Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1844
- Issue
- 7 (13.2.1844)
- Date
- 1844-02-13
- Page
- Spalte 105-106 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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105 106 Studien. Geschichte der Samson'schen Freischule zu Wolfenbüttel. -gegenstände hier vollständig zu reden, würde zu weit führen. Daß die Methode den Fortschritten der Zeit folgen müßte, ist so natürlich, daß es kaum anders erwartet werden darf. Die Erziehung unsrer Zöglinge soll im Allgemeinen nach dem Ziele streben, das ich im Obigen dargelegt habe. Je deutlicher dieses Ziel dem Auge des Pädagogen vorschwebte, desto fester und sicherer mußte auch der Gang dahin werden, desto passender die Mittel zu dem Zwecke. In der sittlichen Erziehung gilt freundliche, väterliche Milde, auf wahrer Frömmigkeit und dem still-gemüthlichen Familienleben gegründet, neben ernster Konsequenz. Im Unterrichte steht durchgängig die Anschauung, das Leben voran, in der Sprache der Satz, in den Realien Natur und Bild, in der Religion das Gefühl. Hierüber noch Einzelnes in gedrängter Kürze. Der Unterricht in der Religion wird in 2 Abtheilungen ertheilt und beschränkt sich in c.70) auf eine gemüthliche Erzählung der biblischen Geschichte7*) mit Bibelsprüchen, Gesängen und Erklärungen der 10 Gebote und der Ceremonien. Der Kursus dauert 14 Jahr7-). In a und b (kombinirt) beginnt ein methodisch-katechetischer Gang des religiösen Unterrichts7^), mit nicht genau abgegrenztem Kursus. ' Abgesondert davon die ein halbes Jahr dauernde Vorbereitung zur Konfirmation (S. Anh. I.). — Außerdem hat die ganze Einrichtung der S. Fr. Sch. einen streng religiösen Charakter, der vielfach dem Unterrichte zu Hilfe kommt, vielfach — ihn hemmt. Dies erfordert eine Erläuterung. Durch das jüdisch-religiöse Leben findet mancher Gebrauch, manches Gesetz fast unwillkülich seine Erklärung und bedarf, als in der Gewohnheit begründet, keiner weitläufigen Auseinandersetzung; ebenso prägen sich Gebete, (Zeremonien u. v. A. durch die tägliche Uebung von selbst dem Gedächtnisse und der empfänglichen Seele des Kindes ein 74). Auf der andern Seite aber war die Kluft zwischen dem Bildungsstande der Schule und der Art und Weise der äußern Gottesverehrung von Jahr zu Jahr so bedeutend weiter geworden, daß ein Fortbestehen dieses Zustandes das Leben der ganzen Schule zu untergraben drohte. Wie nachthcilig mußte es z. B. auf das Gemüth des Kindes wirken, sah es den Festgottesdienst am Wochenfeste ganz auf die alte traurige Weise und gleich dachern, wie in der Stundenzahl (G. Anh. LN). Letztere betrug im Jahre 1818 noch 61, 1819 - 67, 1830 — 44. 70) Die erste Klasse soll durch a, die zweite durch b, die dritte durch c bezeichnet werden. 71) Nach: Cohn und Dinke(sp iel,Erzählungen der heil. Schrift. Jserl. und Leipz. 1834. 72) Ueberall, wo der Kursus nicht besonders angegeben ist, dauert derselbe 1 Jahr. 73) Zum Grunde gelegt wird: Herxheimer, Glaubens- und Pflicht entehre. Mgdbg. 1832. 74) Dieses ist nur die eine (äußere) Seite, von der andern (innern) ist schon oben geredet. nach den mit deutschem Choralgesang und Predigt verbundenen Einsegnungsakt vollziehen! Wie konnte man Andacht von lebhaften Knaben erwarten, wenn sie Stunden lang verwirrtes Geschrei vernehmen, unverständliche Pijutim anhören oder mitbeten sollten! Wie schwierig ist nur das Disciplinar-Verfahren bei solchen Gegensätzen! — Deshalb ward schon seit geraumer Zeit wenigstens der tägliche Schulgottesdimst auf eine würdige, andachterweckende Weise eingerichtet und die Vorbereitung getroffen, daß dieselbe Einrichtung auch in die zur Anstalt gehörende Synagoge Eingang finde. So lange indeß jene Uebereinstimmung zwischen Inhalt und Form nicht vollständig hergestellt ist7^), tritt die.angedeutete Hemmung immer schroffer der Erziehung entgegen, welche einer verdoppelten Anstrengung bedarf, um die heterogenen Elemente auszugleichen. - Durch das Ueber setzen der hebr. Gebete7^) wird dagegen die Andacht sehr gefördert, sowie die jüdische Geschichte (für a und b gemeinschaftlich) das Interesse für den Glauben bedeutend erhöht77). Indem sie die altern bibl. Begebenheiten nur in rascher Uebersicht zusammenfaßt, zeigt sie in denselben die Grundlage zu den spätern Ereignissen und entwickelt aus diesen ebenso den erhabenen Gang des göttlichen Weltgerichts wie die weise, gnädige Fürsorge des Schöpfers für die Träger der göttlichen Einheitsidee. In e beginnt die Einleitung zur Kenntniß der Bibel in der Ursprache mit den leichtern Stücken des Pentateuch 73)$ her Lehrer übersetzt wörtlich vor, die Schüler wiederholen es, schreiben nachträglich die Vokabeln auf und lernen sie auswendig. — In b. zwei Stunden Pentateuch mit sorgfältiger Vorbereitung und exeget. grammatischen Erklärungen, langsam und gründlich, 1 Stunde die historischen Bücher mit Aufschreiben und Memoriren der Vokabelii- — In a. 4 Stunden Pentateuch mit Raschi und 1 St. die poetischen Schriften der Bibel7 9). An diesen Unterricht schließt sich der eigentliche grammatisch-hebräische, der, auf die rechte Weise betrieben, „in Wahrheit eine breite Grundlage wird für die tüch- 75) Nur eigentümliche Rücksichten (die hoffentlich bald wegfallen) haben die Einführung des verbesserten Ritus bisher verhindert. 76) In e. mit Auswahl, in a. und b. vollständig und kursorisch. 77) Zum Grunde liegt: El kan, Leitfaden rc. Mind. u. Leipz. 1839. Dieses Büchlein, schon als das erste seiner Art sehr verdienstlich, genügt indessen den Anforderungen an ein Schulbuch keineswegs. Es hält sich zu sklavisch an Jost's Geschichte, giebt zu viel, ist nickt übersichtlich genug, und die kindliche Sprache fehlt. Möchte die neueste Preisaufgabe des Berliner Kultur-Vereins tüchtige Bearbeiter finden und zugleich einen Berufenen zur Abfassung eines solchen Leitfadens anregen, wie wir ihn für die allgemeine Weltgesch. schon besitzen. 78) Nach Johlson nnN nnbm. 79) So weit die Selbstständigkeit es zuläßt, wird die unter Redaktion des Dr. Zunz herausgegebne Ueberssetzung benutzt.