Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1844
- Issue
- 7 (13.2.1844)
- Date
- 1844-02-13
- Page
- Spalte 107-108 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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107 108 Studien. Geschichte der Samson'scheu Freischule zu Wolfenbüttel. tige Kenntniß unsrer heiligen Sprache"80). Nur die Schüler der ersten Periode hatten so viel Zeit auf die hebr. Sprache verwandt, daß sie ihnen gleichsam zur Muttersprache geworden war. Später mußte sie wie jede andere Sprache erlernt werden, imb. die Methode mußte ersetzen, was sonst kaum haltbar gewesen wäre. Dieselben Grundsätze, die bei der Erlernung der deutschen und französischen Sprache gelten, kommen, mit einigen Modifikationen, bei der hebräischen auch in Anwendung. Nachdem die ersten Leseregeln über Dagesch, Schwa rc. überwunden sind, beginnt der einfache Satz, der sich langsam bis zur vollständigen Periode erweitert, und dessen Bildung durch das Bibellesen zur vollkommensten Sicherheit gelangt. Mit wahrer Freude bearbeiten die Schüler in b (c ist Vorbereitungsklasse) die ersten 18 Uebungsausgaben des in der Anmerkung genannten Buches 8l), während in a. die Uebungen bis zum Schluffe übersetzt, noch andere zusammenhängende Erzählungen bearbeitet, Paradigmen und Syntax geübt werden. Dem Unterrichte in der deutschen Sprache liegt die bekannte neuere rationale Methode zum Grunde. Zn c. Schrciblesen, Anschauungs- und Sprachübungen bis zur allgemeinsten Kenntniß des reinen Satzes und seiner Hauptglieder8"). — In b die Lehre vom reinen einfachen und erweiterten Satze, von der Biegung und Wortbildung, ausgehend von zus ammen händen M u st e r st ü ck e n mit mündlichen und schriftlichen Uebungen8?). In a. gelangen die Schüler zu dem zusammengesetzten Satze nach allen seinen Theilen8^) mit vielfachen eigenen Ausarbeitungen aus dem praktischen Leben und nebenhergehenden Denk- und Sprechübungen. Ueberall Leben, kein Formalismus. Auch der fr an zö fische Unterricht*) in 2 Abteilungen stimmt mit den bisherigen Grundsätzen überein, in b. Satzbildung und Einführung in den französischen Geist neben praktischen Hebungen8^); in a. Lesen der bessern Schriftsteller, Uebersetzungen mit sorgfältiger Korrektur und Sprechübungen. Das Rechnen ist vorzugsweise Kopfrechnen mit an- 80) S. des Vers. Bemerkungen über die Methode des hebr. Elementarunterrichts". Allg. Zeitg. des Judenth. 1839. Homit. Beibl» Nr. 14. 81) S. M. Ehrenberg, Praktisches Elementarbuch zur Erlernung der hebr. Spr. Berlin, 1838. 82) Wurst, das elterliche Haus. Neutl. 1839. 83) Kellne r, Lehrgang des deutschen Sprachunterrichts. Erf. 1842. Wurst, Sprachdenklehre. Reutl. 1841. (Einige Bogen dieses Schulbuchs sind für jüdische Schulen umgedruckt;.dieses zur Nachricht für solche jüd. Lehrer, welche die „Sprachdenklehre" der christlichen Beispiele wegen in Ihre Schul en cin zu führen sich scheuen. 84) Nach denselben Hilfsbüchern wie in b, aus Musterstücken entwickelt. *) Die englische Sprache wird nur privatim gelehrt. 85) Mayer, franz. Elementarwerk. Stuttg. und Tübingen 1842. schaulichen Hilfsmitteln (Rechnstäben, Strichen und dergl.)8 6), in bis zum Multiplicircn einschl.; in b. bis zum Dividiren mit benannten Zahlen und der sog. prakt. Regel detri; in a. Bruch- und höhere kaufmännische Rechnungen"). Die Anfangsgründe der Mathematik vertheilen sich in b. und e; aus die Anschauungs- und Denkübungen und den geographischen Unterricht. Zunächst hat daher nur a. einen regelmäßigen Kursus der Geometrie37), der binnen Kurzem wohl eine Erweiterung erhalten wird88). Geographie wird auf eine durchaus anschauliche Weise nach Ritter's Grundsätzen und selbst ausgearbeiteten Leitfäden gelehrt 89). Der Unterricht in c. dient nur zur Vorbereitung, macht mit der Terminologie, den Begriffen von Linie, Kreis, Kugel rc., ferner von Berg, Thal, Fluß rc. bekannt, lehrt die Schüler ihre nächste Umgebung — Stube, Haus, Garten, Straße, Stadt, Umgegend — kennen und übt die Abstraktion von der Wirklichkeit zur Abzeichnung. Daher stete Anschauung und Wechselwirkung zwischen Natur und Bild9°). — In d. beginnt der eigentliche geographische Unterricht mit ,der allgemeinen Orientirnng im Raume. Hier soll eine vollständige Kenntniß der Erdoberfläche, so weit ihre Theile nicht dem Wechsel unterworfen sind, erzielt werden; doch immer nur in Umrissen. Daher Angabe sämmtlicher Naturverhältnisse, der Gebirgs- und Stromsysteme, der Land- Umrißformen, der Oceane und Meerestheile, auch der Länder, Hauptstädte, Menschenra^en rc. Durch beständiges Durchüben und Ehartenz.eichnen aus freier Hand erreichen die Knaben dieser Klasse eine nicht unbedeutende Anschauung der ganzen Erdfläche, so daß sie auch ohne Charte das Bild der Erde klar vor Augen haben. — In a. tritt zu dem Bisherigen in genauer Wiederholung noch das mathematische und politische Element und rundet so diesen Unterrichtszweig 91) auf eine lebensvolle Weise ab. Die allgemeine Weltgeschichte muß durchaus auf chorographischer Basis beruhen, wird daher erst in b. rein biographisch in kindlicher Begriffsweise, in a. dagegen vollständig §2) und mit populärer Darlegung der historischen Grundideen vorgetragen. Was in e. durch die Anschauungsübungen nur 86) Diesterweg und Heuser, prakt. Rechnbuch, und deren Handbuch. Etberf. 1835. **) Bei weiter vorgerückten Schülern noch Buchhalterei. 87) B u ch h e i st e r , Geometrie für Bürgerschulen. Braunschw. 1826. 88) Die Bürgerschule darf indeß in der Mathematik nicht zu weit gehen; sie sollte stets elementarisch bleiben und nie bis zur eigentlichen Wissenschaft sich versteigen. 89) G u t s M u t h s, Methodik. Wekm. 1835. 90) Dieser Unterricht wird theilweise im Freien ertheilt. 91) In einem 2jähr. Kursus werden alle Theile der Erde so durchgenommen, daß auf Europa mindestens die Hälfte und auf Deutschland ein Viertel der Zeit kommt. — Die Chorographie von Palästina geht dem Unterrichte in der jüdischen Geschichte voran. 92) Der Kursus dauert 2 Jahre.