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Der Orient · 1844-02-27 · Heft 9 (27.2.1844) · p. Seite 67

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 9 (27.2.1844)
Date
1844-02-27
Page
Seite 67 (sequence 5)
Language
German
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Der Aufschwung, den in den letzten Deeennien die europäischen Juden in Künsten und Wissenschaftenim Handel und Gewerbe genommen haben, berechtigte zu der Erwartung, daß die in neuerer Zeit größtentheils von den slavischen Ländern nach Palästina gewanderten Israeliten, .wenn auch nicht eben europäische Bildung, doch wenigstens europäischen Gewerbfleiß in ihre neue Heimath einführen werden. Wir müssen es aber leider bekennen, daß noch immer fast die gesammte jüdische Einwohnerschaft Palästina's sich zu einem kontemplativen Leben berufen glaubt, das bei ihrer krassen Ignoranz nicht etwa die spekulativen Wissenschaften befördert, sondern aUe Untugenden des Müssigganges zur Folge haben muß. Daß dieser Zustand zum größten Lhcil den deutschen Juden zur Last fällt, ist eine Wahrheit, die man, wie wehe es auch thun mag, in's Licht stellen muß. Seit den ältesten Zeiten war es fromme Sitte bei dm Israeliten, den armen bedrückten Glaubensbrüdern in Palästina, besonders an den heiligen Feiertagen, milde Gaben zu spenden. Von Zeit zu Zeit wurden dann von Palästina Abgeordnete gesandt, um diese Gaben in Empfang zu nehmen. Im Jahr 1824 konstituirte sich in Amsterdam ein Komite —- das u. A. auch in Frankfurt ein Filialkomite einsetzte — durch dessen Vermittelung diese Spenden seither in Empfang genommen und nach einem mit den Gemeindevorstehern der Stadt festgesetzten Modus vertheilt wurden. Daß solche Komi! ö's, die den Lebensnerv der palästinensischen Juden in Händen hatten, vom wohlthätigsten Einfluß auf Beförderung der Kultur und Wissenschaft und somit zur theilweisen Regeneration des orientalischen Iudenthums sehr förderlich sein könnten und müßten, war die berechtigte Erwartung aller derer, die ihren Wohlthätigkeitssinn nicht auf eine prekäre Abhülfe momentaner Bedürfnisse beschrankt wissen wollten. — Das Resultat einer 20jährigen Verwaltung des erwähnten Komite's liegt nun vor unfern Augen; das' leitende Haupt desselben erscheint jedoch unbekränzt mit einer erworbenen Bürgerkrone, vielmehr gehaßt und angefochten von seinen eigenen Schützlingen. Statt nämlich'den Gewerbfleiß zu ermuntern, europäische Kultur zu befördern, das Selbstgefühl und die eigene Thatkrast zu erwecken und überhaupt die Ansiedelung derjenigen zu erleichtern, die, wie z. B. Aerzte, Gelehrte und Handwerker von den segensreichsten Folgen für die geistesarmen Bewohner sein könnten, wurde jedes Mittel angewendet, um sie zu verknechten und geistig zu erniedrigen. Die Einwanderung unwissender und arbeitsscheuer Individuen in großer Anzahl wurde auf's Eifrigste befördert und dagegen gewerbfleißigen, thätigen und intelligenten Männern alle möglichen Hindernisse in den Weg gelegt. Das amsterdamer Komite, weil aus Männern zusammengesetzt, deren Namen in der merkantilischen Welt einen guten Klang haben, vermochte lange sein Wirken und Leisten in dunkeln Nebel zu hüllen, ohne daß man nur daran dachte, einmal offene Rechnungsablage zu fordern. Der wenige Verkehr mit den orientalischen G.lau- 9

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