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Der Orient · 1844-02-20 · Heft 8 (20.2.1844) · p. Seite 61

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 8 (20.2.1844)
Date
1844-02-20
Page
Seite 61 (sequence 9)
Language
German
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61 hinreichend -argethan und auch hier haben wir Gelegenheit, über eine ähnliche Wahrnehmung uns zu freuen. Herr I. F. Bahr dt, Redakteur des wendischen Boten, einer seit dem Beginne des Jahres in Neu-Strelitz erscheinenden Mecklenburgischen Volßszeitung, und Verfasser einer im Jahre 1828 erschienenen Abhandlung: „Die Juden in Meklenburg und ihre Wortführer vor dem Richterstuhle der öffentlichen Meinung," durch welche er, den bekannten Ausspruch Cato's: equidem censeo Carthagmem esse delendam auf die Juden anwendend, den damals versammelten Landtag gegtn jede etwa einzuführende Verbesserung israelitischer Zustande im Lande einzunehmen suchte, hat seine Ansichten über diesen Punkt bereits geändert, ist aus einem früheren Gegner nunmehr ein Freund der Emancipation geworden und hat sich auch nicht gescheuet, diese seine Sinnesänderung und richtigere Erkenntniß durch die Aufnahme eines Artikels „zur Judenfrage^ in seinem Blatte kund zu geben. Solche Erscheinungen aber, meinen wir, berechtigen wohl zur Hoffnung, die Gegenwart als eine Morgenrölhe ansehen zu dürfen, von welcher die Nacht des Wahns und des Vorurtheils bereits verdrängt worden und die sicherlich den heiteren, Hellen Tag der Toleranz und der Denkfreiheit in vielleicht nicht mehr gar zu entlegener Ferne in Aussicht stellt. — Wie erlauben uns hier, den Inhalt des erwähnten Artikels in aller Kürze zu referiren. Nachdem der Verfasser desselben die öffentliche Besprechung jüdischer Zustande und Angelegenheiten der Meinung derer gegenüber, die, selbst Freunde der Emancipation, in jedem lauten Worte einen Nachrheil der Betheiligten sehen oder nur Prunksucht und Wichtigthuerei erblicken, — eine Meinung, die sich gerade in unserm Lande nicht selten geltend macht — durch die Erfahrung rechtfertigt, daß da, wo die Iurückgesetzten am wenigsten laut geredet, mochten sie trotz allen Druckes noch so Ausgezeichnetes leisten, dieselben am öftesten von Seiten ihrer christlichen Mitbürger Vorurtheil und Verkennung erdulden mußten, thut er dar, wie gerade die Juden sich am wenigsten mit der stillen That begnügen dürfen, wie sie vielmehr das Bewußtsein des zu ihrer Veredlung Nothwendigen laut zu erkennen geben und öffentlich Zeugniß ablegen müssen von dem, was sie stlbst für dieselbe thun und wirken, da nur gänzliche Unkünde dessen, was die jüdische Masse schon seit geraumer Zeit durchdringt, Männer wie ein v. Rotteck und die Abgeordneten der sächsischen Ständeversammlung, ausgezeichnet durch Geist und Gemüth und sonst rüstige Kämpfer, wenn es die höchsten Güter der Menschheit gilt, gegen die um Abstellung einiger Beschränkungen bittenden Israeliten zu inhumanen Handlungen und Aeußerungen verleiten konnte. Nach diesen allgemeinen Bemerkungen geht der Verfasser des gedachten Aussatzes auf Meklenburg selbst über, weist nach, wie die kaum 800 Seelen starke Anzahl der Juden unseres Landes durch die Fortdauer des drückenden Schutzverhallnisses, durch die Beschränkungen im Handelsverkehr, durch die Ausschließung von dem Erlernen und Ausüben aller Handwerke, durch die, wenngleich nicht überall streng durchgeführte Ausschließung von jedem städtischen und ländlichen Besitz u. dgl. m. in der freien Entwickelung ihrer Kräfte gehemmt und in der Erhaltung der ihnen e i g e n t h ü m l i ch e n Institute behindert seien, und zeigt zugleich, wie die in den letzten Jahren, als eine Folge der bedrängten Lage, gesteigerte und nun immer drückender werdende Armuth namentlich der Strelitzec Gemeinde, eine baldige Abhilfe dringend nothwendig macht. Daß aber auch die hiesigen Israeliten die mannigfachen Erscheinungen des Lebens keinesweges theilnahmlos vorüber gehen'lassen, sondern den Anforderungen der Gegenwart, aller Hemmnisse ungeachtet, zu genügen sich bestreben, beweise hinreichend der Umstand, daß es der hiesigen Gemeinde, wenngleich mit unsäglichen Opfern, doch gelungen sei, wenigstens den dringendsten Mängeln abzuhelfen und einen geistigen Tod zu verhüten. Zeugniß davon gebe die hiesige Schule, in deren Errichtung die Gemeinde die Ueberzeugung ausgesprochen habe, wie nur durch fortgesetztes Arbeiten an der geistigen Ausbildung der Jugend die rechte Kraft gewonnen werden könne, den noch fortdauernden Druck zu ertragen und mit göttlicher Hilfe eine günstigere Gestaltung zu erringen. Der Artikel schließt mit einem Wunsche, in den wir von Herzen mit einstimmen. „Möge Aufklärung und Menschenliebe durch die Macht der Erkenntniß bald eine bessere Gestaltung für die Verhältnisse der Meklenburgischen Israeliten herbeiführen und der Ausspruch des unsterblichen Canning : „ „bürgerliche und religiöse Freiheit über die ganze Welt"" auch für sie eine Wahrheit werden." Oesterreich. ZVieN, 2. Februar. Die „Sonntagsblätter" von L. A. Frankel bringen folgende historische Notiz: „Die Juden hatten im Mittelalter ihren eigenen Gatten in Wien, d§r auf dem Judenplatze an der Stelle des gräflich Collatto'schen Palastes sich befand und^ Juden garten hieß. Bis zum Jahre 1421 befand sich auf dem Judenplahe auch noch die Synagoge, und diese beiden öffentlichen Besitzthümer der' Juden nahmen die Halste des heutigen Ju-denplatzes ein, der erst im Jahre 1422 entstand, da der Judengarten aufgehoben wurde, nachdem das Jahr zuvor schon die Synagoge demolitt worden war, was nach M i tterb a che r durch Wuth des Volkes oder auf Befehl des Kaisers geschah." — Im vor. I. wurden hier 161 Juden geboren. 14. Febr. Sie wünschen im Namen einer großen Anzahl Ihrer Leser Nachrichten über das hier zu errichtende Collegium RahMnicum 5 wie weit die Ver-

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