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Der Orient · 1844-02-27 · Heft 9 (27.2.1844) · p. Seite 69

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 9 (27.2.1844)
Date
1844-02-27
Page
Seite 69 (sequence 9)
Language
German
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Gauner in Deutschland", und Herausgeber ves Lokalblattes: „Beiträge zum Gelingen der praktischen Polizei" hat nun die Weisung erhallen , künftighin sich der Spekulation mit dergleichen kriminalistischen Aktenauszügen zu enthalten. So lange in unserem Gerichtsverfahren noch nicht die Oeffentlichkeit herrscht, da ist die theilweise Veröffentlichung zur Herabsetzung einer Glaudensgenoffenschaft eine Privacverletzung, die kein redlicher Mann begehen wird. Wenn auch die christlichen Gaumrgeschichten zur Oeffentlichkeit aktenmäßig gebracht würden, dann freilich wäre es widersinnig, wenn der Jude sich darüber beschweren wollte, was aber leider jetzt noch nicht der Fall ist. — Unsere Pcedigerwahl (von Rabbinerwahl ist ohnehin keine Rede mehr) ist nun vertagt, da die Freunde des im Voraus gewählten Predigers durch sine zu früh geweckte Opposition, an der Durchsetzung ihres Herzenswunsches verzweifelten. Es liegt darin ein gewisser Trost für die Gemeinde, daß die krummen Wege nichl zum Ziele führen. Königsberg, 18. Febr. Das zweite Heft des vierter Bandes von Maltens Weltkunde 1843 enthalt einen Aufsatz über das, durch die lobpreisende Buchhändleranzeige, vielleicht auch in größerem Kreise bekannt gewordene, dem Titel nach das hebräische Alterthum betreffende Werk von Ghillany. Die Leser dieses Aussatzes (der das Buch empfehlen soll) mögen jedoch damit die im Königsberger Literaturblatt d. I. Nr. 46. 47. 48. 49. 50. 51. 53. 57. 59. 63. 64. 65 abgedruckte (mit L—o—z. unterzeichnet^ Recension jenes Buches vergleichen, um eine Vorstellung zu bekommen von dem, was man mitunter heute noch als „geschichtliche Untersuchung" als „deutlichste schlagendste Beweise" einem gebildeten Publikum darzubieten wagt. L Frankfurt a. M., 20. Febr. In der Sitzung des Raths hier am 12. Febr. kam die Beschneidungsstcrge zur Entscheidung. Die Frage drehete sich um den Punkt, ob die von dem Rabbiner Sal. Trier nachgesuchte Einmischung des Raths in die religiösen Verhältnisse wirklich stattfinden solle, was aber der Rath zurückgewieftn. Die Gemeinde soll nun selbst entscheiden, was jeder billig Denkende schon langst gewünscht, aber da die Gemeinde in Zwiespalt und ihr mit Recht keine Gewalt gegeben ist, so bleibt dem Rabbinertbume natürlich nichts mehr übrig, als durch die Macht der Belehrung und des Wortes auf dissentirende Mitglieder der Gemeinde zu wirken. Das Larmschlagen der Reformfreunde in der Augsburger Allg. Zeitung über diesen vermeintlichen Triumph ist eben so lächerlich als unklug, da Jeder leicht einsteht, daß mit dieser Zurückweisung von Seiten des Raths die Sache noch nicht entschieden ist. Zn der That freuen sich auch viele Rechtgläubige über diese Entscheidung, wenn auch schon darum, weil das Haus Rothschild dabei seine Geldeinwirkung üben wollte und wir von dieser Geldmacht zleider nie Ersprießliches gehabt. Vom Main, 21. Febr. Ich erlaube wir, Ihren Lesern hier ein Schreiben an Hrn. von Rothschild mitzucheilen, die Vertreibung der russischen Grenzjuden betreffend. Ich brauche es wohl kaum zu erwähnen, daß dieses Schreiben, obgleich von einem Einzelnen, im Aufträge und in der Gesinnung von den russischen und deutschen Juden entstanden ist. Es lautet: „Ew. Hochgeb. mögen gütigst verzeihen, daß ich Ihre Aufmerksamkeit auf die unglücklichen Glaubensgenossen der russisch-preußischen und österreichischen Grenze lenken zu wollen. Seitdem zur Ausführung des bekannten Ukases geschritten wird, lagert sich das herzzerreißende Elend dieser Beweinenswerthen fast vor den Thoren Königsbergs, und immer entschiedener und mächtiger tritt das unabsehbar Entsetzliche dieser Maaßregeln vor die Augen. So erhalt jetzt wieder jeder schwache Strahl von Rettung unschätzbaren Werth, auf den man früher noch wohl verzichten mochte, weil man der Hoffnung Raum gab, es werde doch nicht zur Ausführung des Ukases kommen. Ein Aufsatz der Königsbecger Allgem. Zeitung hat den Gesichtspunkt einer etwa diplomatischen Einwirkung — nicht Einmischung ins Auge gefaßt, und wenn man sich die europäische Civilisation als unter dem Schutz der gekrönten Häupter Europas denken darf, wie denn selbst Antecedentien dazu zu berechtigen scheinen, so möchte der Gedanke an Gegenvorstellungen der Fürsten Europas zur Rettung jener so zahlreichen Unglücklichen vielleicht nicht ganz als Chimäre zu verwerfen sein. Oder sollte selbst ein königliches Haupt, sollte selbst ein Kaiser es auch nur irgend unangemessen finden können, zur Abwendung unsäglicher Drangsale von Hunderttausenden (mittelbar von Millionen) schmerzlichst bedrohter ein Wort des Erbarmens einzulegen, in dem Tone wie besonders die erlauchtesten verwandschaftlichen Beziehungen, und die erhabenen Verbrüderungen der irdischen Majestäten, der Herrscher Europa's ihm gestatten? Und das Haus Rothschild — das Haus, das der Allmächtige wie keins in Israel gesegnet, das Haus in Israel, das der Gott des Abraham, Isaak und Jakob milder Macht ausgerüstet haben soll, den Völkern den Frieden gewahren und Königreiche gründen zu helfen, das über ganze Lander Wohlstand und Segensülle verbreitet und das mit solcher Macht der unsterbliche Ruhm der Weisheit und Mäßigung vereinigt, — das Haus Rothschild sollte nicht Gehör finden, wenn es beiden Herrschern Europas für die unglücklichen hart bedrängten Brüder das Wort nimmt? Gewiß haben Ew. Hochg. längst den herben beklagenswerthen Gegenstand in seinem ganzen Umfange gewürdigt; eben so gewiß ist es, daß längst vor mir Andere das Uebersiüssige gethan, und um Ew. Hochg. mit-

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