache Eidesformel zureichend sei. Hierzu bietet sich ein weiterer Grund in folgender Betrachtung dar. Je zahlreicher die Feierlichkeiten bei j der Eidesablegung sind, desto größer wird das Gebiet,! welches hierdurch der Kasuistik eröffnet wird, desto größer! ist dann auch die Gelegenheit, eine der vorgeschciebenen j Feierlichkeiten auf eine dem Richter oft beinahe unmerkj liche Art z. B. durch eine kleine Verrückung der auf! die Tora aufgelegten Hand u. dergl. zu umschiffen und! zu vermeiden, und sich hierdurch die Gelegenheit zu j einem Absprung, Vorwand oder Gemüthshinterhalt vor-! zubereiten. Je einfacher hingegen die Feierlichkeiten der : Eidesleistung sind, desto zuverlässiger kann deren genaue : Beobachtung von dem Richter überwacht werden; dann; ist es viel schwieriger, eines der vorgeschriebenen Erforderj nisse auf eine unmerkliche Art zu umgehen; es ist also j auch schon in diesem Anbetracht eine Vereinfachung der Eidesformel wünschenswerth". PreWuVg, 11. Febr. Der hiesige Vorstand hat sich auf eine eklatante Weise lächerlich gemacht und der Emancipationssache bedeutend geschadet. Von unsecm Rabbi verleitet, der im soferischen Zeitalter zu leben glaubt, hat der Vorstand eine Petition eingereicht, daß j

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.