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Der Orient · 1844-02-20 · Heft 8 (20.2.1844) · p. Seite 60

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 8 (20.2.1844)
Date
1844-02-20
Page
Seite 60 (sequence 7)
Language
German
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60 sie der Judenhaß nur immer eingiebt. Aber so viel will ich nur erinnern, daß dieser Ukas nicht neu ist, sondern schon im Jahre 1826, als die Juden aus Kiew verwiesen wurden, publicirt wurde. Einige Uebertretungen mögen die Erneuerung und die Einscharsung veranlaßt haben. — Die Judenschaft hier hat, wie man allgemein erzählt, dem Könige von Preußen eine Denkschrift zu Gunsten der russischen Grenzjuden überreicht, ihn um kräftige Fürbitte bei seinem Schwager ersuchend. Aus politischen Gründen soll er sie an den Prinzen von Preußen gewiesen haben, der auch eine kräftige Fürsprache zugesagl haben soll. — Die israel. Mitglieder der Maurerlogen im Auslande, welche bekanntlich bis jetzt von der Teilnahme an preußischen Logen ausgeschlossen sind, haben eine Schrift dem Großmeister überreicht, worin die Nichtaufnahme in den hiesigen Maurerlogen bekämpft wird; denn bekanntlich können in Preußen nicht einmal getaufte Juden ausgenommen werden. Aber das Schreiben blieb ohne Erfolg and wie man vernimmt, sott eine treffliche Schrift darüber gedruckt worden sein. — Der hier entstehende G e fellenv erern hat faktisch noch nicht Juden ausgeschlossen, was natürlich ist, da er sich noch gar nicht konsticuirt hat. Aus Bttterm, 29. Jan. Wahrend man vielleicht vor mehren Jahren zu viel aus unserem Lande über die religiösen Angelegenheiten Israels hörte, scheint jetzt eine Stille eingetreten zu sein, aus welcher die Vermutung geschöpft werden könnte, es fei auf dieses Brausen und Kämpfen nicht ein Waffenstillstand oder Friede gefolgt, sondern eine Niederlage, welche alle Kräfte gefesselt, und jeder Wirksamkeit ein Ende gemacht hat. Doch es^ sieht Gottlob so schlimm nicht bei uns aus. Allenthalben vielmehr werden die Synagogen renovirt, der Kultus geordnet, in den meisten Schulen nach guter Methode unterrichtet und in vielen Gotteshäusern das Wort Gottes gepredigt. Mag es auch hie und da noch an einem tüchtigen Lehrer fehlen, giebt es auch noch Rabbiner, denen die Fähigkeit oder der Wille fehlt, in tüchtigen Vortragen echte Religiosität zu verbreiten; so kann doch im Allgemeinen der Fortschritt nicht übersehen werden, und man steht in dieser Hinsicht hier wenigen deutschen Ländern nach, vielen vor. Wovon in manchen Provinzen noch viel Aufhebens gemacht wird: das Predigen in deutscher Sprache/' die Errichtung einer guten Schule, das Einfuhren eines Chors, das Aufrechthalten einer Leichenordnung — das sind Dinge, welche bei uns zu den alltäglichen gehören, weshalb es auch Niemand der Mühe werth halt, die Spalten eines jüdischen Blattes damit zu füllen. In den Gemeinden selbst erwacht immer stärker der Sinn für zeitgemäße Reformen, und diejenigen, welche eine retrograde Bewegung wünschen, sind eine kleine Zahl. Zwar scheint die Regierung milscheelem Blicke aus die Reformbestrebungen zu sehen, allein auch da ist es nicht so schlimm, als man im Auslände denkt. Der Proceß gegen Rabbiner Dr. Lö w i soll, si'cherm Vernehmen nach, zu seinem Gunsten entschieden sein, was auch zu erwarten war, da kein triftiger Klagegrund vorlag, und eine bedeutende Majorität der. Gemeinde für den Rabbiner sich erklärt hat. In Oberfranken erließ die Kreisregierung neuerdings ein Cirkularschreiben, worin jede Polizeibehörde aufgefocdert wird, anzuzeigen, ob die angestellten Lehrer und Vor-! langer des Seminar besucht und eine Prüfung bestanden haben. Das berüchtigte Verbot des Hopfenhandels, das von dieser sonst sehr humanen und die Aufklärung; der Israeliten fördernde Kreisregierung ausging, wurde j mittelst höchster Ministerialentschließung aufgehoben, und \ zwar deshalb, weil der Produktenhandel ein freier Hanj del sei, den für Israeliten zu verbieten in dem Edikte [ von 1813 kein Grund vorliegt. — l Berlin, 14. Febr. Parturiunt monles, nascitur \ ridiculus mus, fürchten wir, wird die aus den langen j Verhandlungen über das Judengesetz zu ziehende Moral f sein. Jetzt heißt es wieder, daß die Regierung wünscht, \ zwei Juden mögen sich über die Verhältnisse der preuß. \ Juden aussprechen, was bei der Legislation dann von l Einfluß sein soll. Wen die Wahl treffen wird, ist noch l nicht bestimmt. Wir bedächtigen, vor- und umsichtigen \ Deutschen kommen vor lauter Berathungen und Vorsichtsmaaßregeln zu keinem Resultate. \‘ Strelitz, 1. Februar. Wenn es schon wohlthuend [ ist, wahczuehmen, wie der versöhnende Geist unseres Jahrhunderts sich nach allen Seiten hin kundgiebt: wie l die Gegenwart sich bemüht, der Schmach früherer Zeiz ten sich zu entwinden und als ein Kind der immer allgemeiner werdenden Intelligenz sich der Mutter würdig [ hecauszustellen; wenn es erfreulich ist, zu sehen, wie auch für die Israeliten, die, langer als ein Jahrtausend / das Opfer des Vorurtheils und der Verkennung, der f edelsten Güter des Volkslebens untheilhaftig waren, eine mildere Zukunft sich zu gestalten beginnt: wie einzelne Männer der Wahrheit, ja wie eine ganze Ständeversammlung, mit Energie und Freimuth für ihrr mosai- \ scheu Mitbürger das Wort führend, auch für diese alle s Menschenrechte ungeschmälert fordert, so dürfte doch der f vollkommenste und schönste Sieg unsrres Zeitalters über | die Vergangenheit sich in der Erscheinung kund geben, r daß Ehrenmänner, dir früher aus Unkenntniß der jüdi- / schen Verhältnisse und Zustände gegen die Juden aufge-? treten waren, später, nachdem sie sich eine richtigere I Einsicht in dieselben verschafft hatten, der Wahrheit die s Ehre gebend, ihre Vorurtheile aufgaben und kein Be- | denken trugen, ihre nunmehr gewonnene bessere Erkennt- I niß öffentlich auszusprechen und eine mildere Gesetzge- J bung für die mosaischen Glaubensgenossen dringend an- | zuempfehlen. Daß es aber an solchen Ehrenmännern E nicht fehle, hat bekanntlich vor nicht gar langer Zeit ein j hochgestellter preußisther Staatsbeamter durch seine Schrift n

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